Spitzen und Lob beim politischen Aschermittwoch der ödp

Lästern am Strand von Jesolo

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Nahmen unter anderem den „unheimlich schnellen Abgang einer Lichtgestalt” aufs Korn: (v.l.) Michael Hofer, Dr. Philipp Jedelhauser und Helmut Hitscherich

Statt sich winterlicher Kälte auszusetzen, verlegte die ödp ihr Stadträte- Kabarett kurzerhand an den Strand von Jesolo – natürlich nur vermeintlich, denn dieser befand sich faktisch dann doch in der Gaststätte „Zum Stift“.

Dort verfolgten gut 20 Zuhörer wie sich ein Beamter des Oberallgäuer Landratsamtes (Dr. Philipp Jedelhauser), der Geschäftsführer des Flughafens Memmingen (Helmut Hitscherich) und der Geschäftsführer des Krankenhaus-Zweckverbands (Michael Hofer) gegenseitig ihr Leid klagten. Demnach geht es an deren Arbeitsplätzen nämlich seit drei Monaten drunter und drüber. Vor allem bei denen, wo dieser „harte Knochen als Berater“, so ihre Anspielung auf den sonst unterbeschäftigten „Rentner“ Gebhard Kaiser, aktiv sei. „Nach der Pensionierung geht’s erst richtig los, Klinik, ZAV und Allgäu-Airport, bin ganz atemlos“, stimmten sie unisono an. 

Seinen ernsten Einschub zum Flughafen Memmingen wollte Jedelhauser nicht als Satire, „sondern Realsatire“ verstanden wissen, denn das „tote Pferd“ sei leider ein ernstes Thema. 246.000 Euro habe die Stadt Kempten in den Flughafenbetreiber Allgäu Airport GmbH & Co. KG eingebracht, an der insgesamt rund 70 Gesellschafter aus privaten Unternehmen mit circa 16,1 Millionen Euro (entsprechend rund 90 Prozent der Kommanditanteile) beteiligt seien. Sieben Jahre lang habe der Flughafen bewiesen, „dass er wirtschaftlich nicht haltbar ist“ und sei da gelandet, wo letztlich fast alle kleineren deutschen Regionalflughäfen enden würden: „als öffentlich bezuschusste Billigplattform für Billigfluglinien“. Er nahm die zwielichtige Rolle der Fluglinie Ryanair ebenso aufs Korn wie die „enttäuschende“ Aussage von OB Thomas Kiechle, dass er sich auch eine weitere Beteiligung Kemptens vorstellen könne, wenn sich Memmingen und der Landkreis Unterallgäu beteiligten. 

Getreu dem abendlichen Motto: „Nach mir die Sintflut: Der unheimlich schnelle Abgang einer Lichtgestalt“, erzählte das Stadträte-Trio davon, „wie’s in Kempten ist, seit der Dr. N. nach München uns entschwunden ist“. Zum Beispiel beim Seitz-Gelände, das mit einer „Weltneuheit“ aufwarten könne. Einer „win/win/win Situation bei gleichzeitiger lose/lose Situation!“. Denn Seitz mache Reibach, da er ein Grundstück getauscht und noch „eine Stange Geld“ dazu bekommen habe; der Freistaat stehle sich wiedermal aus seiner Verantwortung; die Sozialbau bekomme das Saurer Allma Gelände langfristig vermietet. „Dir Loser sind die Stadt, die alles zahlt, und die Studenten“, die zum Forschen nun auf die andere Seite der Iller müssten. Seltsam erschien ihnen dabei, dass der Präsident der Hochschule noch 2007 beteuert habe, dass die Hochschule kein Raumproblem habe und der Haslacher Berg deshalb kein Thema sei, sich vor wenigen Wochen aber gegenteilig geäußert habe. Das von der Stadt als Alternative gedachte Seitz-Gelände jedenfalls habe sich im Nachhinein als so sanierungsbedürftig entpuppt, dass es nur durch „sehr, sehr teurer“ Sanierung nutzbar werde, unkten sie. 

Weitere Ungereimtheiten machten die Drei in Ursulasried aus, wo sie sich über seltsame Platzierungen von Bushaltestellen ebenso ausließen wie über die seltsame und kostspielige Entwicklung , die der LKW-Parkstreifen in der Dieselstraße vollziehe. Thema auch das endlose Tauziehen um den Hangar für den Rettungshubschrauber, dessen jetziger Behelfsstandort in Durach nicht 500.000 Euro verschlungen habe, sondern nach jüngsten Informationen stolze 890.000 Euro – in jedem Fall verlorenes Geld. Beim Streifzug durch die Stadtpolitik stellten sie verwundert fest, dass diverse Anträge der ödp/UB schon länger auf Bearbeitung warteten, es bei anderen aber recht schnell gehe – siehe Antrag der CSU für den Pavillon Hildegardplatz: „Da hustet der Hagenmaier laut und schon steht das The- ma auf der Agenda.“ Immerhin, „die große Liebe CSU - Freie Wähler scheint zu schwinden“, fiel dem Trio auf. Lediglich bei der 2. Bürgermeisterin laufe es so ähnlich „wie bei der diesjährigen Faschingsprinzessin von Kempten“, witzelten sie. Positive Worte gab es für den neuen OB, der „nicht so herrschsüchtig und abgehoben“ sei wie sein Vorgänger. 

Als Zäsur zwischen den Themen fragten sich die Akteure begleitet von Hofer an der Gitarre immer wieder: „wer soll das bezahlen....“, oder auch in Variation: „... begreifen...“. Für den passenden Rahmen sorgten nicht nur deftige Kässpatzen auf den Tellern, sondern auch die „Hinterholzer Musikanten“. Christine Tröger

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