Heuer ist alles anders

Allein im Eschacher Schneegestöber: Rupert Schön könnte seine Ski-Piste öffnen – er darf aber nicht

Rupert Schön mit Sohn Cyriacus
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Der Schnee-Mann von Eschach: Rupert Schön (hier mit Sohn Cyriacus) hat seit Sonntag genug Schnee gemacht – er darf aber nicht starten.

Wiggensbach-Eschach – „Ich wär‘ soweit“, lacht der Mann im schwarzen Schneeanzug, „ich darf aber nicht“. Rupert Schön von den „Schwärzenliften“ hat seit dem vergangenen Sonntag zwei Skipisten mit Maschinenschnee belegt, so dick, dass hoch über Buchenberg auf 1050 Metern Höhe jetzt eigentlich die Wintersaison beginnen könnte. In den zurückliegenden Jahren war er immer der Erste, der im Allgäu die Lifte laufen lassen konnte. Heuer ist alles anders.

Von Söder enttäuscht

Im Corona-Winter 2020 steht Rupert Schön allein am Rande seines künstlichen Schneegestöbers. Seine elf Schneekanonen blasen surrend Abermillionen winziger weißer Kristalle auf die sanften Skiwiesen, die Liftbügel schaukeln leicht im Dezembernebel, am Ende der Piste steht einsam ein rotes Schild im Schnee: „Fermé – chiuso – gesperrt.“ Nix geht mit Skifahren, der Ministerpräsident, die Bundeskanzlerin, das Virus – sie alle wollen es so. „Ich bin sehr enttäuscht“, sagt Schön, „wir haben ein ausgeklügeltes Hygienekonzept, wir haben kein Apres-Ski-Halligalli, keine infektionsträchtigen Gondeln, nur frische Luft“.

Kurzarbeit und Kassenflaute

Traurig schaut er auf die extra angeschafften Heizpilze in der Pistenraupengarage. Die sollten die SkifahrerInnen ein bisschen wärmen, beim Glühwein oder Brotzeit holen. Bestellt und nicht abgeholt, die Pilze sehen einem einsamen Allgäuer Winter entgegen. Schön zuckt mit den Schultern: „Der Pisten-Lockdown bis Anfang/Mitte Januar kostet mich etwa 40 Prozent meines sonst üblichen Winterumsatzes.“ Eine Riesenlücke für die „Eschacher Liftbetriebe GmbH“, die seit rund vier Jahrzehnten gemütlichen Skispaß vor allem für Allgäuer Familien und Schulklassen anbietet und zuletzt auch für immer mehr Gäste des Leutkircher „Center Parcs“ das Thema Skifahren aufs Ferienprogramm gesetzt hat. Die Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, das Beschneien schafft der Chef alleine.

Auch nachts um zwei wird beschneit

Heuer hat Schön die breiten Abfahrten erstmal ganz für sich und seine Familie. Sohn Cyriacus hat heute coronabedingt schulfrei und hilft dem Vater beim Schneemachen. „Grad könnt’s a bißle zu warm werden“, meint der Junge. Rupert schaut auf eine Fahne: „Stimmt, der Wind kommt von Westen, warme Luft.“ Ostwindlage, das ist ideal, möglichst trockene Luft, kaltes Wasser aus dem eigenen Teich, „da machen wir den besten und den meisten Schnee“. Minus zwei bis minus vier Grad sind optimal. Schön kontrolliert Tag und Nacht seine Wetterstation, checkt diverse Wetter-Apps und vertraut seinem Bauchgefühl als langjähriger und sogar von Universitäten konsultierter „Schneemann“. „Am Sonntag bin ich nachts um zwei raus auf die Piste und hab die Kanonen angeworfen, ich nutze jede Gelegenheit.“

Schnee für bessere Zeiten

Was er hat, das hat er, könnte ja doch sein, dass der Ministerpräsident das Pistenskiverbot aufhebt. Oder der bayerische Wirtschaftsminister mit seiner Lobbyarbeit für Leute wie Rupert Schön Erfolg hat: „Und dann müssen wir gerüstet sein“, ruft er, dann müssen die Skier über glattgewalzte Pisten gleiten können, dann müssen die Lifte surren. Also produziert er Schnee gewissermaßen auf Halde, jagt derzeit Zehntausende von Euro in den Winterhimmel über Eschach und hofft auf bessere Zeiten. „Wenn wir am 10. Januar starten könnten, hielte sich der Schaden in Grenzen. Wenn nicht, dann wird’s eng.“ Bis dahin beobachtet der Schneemacher die aktuellen „Feuchtkugel-Temperaturwerte“, verfolgt alle verfügbaren Wetterberichte und lacht: „Auf jeden Fall haben wir richtig Winter, hier oben in Eschach!“

Lutz Bäucker

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