Buchvorstellung in Kempten

Gerd Müller: "UNFAIR!"

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Müllers Buchvorstellung stieß auf reges Interesse. Ein großes Publikum war in die Buchhandlung gekommen.

Dass die virtuelle Welt die reale Begegnung nicht ersetzen kann, wurde an diesem Abend wieder deutlich: Dr. Gerd Müller, seit 2013 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, stellte in der Buchhandlung Dannheimer sein Buch vor.

Der Titel „UNFAIR! – Für eine gerechte Globalisierung“ bringt das Ziel seiner politischen Arbeit bereits auf den Punkt.

Reale Begegnungen mit Menschen in den Entwicklungsländern waren es auch, die ihn geprägt und, wie er sagt, auch als Mensch verändert haben. Was geht vor im „globalen Dorf“? Wie konnte es so weit kommen, dass der Wohlstand der Globalisierungsgewinner wächst, während das Leben der Menschen in den armen Ländern immer schwieriger wird? Müller hat eine Reihe von Beispielen parat, die das Problem illustrieren, aber auch zahlreiche Beispiele für Lösungsansätze.

Vor allem der Klimawandel sei es, der in den Ländern Afrikas die Landwirtschaft zum Erliegen bringt, den Menschen die Lebensgrundlage entzieht und insbesondere junge Männer motiviert, ihr Heil in Europa zu suchen. Die Zahl der Klimaflüchtlinge wird in absehbarer Zeit in die Höhe schießen, prognostiziert Müller: „Schließlich steht heute fast jedem Jungen auf dem Eselskarren, mit dem er z. B. in Mauretanien ein Wasserfass transportiert, auch ein Smartphone zur Verfügung. Er weiß also recht genau, dass anderswo das Trinkwasser in Hülle und Fülle vorhanden ist und aus dem Hahn kommt.“

Als „humanitäre Großmacht“ hat das deutsche Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im Rahmen der Sonderinitiative „EINE WELT ohne Hunger“ in 14 Partnerländern Innovationszentren ins Leben gerufen. „Dort wird unser Wissen für eine angepasste Entwicklung vermittelt, um durch gute fachliche Praxis die lokale Lebensmittelproduktion zu steigern“, erklärte Müller. In Benin beispielsweise habe durch den Einsatz einer neuen Reissorte die Ernte verdoppelt werden können. Eine Welt ohne Hunger ist möglich, davon ist Müller überzeugt, auch wenn die Weltbevölkerung täglich um 230.000 Menschen wächst. Dass auch die Afrikaner mehr leisten müssten und letztlich selbst für ihren Weg verantwortlich seien, sagt Müller auch den Regierungschefs, mit denen er in einem umfassenden Konsultationsprozess den sogenannten „Marshallplan für Afrika“ aushandelt. Wie es innerhalb weniger Jahrzehnte China, Vietnam und Südkorea gelungen sei, das Volk aus dem Elend zu führen, könne es auch dem Chancenkontinent Afrika gelingen.

Müller setzt auf die Frauen

Müller setzt vor allem auf die Frauen in den Entwicklungsländern und fordert: „Gebt den Frauen das Geld!“ Zur Wahrung ihres Rechts auf sexuelle Selbstbestimmung gehöre auch das Recht auf Geburtenregelung. Im Niger gebe es ein Projekt zur Familienplanung, das mit deutscher Hilfe aufgebaut worden sei.

Die Lösung des Weltenergieproblems sieht Müller in der Kraft der Sonne. Afrika könne dadurch zum grünen Kontinent werden, sofern in fünf bis zehn Jahren der Durchbruch in der Speichertechnik gelingt. Unser westliches Konsum- und Wachstumsmodell dürfe nicht 1:1 auf die Entwicklungsländer übertragen werden; der ökologische Schaden wäre gigantisch.

Ein eigenes System für Afrika

Das von Müller seit einigen Jahren mit Nachdruck verfolgte Textilbündnis soll der brutalen Ausbeutung bei der Kleiderherstellung entgegenwirken. Bei einer Gewinnspanne von bis zu 95 Prozent sei es nicht unbillig, faire Löhne und menschenwürdige Arbeitsbedingungen für die Frauen in den Textilfabriken, etwa in Bangladesch, zu fordern. Inzwischen sei die Hälfte der deutschen Textilkonzerne dem Textilbündnis beigetreten. „Wir müssen die Märkte regulieren, aber auch unser Konsumverhalten ändern, der Trend muss zum fairen Einkaufen gehen“, mahnt der Entwicklungsminister.

Letztlich ist er optimistisch und sieht in der Entwicklungszusammenarbeit ein Gewinnerthema für alle Beteiligten. Müller hatte bei dieser Buchvorstellung ein großes Publikum, das seine Politik offenbar zu schätzen weiß. Der Erlös aus dem Buchverkauf geht an den Verein „Menschen für Menschen“ und an ein Bildungsprojekt in Alt-Delhi.

Infos zum Buch: Gerd Müller, UNFAIR! Für eine gerechte Globalisierung, Murmann-Verlag

Elisabeth Brock

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