Allgäu-Etage in Fastiv mit Therapiezentrum für Straßenkinder eingeweiht

Djakuju – Danke Allgäu!

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Im neu eröffneten Kindergarten können die Straßenkinder spielen und toben.

Landkreis/Fastiv – Nach über dreijähriger Innenrenovierung einer ehemaligen Schule wurde im Dezember 2015 das „Christliche Zentrum St. Martin“ mit der „Allgäu-Etage“ in Fastiv von Bischof Maltschuk aus Zhitomir eingeweiht und in Betrieb genommen. Mit seinem Engagament und der Finanzierung von 85.000 Euro hat der Allgäuer „Förderkreis der Begegnung mit Christen des Ostens e.V.“ einen wesentlichen Anteil an der Realisierung der „Allgäu-Etage“ geleistet. Aus diesem Anlass reisten der Vorsitzende Hans-Jürgen Thiemer, Schatzmeister Werner Geiger und Schirmherr Dr. Josef Höß, Altoberbürgermeister der Stadt Kempten, in die Ukraine.

Politiker aus Fastiv und Kiew nahmen an dem Ereignis teil. Grußworte wurden auch von Thiemer und Dr. Höß aus dem Allgäu in der Kirche überbracht. Nach der Haussegnung stärkten sich die Gäste unter den Klängen eines Quartetts mit schmackhaften ukrainischen Gerichten im zukünftigen Vortragsraum und im sozialen Kaffee.

Karitative Mitwirkung des Förderkreises 

Seit über 25 Jahren ist der Förderkreis in der Ukraine ökumenisch und sozial-karitativ tätig: Er unterstützte Kinderheime, Kinderkrankenhäuser und ein Zentrum für behinderte Kinder in Rivne. Seit seiner Gründung unterhält er eine Familienpatenschaft im Wallfahrtsort Potschajew. Nach der Gründung einer Stiftung für Straßenkinder in Kempten unterstützte der Verein diverse Projekte in Fastiv, so 2013 mit 40.000 Euro die Inneneinrichtung eines kleinen Hauses St. Martin, das heute als Auffangsstation für obdachlose Kinder dient. Ein intensives Engagement habe jedoch die zweijährige Spendenaktion zugunsten der Allgäu-Etage mit verschiedenen Veranstaltungen, Benefizkonzerten, Ausstellungen erfordert, sagt rückblickend der Vorsitzende. Über das gelungene Werk äußert sich nach der Besichtigung des Therapiezentrums Schatzmeister Geiger anerkennend: „Ich freue mich, dass jetzt mit Allgäuer Spendengeldern das Therapiezentrum für Straßenkinder mit seinen 14 Räumen so sinnvoll, kindgerecht, farbig und liebevoll eingerichtet wurde und nun seinen Betrieb in der Allgäu-Etage aufnehmen kann.“

Resozialisierung von Straßenkindern 

„Dominikaner, Ärzte, Psychotherapeuten und Lehrer haben seit 2005 ein konkretes Konzept zur Wiedereingliederung obdachloser und verwahrloster Kinder aus circa 3000 zerrütteten, alkohol- und drogenabhängigen Familien in Fastiv entwickelt“, weiß Thiemer zu berichten, der die Situation vor Ort kennt und weiter: „Das unverschuldete Schicksal der Straßenkinder, die in Angst, Krankheit und Existenznot auch auf der Müllhalde leben, hat die aus Pädagogen bestehende Vorstandschaft zutiefst betroffen gemacht und zum Handeln bewegt.“ So wurde eine aktive Mithilfe für die Dominikaner zugesagt, die mutig und ohne viel Geld eine effektive Straßenkinderhilfe leisten. Bis nach Kiew habe sich ihr Samariterdienst herumgesprochen, jedes obdachlose Kind wird aufgenommen. Selbst die Polizei bringt aufgegriffene Kinder hierher und nicht in eine staatliche Verwahrungsanstalt. „Über 200 Straßenkinder haben bisher in St. Martin Zuflucht, Geborgenheit und ein Zuhause gefunden. Viele haben die Schule besucht, einen Beruf ergriffen oder sind auf eine Hochschule gegangen. St.Martin begleitet die Jugendlichen auch nach ihrem Weggang. Sie kommen immer wieder gerne zurück in unsere Familie“, freut sich Pater Michael über eine geglückte Integration. Und auch wir freuen uns, an diesem Werk der Barmherzigkeit mitwirken zu können.

