"Ach du liebe Sch..."

Interessengemeinschaft aus Landwirten kämpft gegen die neue Düngemittelverordnung 2025

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Rund um den Landwirt Rudolf Rauscher hat sich eine Interessengemeinschaft von Allgäuer Landwirten gebildet, die sich mit Unterstützung der Freien Wähler gegen das Inkrafttreten der Düngemittelverordnung 2025 einsetzen.

Sulzberg – Die ab dem Jahr 2025 geltende Düngemittelverordnung führt bei vielen Landwirten in der Region zu großem Unmut. Denn ab diesem Zeitpunk müssen flüssige, organische Düngemittel, die einen wesentlichen Gehalt an verfügbarem Stickstoff haben,

wie z.B. Gülle, auch auf Grünland entweder streifenförmig auf- oder direkt in den Boden eingebracht werden. Das hätte zur Folge, dass die meisten Bauern, die ihre Gülle bisher über einen Schwenkverteiler auf ihr Grasland aufbringen, in die neue Technik eines Schleppschuhs oder Schleppschlauchs investieren müssten.

Eine solche Investition ist teuer und viele Allgäuer Landwirte fragen sich, ob diese neue Technik, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Belastung des Bodens und der Luft zu reduzieren, nicht genau das Gegenteil bewirkt. Rund um Rudolf Rauscher, Thomas Fleschutz und Manfred Dorn hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet, die derzeit bei insgesamt sieben abendlichen Veranstaltungen Unterschriften gegen die Novellierung der Düngemittelverordnung 2025 sammelt. Ziel ist es, Ende des Jahres eine Petition für die Aufhebung der Düngemittelverordnung 2025 im Bayerischen Landtag einzureichen. Unterstützt werden die Landwirte dabei durch die Fraktion der Freien Wähler, in Person von Bernhard Pohl, MdL, und Susen Knaber, Vorsitzende der Freien Wähler Ostallgäu. Nun traf man sich in der vergangenen Woche im Gasthof „Zum Hirsch“ in Sulzberg, um mit rund 200 weiteren Landwirten die Sache zu diskutieren.

Viele Unwägbarkeiten

Konkret meinen die Landwirte, dass die Schleppschuh- oder Schlitztechnik aufgrund der im Allgäu häufig vorkommenden Hanglagen nicht optimal einsetzbar ist, sie aufgrund ihrer komplizierten und teuren Technik nur überbetrieblich oder vom Betriebsleiter selbst gefahren werden kann, eine hohe Störanfälligkeit aufzeigt, zudem einen erhöhten Zeitaufwand durch mehr Rüstarbeiten bedeutet und häufig Güllereste produziert, die wieder den Weg ins Tierfutter finden. Viele Landwirte möchten deshalb bei der „guten alten fachlichen Praxis“ bleiben, was heißt, Gülle bei kühlem „Güllewetter“ und sofort nach der Ernte mit einfacher und „bewährter“ Breitverteilung via Schwenkkopf am frühen Morgen oder am Abend auf die Grünlandflächen aufzubringen. Deshalb fordern die Bauern rund um Rudolf Rauscher, Thomas Fleschutz und Manfred Dorn, dass der beliebte Breitverteiler der Firma Möscha nach 2025 weiterhin erlaubt bleibt, denn sie befürchten, dass bei der geplanten Novellierung der Düngeverordnung ein Strukturbruch in der Landwirtschaft eintreten wird.

Weiterhin setzt sich die Interessengemeinschaft dafür ein, dass am Spitalhof praxisnahe Versuche gemacht werden sollen, die über mehrere Wochen nach der Aufbringung angelegt werden und deren Ergebnisse zudem öffentlich gemacht werden sollen. Gerne tritt man, so Fleschutz, mit den „Möchtegern-Experten in eine Gülle-Challenge“. Sollte die Düngemittelverordnung wie geplant in Kraft treten, befürchtet man seitens der Landwirte, dass kleinere landwirtschaftliche Betriebe die Mehrkosten nicht mehr werden stemmen können und so zur Aufgabe ihres Betriebes gezwungen sind.

Zudem rechnen die Bauern mit einer steigenden Arbeitsbelastung, einer Beeinträchtigung der Tiergesundheit, mehr Rückstände in der Milch, einer 24h-Gülle-Ausbringung zur Not auch am Sonntag und die Nichtbewirtschaftung vieler kleiner und schwieriger Wiesen. „Somit wird sich der Anblick unserer Allgäuer Kulturlandschaft erheblich verändern und auch deshalb werden wir alles daran setzen, gegen das Inkrafttreten dieser Düngemittelverordnung anzugehen“, sagt ein kämpferischer Initiator Rauscher. Von dieser Verordnung profitieren würden, so die Redner des Abends, lediglich die Hersteller der neuen Düngeausbringungsverfahren und der Staat über erhöhte Mehrwertsteuereinnahmen. In jedem Fall will die Interessengemeinschaft über die bayerische Landtagswahl hinaus an der Sache dranbleiben.

Jörg Spielberg

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