"Alarmierende Entwicklung"

Rentner im Un-Ruhestand: In Kempten müssen immer mehr Rentner arbeiten. Sie sind zum Jobben gezwungen, weil ihre Rente nicht reicht. Darauf weisen jetzt die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hin. Sie beziehen sich nach eigenen Angaben auf Zahlen der Arbeitsagentur.

Die Gewerkschaften sprechen von einer „alarmierenden Entwicklung“ und nennen Zahlen: In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs in Kempten um rund 37 Prozent zugenommen. Schon 2003 verdienten 758 Rentner durch eine geringfügige Beschäftigung dazu. Vier Jahre später gab es bereits 1036 Renten-Jobber – und damit rund 280 „Senioren-Arbeiter“ mehr. Ver.di und NGG berufen sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. Um diese Entwicklung zu stoppen, fordern die beiden Gewerkschaften die schnelle Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Euro pro Stunde. Dieser müsse dann jedoch rasch auf neun Euro steigen. Nur der Mindestlohn könne künftigen Rentnern ausreichende Altersbezüge sichern. „Wer als Rentner arbeitet, der macht das in der Regel nicht aus Spaß. Es ist meistens die pure Not, die ältere Menschen dazu zwingt. Sie sind auf den Job neben der Rente schlichtweg angewiesen“, sagt Peter Schmidt. Der Geschäftsführer der NGG-Region Allgäu befürchtet, dass die Zahl der Senioren, die von ihrer Rente allein nicht mehr leben können, in den kommenden Jahren drastisch zunehmen werde. „Wer heute schon zu wenig verdient, um über die Runden zu kommen, für den ist das leere Portemonnaie im Alter vorprogrammiert“, so Schmidt. Die Lohnarmut von heute sei die Altersarmut von morgen. „Das größte Problem dabei sind Dumpinglöhne. Mit einem viel zu niedrigen Einkommen lässt sich keine existenzsichernde Rente aufbauen. Von einer privaten Altersvorsorge ganz zu schweigen“, erklärt Werner Roell. Der Geschäftsführer vom ver.di-Bezirk Kempten macht deutlich, dass Vollzeitbeschäftigte ein Einkommen benötigten, das ihnen später auch eine ausreichende Rente sichere. „Genau deshalb brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn“, fordert Peter Schmidt. Auch die Mehrheit der Bevölkerung halte einen gesetzlichen Mindestlohn für erforderlich. Das könne die neue schwarz-gelbe Bundesregierung nicht ignorieren. Der Mindestlohn müsse ganz oben auf der politischen Tagesordnung stehen. Ver.di und NGG fordern Beschäftigte mit einem Stundenlohn von unter sechs Euro auf, ihre Dumpinglöhne zu melden – per Internet unter www.dumpinglohn.de.

Auch interessant

Meistgelesen

Schüler zeigen Einsatz
Schüler zeigen Einsatz
Bezirksmusikfest in Probstried
Bezirksmusikfest in Probstried
Feiern verbindet
Feiern verbindet
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park
"Summer Splash" mit Radio Fantasy im Allgäu Skyline Park

Kommentare