Auszeichnung für wegweisende Innovation

"Vom Klärwerk zum Kraftwerk"

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Zusammen mit OB Thomas Kiechle freut sich akve-Geschäfts- und Betriebsleiter Franz Beer über den Abwasser-Innovationspreis, den Beer bereits im Dezember vom Bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber in Empfang genommen hatte. F

Kempten/Landkreis – Wie kann man aus Abwasser Energie gewinnen? Der Abwasserzweckverband Kempten (avke) plant das Projekt „Vom Klärwerk zum Kraftwerk“, hinter dem sich ein innovatives Konzept zur Trocknung von Klärschlamm verbirgt.

Bereits im Dezember des letzten Jahres hat der avke für das mit insgesamt 3,5 Millionen Euro veranschlagte Projekt einen, wie Kemptens Oberbürgermeister und Abwassserverbands-Vorsitzender Thomas Kiechle beim Pressetermin sagte, „tatsächlich bedeutenden Preis gewonnen“: den Abwasser-Innovationspreis des Bayerischen Ministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz. Damit verbunden ist ein Maßnahmen-Zuschuss von 360.000 Euro. Franz Beer, Geschäfts- und Betriebsleiter des akve, hat ein dreistufiges Konzept entworfen, um den Kraft-Wärme-Wirkungsgrad zu erhöhen und so die Kläranlage autark betreiben zu können. „Die Gedanken dazu entstanden schon vor mehreren Jahren“, parallel mit einem seiner Mitarbeiter (der im Hintergrund bleiben möchte), erklärte Beer und stellte das ambitionierte Projekt vor. 

Start mit zweistufiger Trocknung
Die bestehende Klärschlammtrocknung ist für die gestiegene Menge nicht mehr ausreichend und eine Lösung gefordert. Um lange Entsorgungsfahrten mit lediglich entwässertem Klärschlamm zu vermeiden, soll nun eine zusätzliche Trocknungsstufe mit einem Kontakttrockner, betrieben mit 230 Grad Celsius heißem Thermalöl, gebaut werden. Etwa bei der Hälfte des Schlammes kann laut Beer auf diese Weise der Wassergehalt von rund 65 Prozent auf etwa zehn Prozent gesenkt werden. Das aus dem Klärschlamm verdampfte Wasser wird bei etwa 90 Grad Celsius wieder kondensiert und steht der bestehenden Trocknung als zusätzliche Wärmequelle zur Verfügung. 

Zweiter Schritt
Ein neuer Schichtwärmespeicher soll für eine effektive Nutzung unterschiedlicher Wärmeströme sorgen und dafür sorgen, dass sich hohe und niedrige Wärme nicht vermischt. So kann die bislang ungenutzte Wärme der Gasgemischkühlung der Blockheizwerke zum heizen der Faulbehälter zusätzlich eingesetzt werden. Werden die Vor- und Rücklauftemperaturen nicht gebraucht, können sie über Ventilatoren an die Umwelt abgegeben werden. „Damit haben wir nicht nur den Stromkreislauf, sondern auch den Wärmekreislauf geschlossen“, freut sich Beer, dass bereits erste Interessenten „nachziehen wollen“. 

Regenerative Energieversorgung
Um autark auch längere Stromausfälle überbrücken zu können, wurde zudem ein Notstromaggregat konzipiert, das in Form eines mit Pflanzenöl betriebenen Blockheizkraftwerks vom Stromnetz völlig unabhängig den Betrieb des Gruppenklärwerks für mindestens zehn Tage garantiert. Ein Stromspeicher soll künftig Stromspitzen abgleichen. „Wir sind jetzt schon in der Lage, mehr Energie zu produzieren, als benötigt“, sagt Beer, aber diese stehe halt nicht immer dann zur Verfügung, wenn sie auch benötigt werde – schon bald wohl kein Problem mehr. Noch in diesem Jahr soll mit der Umsetzung begonnen werden.

Kommunen im Abwasserzweckverband:
Stadt Kempten, Altusried, Betzigau, Buchenberg, Dietmannsried, Durach, Haldenwang, Lauben, Oy-Mittelberg, Sulzberg, Waltenhofen, Wiggensbach

ct

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