Das Allgäu ist gut aufgestellt

Das Allgäu kann die Wirtschaftskrise meistern. So lautet das Fazit einer Gesprächsrunde zwischen Staatssekretär Dr. Gerd Müller (CSU) und Vertretern der Banken, der Wirtschaft und der Arbeitsagentur am Montagmorgen. Der Grund: Die Region sei durch ihren Branchen-Mix und den Mittelstand entsprechend gut aufgestellt. Dennoch sei bei sehr vielen Betrieben derzeit Kurzarbeit angesagt.

Sorgenkinder seien die Automobilzulieferer und der Maschinenbau. Stabilisierend auf die Allgäuer Wirtschaft wirke hingegen der Tourismus. „Der Deutsche macht in Deutschland Urlaub“, erklärte Maria Platz, Geschäftsführerin des Landhotels Adler in Martinszell. Andere Tourismus-Länder hätten mehr unter der Wirtschaftskrise zu leiden. Es seien eben nicht die übermäßig reichen Gäste, die ins Allgäu in den Urlaub fahren und die jetzt fehlen würden. „Jetzt ist die Zeit für Investitionen“, so Platz, um die Urlaubsregion weiter zu stärken. Laut Norbert Michl, Geschäftsführer von C&A Kempten, profitiere auch der Einzelhandel vom Tourismus, denn „im Urlaub sitzt das Geld nun mal lockerer“. Wie Müller erklärte, sorge auch die Bankenstruktur mit Sparkassen sowie Volks- und Raiffeisenbanken im Allgäu für Stabilität. Rainer Schaidnagel vom Vorstand der Raiffeisenbank Kempten gab an, sein Unternehmen gebe gerne Kredite an die heimische Wirtschaft und nicht an weltweit agierende Banken. Der Raiffeisenbank gehe es gut und auch bei den Kundenkonten gebe es „kein akutes Problem“. Ein Merkmal der Krise sei jedoch die Vernetzung. Wenn große Banken kein Geld mehr haben, wirke sich das auch auf kleine Banken aus. Er appellierte deshalb, sich auf alt hergebrachte kaufmännische Fähigkeiten zu berufen. „Die Banken waren nicht gezwungen, im Ausland zu investieren“, hätten aber dennoch versucht, etwa in den USA das große Geld zu machen. „Die Kauflust muss auch in den Köpfen stecken,“, meinte C&A-Leiter Michl. Er mahnte an, dass negative Berichterstattung in den Medien den Kunden oft verschrecke. Der Einzelhandel habe keine Auftragsbücher wie die Industrie. „Wir merken die Krise sofort“, erklärte er. Zwar sei in seinem Haus kein fester Arbeitsplatz in Gefahr, ob er heuer jedoch viele Aushilfen einstellen könne, sei fraglich. Besonders betroffen von der Krise seien allerdings die Leiharbeiter, so Peter Litzka, Leiter der Agentur für Arbeit Kempten. „Die Betriebe haben Zeitarbeit im großen Stil reduziert“. Manche Unternehmen hätten gar alle ihre Leiharbeiter entlassen. Als nächstes seien dann die angelernten Arbeitskräfte an der Reihe, dann erst folgen die Fachkräfte, erklärte er. Kurzarbeit dominiert Auf dem Arbeitsmarkt dominiere derzeit die Kurzarbeit. Habe es vor einem Jahr noch 160 Kurzarbeiter im Allgäu gegeben, seien es jetzt 7000. Das bedeute aber auch, dass die Betriebe im Moment versuchen, an ihren Angestellten festzuhalten, so Litzka weiter. Der Gesetzgeber ermögliche Kurzarbeit bis zu 18 Monate lang, realistisch seien aber eher sechs Monate, ehe die Betriebe anfangen müssen, Mitarbeiter zu entlassen. Die Zeit der Kurzarbeit soll aber nicht ungenutzt bleiben. 14 Millionen habe die Agentur heuer zur Verfügung, um Arbeitnehmer zu qualifizieren. Das soll vor allem neben der Kurzarbeit in den Betrieben geschehen. Nach jeder Krise komme der Aufschwung und dann würden Fachkräfte wieder gebraucht, so Müller. „Es kommen zwei schwierige Jahre auf uns zu, aber es ist zu meistern“, zeite er sich sicher.

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