Bildung und Präventivpädagogik 

Ziel der Wiedereingliederung sei die Befähigung, ein selbständiges und menschenwürdiges Leben zu führen. Der Schlüssel zum späteren Erfolg sei jedoch ein Schulabschluss. Inzwischen wurde das Straßenkinderkonzept mit einer Präventivpädagogik ergänzt , denn „immer mehr Familien leben hier nach Perestroika in größter Armut, sind arbeitslos, oft alkohol- und drogenabhängig und zerrüttet. Bereits über 100 Kleinkinder aus diesen Familien verwahrlosen auf der Straße“, erklärt P. Michael. Staatliche Fürsorge kenne das Land nicht und so sei das Haus St. Martin für alle diese Kinder ein Haus der Hoffnung. Diese gefährdeten Kinder würden von St. Martin versorgt, so bliebe ihnen das Straßenschicksal erspart. „Je öfter ich Fastiv besuche, desto mehr sehe und erlebe ich diesen barmherzigen Samariterdienst der Dominikaner und erkenne die Notwendigkeit unserer Hilfe“ erklärt Thiemer, der als Geschenk 5000 Euro vom Förderkreis überbrachte.

Soziales Kaffee, Schule und Kindergarten 

In Betrieb genommen wurden jetzt ein Kindergarten für 30 Kinder aus Problemfamilien, eine erste Schulklasse für zwölf Kinder mit Lernschwächen und Verhaltensauffälligkeiten, eine Großküche und das soziale Kaffee, ein Kommunikationsraum zum Erfahrungsaustausch für betroffene Eltern. „Ermöglicht wurde das Kaffee durch eine großzügige Spende der Meckatz Löwenbräu aus dem Westallgäu“, erwähnt Thiemer im Gespräch und P. Michael ergänzt: „Das Allgäu hat mit seinen Spenden das Therapiezentrum ermöglicht. Djakuju – Danke! Es ist jetzt ein Allgäuer Zentrum der Hoffnung und Barmherzigkeit für viele Kinder und Jugendliche geworden! Herzlichen Dank den Spendern im Namen der Straßenkinder von Fastiv!“ bedankt sich Pater Michael überschwänglich bei der Allgäuer Bevölkerung und zeigt auf zwei Spendertafeln und ein Standplakat, das die Aktion „Das Allgäu hilft Straßenkindern in Fastiv“ dokumentiert.

Pferd für Hippotherapie und Teilpatenschaft 

Das Haus ist nun eröffnet, doch noch nicht vollständig ausgerüstet. Es sind weitere Anschaffungen notwendig. So fehlen noch beispielsweise Computer und eine Pelletsheizung. 2016 soll zudem eine Reha-Station für behinderte Kinder mit der Anschaffung geeigneter Geräte eingerichtet werden. Diesbezüglich steht der Förderkreis mit dem Bundesministerium für Entwicklung in Verbindung. Erforderlich sind auch Geräte für eine Sportanlage, „denn hier können die geschädigten Kinder am besten Aggressionen abbauen und Spielregeln für die notwendige Resozialisierung einüben“, kommentiert Pater Michael. Ein weiteres Projekt zur Eigenversorgung soll der Aufbau einer Landwirtschaft sein. Projekte über Jahre, die auch den Verein fordern werden, der bereits eine Teilpatenschaft zugesagt hat. 2016 initiiert der Förderkreis deshalb verschiedene Benefizkonzerte und Ausstellungen. Der Kreis-Chorverband Allgäu wird ergänzend am 1. Juli in Kempten ein Schulchorsingen für Straßenkinder durchführen. Zudem kauft der Förderkreis in der Ukraine ein Pferd, das derzeit speziell für die Hippo-Therapie behinderter Kinder ausgebildet wird. „Erstaunlich, mit wieviel schöpferischem Einfallsreichtum der Allgäuer Förderkreis die Realisierung der Allgäu-Etage vorangetrieben und so ein barmherziges und nachhaltiges Werk in Fastiv bewirkt hat. Kompliment! Ich bin auch 2016 gerne weiter Schirmherr für die Straßenkinder von Fastiv!“ kommentiert abschließend Dr. Höß die soziale Tätigkeit des Förderkreises in der Ukraine.

Mehr Infos unterwww.foerderkreis-ostkirche.de  und unter Tel. 08374/8873. Spenden für Straßenkinder werden erbeten unter: Allgäuer Sparkasse, Konto: 29 603 BLZ 733 500 00, Kennwort: Allgäu-Etage. kb

"Allgäu-Etage" in der Ukraine

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