"Der Alpenplan schützt vor Streit"

Interview mit Extrembergsteiger Alexander Huber

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Der Extremkletterer Alexander Huber kommt am Freitag zu seinem Vortrag „Die steile Welt der Berge“ nach Oberdorf.

Oberdorf – Die Brüder Thomas und Alexander Huber sind als die „Huberbuam“ mit ihren zahlreichen Erfolgen in den Bergen der Welt und der Speedbesteigung von „The Nose“ im Yosemite Nationalpark bekannt geworden. Am Freitag, 23. März, 20 Uhr, kommt Alexander Huber für seinen Vortrag „Die steile Welt der Berge“ in die Mehrzweckhalle Oberdorf. Mit dem Kreisboten hat er vorab gesprochen.


Herr Huber, schön dass wir miteinander sprechen können! Sie klettern ja auch free solo, also ohne Seil, da hätte ja schon einmal was passieren können.

Huber: „(Lacht) Das Leben ist immer lebensgefährlich und das Bergsteigen ist nicht nur ohne Seil gefährlich, sondern auch mit. Risikoreich ist zum Beispiel im gleichen Maß wie das Klettern auch das Skitourengehen. Lawinen stellen für den Menschen die größte Bedrohung im alpinen Raum dar. Wichtig ist, dass man sich der Gefahr bewusst ist.“

Woher nehmen Sie dann die Nervenstärke? Ich habe auch eine Zeit lang geklettert und da musste immer alles perfekt abgesichert sein, sonst ging gar nichts.

Huber: „Man muss einfach ganz genau wissen, was man sich zutrauen darf. Ich entscheide nicht ad hoc: Jetzt klettere ich ohne Sicherung durch eine Wand. Es braucht immer eine lange Vorbereitung. Mit ihr kommt dann langsam die Selbstsicherheit, die ich brauche. Das Selbstvertrauen wie auch das gesunde Selbsteinschätzungsvermögen sind die grundlegenden Eigenschaften, die man für einen Grenzgang braucht.“

„Ich ermuntere die Menschen, Entscheidungen zu treffen.“

„Jeder zittert und friert dem Morgen entgegen“, schreiben Sie auf Ihrer Homepage über das Biwakieren bei der Erstbegehung einer neuen Route am Matterhorn. Warum nehmen Sie solche Strapazen auf sich?

Huber: „Es wäre sicher ein sauberes Märchen, wenn ich behaupten würde, dass eine eiskalte Biwaknacht am Berg Spaß macht. Und trotzdem ist es etwas, was im Gedächtnis hängen bleibt. Am Ende geht es um das Erlebnis. Je mehr man in ein Erlebnis investieren muss, umso intensiver ist der Moment, wenn man sein Ziel erreicht hat.“

Am Freitag kommen Sie zu einem Vortrag in die Mehrzweckhalle nach Oberdorf. Um was geht es in Ihren Vorträgen?

Huber: „Dabei geht es schon immer ums Bergsteigen. Allerdings gebe ich auch immer genügend Anlass, die Analogien zu ziehen. Letztendlich ist das Bergsteigen ja auch eine Metapher fürs Leben – mit einer sehr bildreichen Sprache, mit der sich die Herausforderungen des Lebens ganz plakativ erzählen lassen. Auf den Zuschauer wirkt die Sprache der Bilder auch sehr stark.“

Ihnen geht es also auch darum, die Besucher mental zu stärken.

Huber: „Mir geht es sicher darum, dass ich die Besucher mit dem, was ich mache, zu begeistern und zu motivieren. Und es macht mir Freude, wenn mein Vortrag für andere der Anlass ist, mal wieder die Komfortzone zu verlassen und aufzubrechen. Es ist falsch, aus Angst, einen Fehler zu begehen, nichts zu tun. Und wenn man am Berg tatsächlich engagiert unterwegs sein will, dann gehört es dazu, dass man sehr genau überlegt, was man tut.“

Beim Vortrag am Freitag in Oberdorf soll es ja auch um das Riedberger Horn gehen. Was ist Ihre Meinung zur geplanten Skischaukel?

Huber: „Ich bin kein ‚Local‘ und kenne die örtlichen Begebenheiten nicht persönlich. Deswegen kann ich nicht der Experte sein, wenn es speziell ums Riedberger Horn geht. Ganz unabhängig von der geplanten Schischaukel stehe ich aber für den Alpenplan ein – und damit am Ende aber auch für den Erhalt der bisherigen Schutzzonen am Riedberger Horn.

Der Alpenplan wurde zum Schutz der Natur des Alpenraumes ausgehandelt und entwickelt. Jedwede Abänderung würde den gesamten Plan wieder zur Disposition stellen. Deswegen ist der Alpenplan nicht verhandelbar! Es ist ein Unding, einen Konsens der bayerischen Bevölkerung aufzubrechen, der 40 Jahre lang gehalten hat. Im Nachgang zur Entscheidung im Landtag wird auch bei uns wieder über die Schutzzonen des Alpenplanes diskutiert.

Wenn dieser Alpenplan verhandelbar wird, beginnt wieder der Streit unter der Bevölkerung. Und bei solchen Projekten wird es immer verschiedene Lager geben! Diese Diskussionen werden stets derartig emotional geführt, dass ein Riss durch die Bevölkerung geht. Der Alpenplan schützt also nicht nur die Natur, sondern auch die Menschen – vor unnötigem Streit. Deswegen stehe ich absolut für die Unverletzlichkeit des Alpenplans und arbeite darauf hin, dass in der Politik die Erkenntnis reift, dass die bereits beschlossene Abänderung wieder zurückgenommen werden sollte.“

Der Berg- und Klettersport ist angesagt wie nie. Dieser Run auf die Berge ist aber doch auch eine Gefahr für die Natur. Allein durch den CO2-Ausstoß durch die Fahrten in Richtung Alpen.

Huber: „Es ist wichtig, dass der Mensch lernt, sich richtig zu bewegen. Da gibt es auch berechtigte Einschränkungen im Klettersport. Nicht zuletzt der DAV muss darauf hinarbeiten, dass diese Regeln populär werden. Und die Menschheit insgesamt muss natürlich auch langsam daran denken, eine andere Art von Mobilität zu entwickeln. Es wird wohl in der Zukunft wieder weniger werden müssen. Man muss nicht intelligent sein, um zu sehen, dass es das dauerhafte Wachstum nicht geben kann.

Ich kann für den Klettersport und die vielen Liter Kerosins kritisiert werden, die ich zum Beispiel auf dem Flug nach Patagonien verbrannt habe. Aber ich versuche, meine kleinen Hausaufgaben zu machen: Ich heize jetzt mit Holz aus meinem Wald statt mit 4000 Liter Heizöl. Dazu versuche ich, wo es nur geht, mit dem Zug zu fahren und verzichte auf unnötiges Fliegen und Fahren. Das hat meinen ökologischen Fußabdruck verkleinert.“

Es gibt also viele Baustellen und jeder sollte seinen kleinen Teil zu einer besseren Welt beitragen?

Huber: „Wo es geht. Man kann natürlich keinem in der Gesellschaft vorschreiben, die Mobilität ruhen zu lassen. Aber es ist gut, wenn man sich diese Zusammenhänge bewusst macht.“

Vielen Dank für das Gespräch!

Susanne Kustermann

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