"Alles in Bewegung"

Von mindestens einem Jahr Bauzeit und Kosten in Höhe von bis zu vier Millionen Euro gehen die Experten derzeit aus, sollte sich der Stadtrat im Laufe des Jahres für den Bau einer Tiefgarage unterm Hildegardplatz entscheiden (siehe oben stehenden Artikel). Tatsächlich könnte aber deutlich länger an dem Projekt gearbeitet werden müssen als derzeit angenommen wird. Der Grund sind die schwierigen Bodenverhältnisse und zu erwartenden archäologischen Funde. Beides zusammen könnte außerdem auch die Kosten für das Vorhaben unkalkulierbar in die Höhe schießen lassen.

Der Boden unter dem Hildegardplatz besteht nach Angaben von Hans-Michael Falckenberg, Diplomant an der TU München, aus Seesedimenten, also Ablagerungen aus einem eiszeitlichen See. Ein feinkörniges und sandiges Gemisch mit Tonelementen – Schwemmsand. „Ein ausgesprochen schwieriger Baugrund“, erklärt Falckenberg, der sich im Rahmen seiner Diplomarbeit intensiv mit den geologischen Verhältnissen in Kempten beschäftigt hat, die Tücken des Bodens. Vor allem die Sicherung der Baugrube beim Bau einer Tiefgarage könne angesichts der Bodenbeschaffenheit „wahnsinnig aufwändig und entsprechend teuer“ werden. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Tiefgarage die billigste Lösung wäre“, betonte er. Darüber hinaus bestehe die Gefahr, dass die Arbeiten Auswirkungen auf die Statik der angrenzenden Gebäude und der Basilika haben könnten. „Es besteht immer die Gefahr, dass das alles in Bewegung kommt“, beschreibt er die schwierige Situation unter der Pflaster- und Teerschicht des Platzes. In der Stadtverwaltung ist man sich dieser Probleme durchaus bewusst. „Aber das sind keine Probleme, die nicht lösbar wären“, erklärte Bürgermeisterin Sibylle Knott (FW) am Freitag. „Das schließt eine Tiefgaragen-Lösung nicht aus“, sagte sie. Funde zu erwarten Die Kemptener Historikerin Birgit Kata und Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber sind ebenfalls bereits 2006 in ihrem Aufsatz „Die archäologischen Befunde im Bereich der Kemptener Residenz und ihrer Umgebung“ auf den dortigen Baugrund eingegangen und seinerzeit zu dem Ergebnis gekommen, dass der dortige Boden für schwere Steinbauten denkbar ungünstig ist. Im gleichen Aufsatz beschäftigen sich die Verfasser mit den bei Bauarbeiten zu erwartenden archäologischen Funden. Unter anderem heißt es, dass auf dem gesamten Areal Funde zu erwarten seien, die deutlich älter als 300 Jahre sind. Denn gerade für organisches Material wie Leder, Horn oder Textilien sei der Untergrund hervorragend zur Konservierung geeignet. Andere Funde in der Vergangenheit hätten außerdem bewiesen, so die beiden Historiker, dass der Bereich um den Platz auch von den Römern genutzt wurde. Darüber hinaus sei es durchaus möglich, unter dem Hildegardplatz Teile der einst links der Iller liegenden Siedlung Kempten zu finden. „Im Umfeld eines Klosters ist alles möglich“, sagte Dr. Weber am Montagnachmittag gegenüber dem KREISBOTE auf Nachfrage. „Da ist naturgemäß etwas zu erwarten.“ Einzigartigkeiten, die den Bau einer Tiefgarage verhindern würden, seien aber nicht zu erkennen. Angaben zu den zu erwartenden Kosten konnte allerdings auch der Leiter des Kulturamtes keine machen. „Die Kosten hängen auch von der Form ab, wie man mit den Funden umgeht“, erklärte er. Man müsse schließlich zwischen der reinen Dokumentation sowie der Bergung und Konservierung von Funden unterscheiden. Letzteres sei eben teurer als die bloße Dokumentation von Befunden.

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