Indien und das Allgäu sind einander ein Stück näher gekommen

Ende einer spannenden Woche

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Zum Abschluss gab es am Freitagabend für die indischen Gäste kleine Kuhglocken als Souvenir.

Kaum etwas mag so unmittelbar und schnell Kultur und Menschen verbindend wirken wie Essen und Musik. Das war zumindest bei den letzten beiden großen Veranstaltungen der Aktionswoche „So geht Heimat“ zu erleben.

Zu Tisch gebeten wurden Interessierte im Haus International. Die deutschen wie indischen Jugendlichen des Jugendaustauschprogramms von Dachser und terre des hommes (der kreisbote berichtete) waren gemeinsam in der Küche gestanden, um die Gäste mit Kartoffelsalat, selbstgebackenem Brot und Obatzda sowie mit salzigem und süßem Lassi, Chutney, Dal-Suppe (Linsen-Suppe) und Chana, einem Kichererbsengericht zu verwöhnen.

Das Tischgespräch rund um Heimat, um Klischees und Wirklichkeiten bestritten die KöchInnen und Gäste zusammen mit der Kulturvermittlerin und Künstlerin Laura Klatt, die selbst lange in Indien war, sich einen Namen mit interkulturellen Dialog befördernden Projekten gemacht hat – z.B. verteilte sie im Rahmen des BangaloREsidency Projektes des Goethe Instituts Kartoffelsalat in den Straßen Bangalores im Austausch für Geschichten – und nun die Fäden hier zusammenlaufen ließ. Ebenfalls geladene Tischredner waren Architekt, Fotograf und Stadtforscher Markus Lanz, der sich mit der Schaffung von Räumen für die Menschen in einem kreativen Sinn befasst; die Stadtsoziologin und Kulturwissenschaftlerin Elisa T. Bertuzzo, die sich als feinsinnige und kritisch hinterfragende Kennerin der Probleme Indiens entpuppte, wo sich manch hart erkämpfter Fortschritt, wie der Schutz von Minderheiten, offenbar zurückentwickelt; die Ober-

stdorfer Videokünstlerin Veronika Dünßer-Yaggci, die mit Filmen in der noch bis 8. August im Hofgartensaal gezeigten Gemeinschaftsausstellung „Frau.Land.Flucht“ zu sehen ist; Gerhard Klein, Gymnasiallehrer, Historiker und Archivpfleger des Landkreises Oberallgäu, der das von vielen gepflegte Selbstverständnis von Heimat Allgäu in einem neuen Licht erschienen ließ. Die anfänglich eher zaghafte Diskussion entwickelte sich bald zu einer munteren Tischrunde – vielleicht ein ungeplanter Beweis dafür, dass man auch in einem kleinen Raum und in kleiner Runde erst „heimisch“ werden muss. Heimat jedenfalls fand auch hier vielfältige Definitionen, die sich aber am Ende dennoch auf ein wesentliches Merkmal reduzieren lassen: das Gefühl von Gemeinsamkeit(en).

Den fulminanten Abschluss bildete der Freitagabend „Vom Indus an die Iller“ im Stadttheater. Musik, Gespräche und – die viel beklatschten Aufführungen von zwei Straßentheaterstücken, mit denen die indischen Gäste Aufklärungsarbeit in ihrer Heimat betreiben; über die große Kluft zwischen Arm und Reich, über Entwicklung auf dem Rücken der Armen, über Verschuldung, Kinderarbeit und Gewalt; und eines über den Unwert von Frauen und die Praxis, weibliche Föten abzutreiben. In den eigens für den Abend von Tristan Schulze komponierten Stücken reichten sich das Allgäu und Indien trotz großer musikalischer Unterschiede in großer Harmonie die Hände mit Kerberbrothers Alpenfusion, Magnus Dauner, Tristan Schulze und der Big Band der Sing- und Musikschule „Tuesday Night Orchestra“ unter der Leitung von Tiny Schmauch. Elisa Allgaier stimmte zu Beginn ein mit einem indischen Tanz und zwischendurch kamen moderiert von der BR-Journalistin Fatema Mian unter anderem einmal mehr die Austauschjugendlichen zu Wort.

Christine Tröger

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