"Das Grüne muss nach oben"

Altusrieder Schulklasse pflanzt seltene Obstbäume

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Theresa (Mitte) und Kerstin setzten mit Hilfe von Robert Baur „ihre“ Wilde Eierbirne. „Ich finde die Aktion cool. Ich hab daheim auch einen eigenen Birnbaum“, so die zwölfjährige Kerstin. Ihre Freundin Theresa (13) freut sich schon jetzt auf die ferne Zukunft: „Wenn ich mal älter bin und sehe, wie groß der Baum dann ist, kann ich sagen, ‚den hau i pflanzt‘“.

Altusried – Zur selben Zeit, als sich die große Politik bei der UN-Klimakonferenz in Bonn in der Theorie mit den Möglichkeiten zur Eindämmung des Klimawandels befasste, gingen einige Altusrieder Schülerinnen und Schüler das Thema ganz praktisch an:

Die 21 Mädchen und Buben legten vor dem Haupteingang der Freilichtbühne eine Streuobstwiese mit alten Obstsorten an. Die Aktion geht auf die klimaschutzorientierte Kinder- und Jugendorganisation „Plant for the Planet“ zurück. Die AFA (Allgäuer Freilichtbühne Altusried GmbH) stellte die Fläche zur Verfügung.

Bei Schneetreiben machte sich die Klasse 7b M der Altusrieder Mittelschule mit Unterstützung zweier Bauhofmitarbeiter tatkräftig mit Spaten und Schaufeln zu schaffen. Zwölf ausreichend große Löcher galt es für die jeweils gut dreieinhalb Meter hohen, acht- bis neunjährigen Bäumchen auszuheben. Deren Ballen wurden danach sorgsam mit einem Drahtgittergeflecht ummantelt, um die Wurzeln der Bäume vor Wühlmäusen zu schützen. „Viel muss i it sage: Des Grüne muss nach oben!“ läutete Bauhofmitarbeiter Robert Baur die Aktion ein.

Er hatte sich federführend um die Auswahl der Sorten gekümmert. Der Altusrieder begeistert sich auch privat für alte Obstsorten und kennt sich in der Materie hervorragend aus. Er wählte mit Rücksicht auf den besonderen Standort. „Hier unten ist es schattig und lang kalt. Zudem müssen die Früchte spät reifen, damit wir während der Theaterspielzeit kein Fallobst und somit kein Wespenproblem haben“, betont Sebastian Heerwart, der Geschäftsführer der AFA. So fiel die Auswahl auf die Apfelsorten Korbiniansapfel, Jakob Fischer, Josef Musch, Früher Isnyer, Pfaffenhofer Schmelzling, Danziger Kantapfel, Rambur Papeleu, Borowinka und Pfarrling sowie die Birnensorten Gute Graue, Harrow Delight und Wilde Eierbirne. Ergänzt wird das Ganze durch eine Hauszwetschge aus Baurs eigenem Garten.

Zeichen setzen

Die Aktion wurde vom Schulamt in Kempten angeregt und fand im Rahmen von „Plant for the planet“ statt. „Als Umweltbeauftragter der Schule fand ich die Idee gut, gerade vor dem Hintergrund der UN-Klimakonferenz ein Zeichen zu setzen“, erklärt Martin Munk, der die Aktion als Klassleiter der 7b M begleitete. „Wir haben uns im Vorfeld im Unterricht mit dem Thema Klimawandel auseinandergesetzt, damit die Kinder die Zusammenhänge verstehen.“ Die Kinder übernehmen automatisch die Patenschaft für „ihren“ Baum. Außerdem werden sich die Schüler in den kommenden Jahren um die Bäume kümmern, versichert Martin Munk. „Bis zur ersten Ernte dauert es aber noch sechs bis sieben Jahre“, bremst Baur die Euphorie ein wenig. „Moderne Turbobäume tragen schon nach zwei Jahren – dafür leben sie aber auch nur 15 Jahre. Diese Bäume hier sind an das Allgäuer Klima perfekt angepasst und werden bis zu hundert Jahre alt.“

Sabine Stodal

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