"Wir wollen Volkspartei sein"

AfD-Kreisverband Oberallgäu/Lindau/Kempten lädt zur Kandidatenvorstellung

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In der Waldschenke in Durach stellte der Kreisverband der AfD Kempten-Oberallgäu seine Kandidaten zur Kommunalwahl 2020 vor. Vom Vorstand mit dabei waren (v.l.): Ernst Jakob, Stellvertretender Schriftführer; Paul Alger, Beisitzer; Roland Aicher, 1. Stellvertretender Vorsitzender; Peter Felser, MdB und Vorsitzender; Erwin Reinert, Beisitzer; Walter Freudling, 2. stellvertetender Vorsitzender, und Timo Scheffler, Schriftführer.

Durach/Landkreis – Die Kommunalwahl am 15. März 2020 wirft ihre Schatten voraus und die Parteien suchen nach Kandidaten für ihre jeweiligen Listen. So auch die AfD, die sich am vergangenen Donnerstagabend in der Waldschenke in Durach einfand,

um Bürgern eine Plattform zu bieten, die für die AfD als Kandidat am 15. März an den Start gehen möchten. Zu Beginn begrüßte Peter Felser, der Kreisvorsitzende und Vize-Fraktionsvorsitzende der AfD-Fraktion im deutschen Bundestag, die rund 30 anwesenden Gäste. 

Er betonte die Wichtigkeit, als Partei in kommunalen Parlamenten verankert zu sein, wo es um alltägliche Dinge gehe wie Bildung, Pflege, Integration, Wohn- und Straßenbau. Felser will die AfD stärker in den lokalen Parlamenten vertreten haben. Er selbst verkündete im Laufe des Abends, für den Kreistag zu kandidieren. Einen Tag nach dem Amoklauf eines rechtsextremen Täters in Halle, verurteilte Felser die Tat als verabscheuungswürdig und verlangte Aufklärung über Täter, Umfeld und Motiv. Allerdings verwahrte sich der Bundestagsabgeordnete gegen Äußerungen wie die von Bayerns Innenminister Herrmann, der gesagt hatte: „Einige AfD-Politiker sind geistige Brandstifter der Tat.“ 

Lokalpolitik erklärt 

Als zweiter Redner des Abends trat der zweite Stellvertretende Kreisvorsitzende Walter Freudling auf, der selbst als ehemaliger CSU-Ortsvorsitzender im Kemptener Stadtrat gesessen hatte. Er sprach zu den Anwesenden über die Grundlagen kommunaler Politik und die Struktur von Gemeinde- wie Stadträten. Freudling zeigte auf, welche Aufgaben Stadt- wie Gemeinderäte innehaben und welche Kompetenzen diese gegenüber Bürgermeistern und den Verwaltungen der Städte und Gemeinden haben. Ebenso erläuterte er die Aufgaben von Ausschüssen und Beiräten. 

Der Politiker zeigte ebenfalls auf, warum die Tätigkeit von lokalen Politikern für eine Partei wie die AfD wichtig sei. Er rechnet mit gewaltigen Veränderungen in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen. Mögliche Vertreter der AfD in lokalen Parlamenten könnten diese Entwicklungen positiv begleiten, so ein Leitsatz der AfD, der auf die Leinwand projiziert wurde. Ein weiterer seiner Richtsprüche besagt, „dass es möglich ist, Traditionen und Heimat zu schützen und zu bewahren, und Neues verantwortungsbewusst zu gestalten“. 

„Darüber hinaus“, so Freudling, „lernt ein Ratsmitglied viele Entscheider kennen.“ Der Vizekreisvorsitzende wollte die Anwesenden ermuntern, sich politisch einzubringen und ihre Stimme öffentlich zu erheben: „Wir wollen Volkspartei werden und sind offen gegenüber vielen gesellschaftlichen Gruppen.“ Felser ergänzte, dass nach seinem Empfinden die AfD Offenheit gegenüber vielen gesellschaftlichen Gruppen zeigen sollte, man aber keine Seilschaften aus anderen Parteien in den eigenen Reihen aufnehmen wolle. 

Kandidatenkarussell

Die Palette der rund zwölf Kandidaten zeigte sich relativ vielschichtig. Auffallend sicherlich die Tatsache, dass es sich ausschließlich um männliche Kandidaten handelte, mit der Ausnahme einer transsexuellen Person, die eine Geschlechtsanpassung von Mann zu Frau vollzogen hatte und diese persönliche Entscheidung offen ansprach. Unter den Kandidaten bekannten sich zwei weitere Personen offen zu ihrer Homosexualität. Die überwiegende Anzahl stellte sich als verheiratet und Vater mehrerer Kinder dar. Alle Kandidaten sind oder waren berufstätig, darunter selbstständige Handwerksmeister, Kaufleute sowie ehemalige Verwaltungsangestellte. Die Beweggründe, für eine Partei wie die AfD zu kandieren, waren bei allen ähnlich gelagert: Man möchte anders als andere Parteien Traditionen und konservative Werte mehr in den Fokus stellen, ist skeptisch, ob eine Integration ausländischer Mitbürger mit ausgeprägtem muslimischen Glauben gelingen kann, und kritisiert scharf die Klimapolitik der Bundesregierung, die sich aus der Sicht der Kandidaten dem Diktat der UNO und Bewegungen wie Fridays for Future unterwerfe. 

Hier befürchten einige Kandidaten, dass eine solche Politik zur Deindustrialisierung Deutschlands führen wird. Größter Unmut in der Runde herrschte über die Art und Weise der Berichterstattung über die AfD und die empfundene „Instrumentalisierung“ von Medien durch u.a. Vertreter der so benannten „Altparteien“. Zwei ostdeutsche Teilnehmer der Veranstaltung sprachen dezidiert dieses Thema an und berichteten von ihren Erfahrungen aus ihrer Zeit als Oppositionelle in der DDR. Auffallend bei fast allen Kandidaten war eine frühere Verbundenheit mit der CSU, die aber mit der Politik von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundesinnenminister Horst Seehofer ihr Ende gefunden hatte. Am Abend stellte sich heraus, dass gleich drei ehemalige CSU-Ortsvorsitzende Kandidaten der AfD im kommenden Kommunalwahlkampf werden könnten.

Protest 

Die Veranstaltung der AfD wurde von einer Protestbewegung des Kampagnenbündnisses „Keine Stimme für Rassismus“ begleitet. Veranstalter war „Das Allgäu ist bunt“. Die rund 35 Demonstranten veranstalteten eine Mahnwache unter dem Motto „Kein Platz für rechte Hetze im Gemeinderat – Das Allgäu bleibt bunt“. Sie wollten ein deutliches Zeichen gegen Rassismus und für ein buntes und weltoffenes Allgäu zu setzen. Knapp zwei Stunden harrten sie aus. Beide Veranstaltungen wurden durch anwesende Polizeikräfte räumlich getrennt

Jörg Spielberg

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