Akribische Detektivarbeit

Zugereiste können auch ein Glücksfall sein. Die neue Kreisheimatpflegerin Ingrid Müller ist zwar in Kempten geboren, aber ihre Eltern waren Vertriebene. In diesem Personenkreis werden oft Traditionen gepflegt, die Erinnerung an längst Vergangenes lebendig gehalten. Die Familie Müller siedelte 1978 nach Altusried um, wo die Tradition des Laientheaters seit 1849, also genau 160 Jahren, die Dorfgemeinschaft mit prägt. Nur logisch, dass die vier Müllers schon 1982 beim Tell mitspielten. Wer sich das neue Buch „Allgäuer Freilichtspiele Altusried – Eine Chronik in Bildern“ genau anschaut, wird auf Seite 127 lesen, dass Ingrid Müller bei der Jungfrau von Orleans im Jahr 2005 die historische Polonaise einstudiert hat.

Die gelernte Steuergehilfin, die durch ihren Lehrer und Vorgänger im Amt mit der ehrenamtlichen Betätigung des Heimatpflegers in Berührung kam, steht also im Stoff. Dass sie ihre Ziele mit Ausdauer und Hartnäckigkeit verfolgt, hat sie schon mit dem Bildband über Altusried aus der Reihe Archivbilder des Sutton Verlags bewiesen. Auch für ihre Chronik der Freilichtspiele seit 1879 („Der bayrische Hiesel“) und der Märchen seit 1995 („Das tapfere Schneiderlein“) hat sie enorm viel Zeit investiert. Die Schilderung der Detektivarbeit, die vonnöten war, um allen Personen auf den Fotos den korrekten Namen zuzuordnen, löste bei den Zuhörern der Ansprache bei der Vorstellung des Buches in der Aula der Grundschule Heiterkeit aus. Zum Schmunzeln war auch eine Tonbandaufnahme vom Radio Tirol, auf der der damalige Bürgermeister Georg Krug die Ehrengäste zu den Spielen von 1959 begrüßte. Auf einer anderen Aufnahme konnte sich Gotthard Eggensperger, der beim Hofer 1959 erstmals mit der Sprechrolle vom Schmied Alois Scheurer im Programmheft auftaucht, selber beim Singen zuhören. Sein Konterfei gleich mehrmals betrachten kann Heribert Kammel. Nicht weil er der Bürgermeister ist, sondern weil seine ganze Familie vom Theatervirus infiziert ist, ist er bei jedem Spiel mit von der Partie. Die Chronik soll kommende Generationen motivieren, mitzumachen, hofft er. Es sei zunehmend schwieriger, Mitspieler in der erforderlichen Zahl zu finden, denn Freilichtspiele leben nun mal von Massenszenen, konstatiert er. Trotzdem werde auch heuer wieder nach 32 Aufführungen, denen monatelange Probenarbeit vorausging, die meistgestellte Frage beim Abschlussfest sein: „Und was spielen wir in vier Jahren?“ Eine schöne Form der Anerkennung für Ingrid Müller ist seine Zusage, jedem Mitspieler und Helfer der Hoferspiele 2009 das Buch zu überreichen. Schließlich trägt sie als Autorin und Verlegerin das finanzielle Risiko. Interessierte können das Buch direkt bei Ingrid Müller unter der Telefonnummer 08373/465 oder per E-mail unter buchbestellung.mueller@gmx.de bestellen. Darüber hinaus ist das Werk im Dorflädle erhältlich.

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