Aktive Schildbürger in Kempten

Rotary-Präsident Ulrich Schwab (v.l.), Einhard Osterrath, Projektleiter des Rotary Club Kempten-Residenz, und OB. Dr. Ulrich Netzer. Foto: Dathe

„Die Schildbürger sind in Kempten aktiv“. Gemeint seien damit aber nicht die Verantwortlichen des Rathauses, so Einhard Osterrath vom Rotary Clubs Kempten Residenz. Gemeinsam mit OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) und Tilmann Ritter, Vorsitzender des Heimatvereins, schloss er nun ein mehrjähriges Projekt vorläufig ab. Insgesamt wurden 45 Informationsschilder an denkmalgeschützten Bauten angebracht.

Die Idee stammte von Dietmar Prokop, dem damaligen Präsidenten des Rotary Clubs: Schilder an den unter Denkmalschutz stehenden Bauten sollen Bürger und Besucher über deren historische Bedeutung informieren. Neu war diese Idee allerdings nicht. Denn insbesondere unter Oberbürgermeister Dr. Otto Merkt (1877 – 1951) waren zahlreiche Gedenktafeln angebracht worden. Bei einer Bestandsaufnahme zeigte sich jedoch, dass nur wenige Gebäude informative Beschreibungen hatten, wie zum Beispiel der Londoner Hof am Rathausplatz, das Geburtshaus von Carl von Linde am St.-Mang-Platz und der Schwarze Adler in der Bäckerstraße. So wurde geplant, in der Altstadt im Bereich Bäckerstraße, Ankergässele, St-Mang-Platz, Reichsstraße, Schützenstraße, Rathausplatz und Illerstraße insgesamt 45 Schilder anzubringen. Die Schilder wurden so konzipiert, dass sie weder die historische Substanz noch das Erscheinungsbild der Bauten beeinträchtigen. Sie sind deshalb aus durchsichtigem, robusten Acrylglas mit gefräster Schrift. Darauf sind neben den Informationen über das Denkmal das Wappen der Stadt, das Symbol für Denkmalschutz sowie die Namen der Initiatoren angebracht. Zum Abschluss der Aktion bezeichnete OB Netzer das Projekt nun, „als hervorragendes Beispiel für Bürgerinitiative“ und dankte für die Aktion. Viele Gäste aber auch Touristen würden sich mit der Stadt beschäftigen und bekämen nun Informationen aus Erster Hand. Bei den Planungen der Rotarier zeigte sich sehr bald, dass die Kosten nicht einfach zu bewältigen waren. Es mussten Sponsoren gefunden werden. Die Halterungen wurden von der Firma Eilhelm Fischer in Durach angefertigt, das Fräsen der Schrift besorgte die Firma Liebherr-Verzahntechnik. Auch die Hausbesitzer und die Stadtverwaltung für die städtischen Bauten leisteten Kostenbeiträge. Als wichtiger Partner wurde der Heimatverein gewonnen, der die Textentwürfe lieferte, verfasst von Dr. Werner Scharrer. Die Montage der Tafeln erfolgte durch den Vorsitzenden des Heimatvereins, Tilman Ritter, und Einhard Osterrath. Bereits 2004 konnte die erste Tafel am Vogthaus angebracht werden. Ganz ohne Probleme verlief die Anbringung aber nicht. Da meinte doch einmal eine Passantin „Das stimmt aber nicht!“ Selbst die Erklärung der Fachleute, alle Angaben seien historisch abgesichert, konnten sie nicht beruhigen. Schnell stellte sich heraus, dass im Eifer des Gefechts zwei Schilder vertauscht wurden. „Die Kemptener kennen eben doch ihre Baudenkmäler“, so Osterrath. Dass die Umsetzung erst jetzt abgeschlossen werden konnte, hat einen praktischen Grund: Die Genehmigung durch die Hauseigentümer stellte sich als mitunter schwierig heraus, da viele Eigentümer nicht in ihren Baudenkmälern wohnen und bei Eigentümergemeinschaften erst die nächste jährliche Versammlung für die Genehmigung abgewartet werden musste. Auch führten die Forschungen und Grabungen am St.-Mang-Platz zu Korrekturen an der Geschichte. Osterrath meinte dazu: „Es war schon immer so, dass unter großen Herrschern die Geschichte umgeschrieben wurde“. Sofern wieder Sponsoren gefunden werden können, ist geplant ca. 230 weitere Baudenkmäler mit Schildern zu versehen.

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