Aktuell und brisant

Mit dem Jahresimpuls „Armut hat ein junges Gesicht“ greift der Stadtjugendring (SJR) ein brandaktuelles und auch brisantes Thema auf. Die Armut von Kindern könne sich „auf deren ganzes Leben auswirken“, betonte SJR-Vorsitzende Regina Liebhaber am Donnerstag vor rund 60 Vertretern der Jugendverbände, des Land- und Bezirkstags und Kemptener Stadträte.

Früher sei es oft unkompliziert gewesen, bedürftigen Kindern die Teilnahme an Gruppenaktivitäten finanziell zu ermöglichen. Heute seien dies eben keine Ausnahmen mehr und auch in Kempten „sind zu viele davon betroffen“, so Liebhaber. Sie hoffe, diese Aktion trage dazu bei, nicht nur zu diskutieren, sondern auch zu handeln. Hintergründe zum Thema lieferte Michael Schwarz, Leiter vom Bayerischen Jugendring (BJR). Seit Jahren wachse die Zahl der „Armutsrisikobetroffenheit“. Neu – bei steigender Tendenz – sei das Phänomen der „Working Poor“, also Menschen, die „trotz Erwerbstätigkeit nicht mehr ausreichend Mittel zur Verfügung haben, um ihr Leben und das ihrer Kinder zu bestreiten“. Appell zum Handeln In Bayern hätten Ende 2004 schon nahezu 76000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren Sozialhilfe bezogen, nannte er Zahlen, „hinter denen sich Einzelschicksale verstecken“. Besonders betroffen seien Kinder Alleinerziehender, Kinder aus kinderreichen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund. Kinderarmut bedeute allerdings mehr als materiellen Mangel. Denn benachteiligt Familien seien oft nicht in der Lage, ihre Kinder schulisch ausreichend zu fördern oder zu motivieren. Auch die Möglichkeit am sozialen oder kulturellen Leben teilzunehmen, sei deutlich eingeschränkt. Schlechte Ernährung und die daraus resultierenden körperlichen Defizite, dazu häufig die Resignation der Eltern, erschwerten es, aus dem „Teufelskreis“ herauszukommen. Nun sind die Jugendverbände aufgefordert, dem Jahresthema die Impulse zu geben, die Politik und Gesellschaft wachrütteln. Was sich die Anwesenden dazu wünschten, war an einer Pinwand zu lesen: „Kinder sollen ihre Kindheit erleben und nicht die Armut des Staates“, „Armut soll nicht tabuisiert werden“, „Diskussion über Armut darf nicht spalten“, stand dort. Aber auch: „Politiker sollen endlich handeln“. Für seine Forderung, „dass jedes Kind die Möglichkeit für eine musische und künstlerische Ausbildung hat, unabhängig vom finanziellen Hintergrund der Eltern“, sah SJR-Vorstand Bernd Fischer unter anderem Schulen gefordert, ein „attraktives Angebot für Kinder“ als Alternative zu Internet & Co. zu bieten. Mehr Zeit für Kinder Stefan Keppeler, 2. Vorsitzender des SJR, forderte, dass „nicht beide Elternteile aus finanziellen Gründen arbeiten müssen und daher keine Zeit mehr für die Kinder haben“. Die Debatte um die Lohnverluste der letzten Jahre „muss weg von den Stammtischen und in die Gremien“, meinte er gegenüber dem KREISBOTE.

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