Das Allgäu als Vorreiter

Mit Vorreiterrollen kennt man sich im Allgäu aus: Karl Hirnbein war einer der Allgäuer Vorreiter in effektiver Land- und Forstwirtschaft – heute ist das Allgäu unter anderem einer der Vorreiter in Sachen intelligente Verteilnetzstrukturen („Smart Grid“). Ende 2005 gründete sich deutschlandweit mit der „AllgäuNetz GmbH & Co. KG“ eine der ersten Netzgesellschaften in Form einer Kooperation von fünf Allgäuer Energieversorgungsunternehmen – heute findet die Reorganisation sowie die Integration der Netzführung in eine gemeinsame Netzleitstelle statt.

„Auslöser Ende 2005 eine eigenständige Netzgesellschaft zu gründen, war das neue Energiewirtschaftsgesetz“, erklärt Erwin Bischofberger, der seit der ersten Stunde als Geschäftsführer der AllgäuNetz GmbH & Co. KG aktiv ist, die damaligen Beweggründe der Kooperation. Schnell zeigten sich jedoch die vielen Vorteile solch einer Kooperation: „Angefangen damit, dass wir nicht in fünf Unternehmen Ressourcen in Form von Personalkapazität vorhalten müssen, die sich mit der Klärung der immer komplexer werdenden technischen, rechtlichen und regulatorischen Fragestellungen beschäftigen, bis dahingehend, dass die AllgäuNetz das Bindeglied gegenüber der zuständigen Regulierungsbehörde ist“, so Bischofberger. „Zahlreiche Prozesse und technische Komponenten wurden standardisiert. Es ergaben sich Synergieeffekte durch die Nutzung von DV-Infrastrukturen, der gemeinsamen Material- und Dienstleistungsbeschaffung sowie der Nutzung des Know-hows der unterschiedlichen Mitarbeiter, was erhebliche Effizienzvorteile mit sich brachte. Entscheidender Vorteil ist jedoch das einheitliche Netznutzungsentgelt über vormals fünf einzelne Netzgebiete bei gleichzeitig verbleibendem Eigentum des Anlagevermögens beim Investor“, ergänzt Bischofberger. "Erfolg gibt uns Recht" An Expertise mangelt es den AllgäuNetz Mitarbeitern nicht. „Es wurde ein strategisches Asset-Management-Konzept eingeführt, Einheitsprozesse für die Durchführung der Marktregeln zur Durchführung der Bilanzkreisabrechnung Strom (MaBiS) sowie der Umsetzung der von der Bundesnetzagentur verabschiedeten Wechselprozesse im Messwesen (WiM) definiert“, so Sven Pienitz, Leiter Regulierungsmanagement, Netzvertrieb und Netzwirtschaft bei der AllgäuNetz. „Der Erfolg gibt uns Recht, da wir bereits in tiefergehenden Gesprächen mit weiteren potentiellen Kooperationspartnern stehen.“ Bis zum 30. Juni steht nun bei allen Stromverteilnetzbetreibern zum zweiten Mal die Kostenprüfungen vor einer Regulierungsperiode seitens der Regulierungsbehörde an. „Die anstehende Prüfung haben wir genutzt und unsere seit 2005 bestehenden Strukturen hinterfragt“, so AllgäuNetz Geschäftsführer Dr. Michael Fiedeldey. „Es ist für uns wichtig, in regelmäßigen Abständen neutral zu prüfen, wie man optimal aufgestellt ist und wo man besser werden kann, um letztlich an die Erfolge der Vergangenheit – in welcher wir eine Effizienz von 100 Prozent erreichten – anknüpfen zu können“. Daraus ergab sich eine Restrukturierung der bisherigen Organisation: Die Netzführung – bisher von jedem an der Kooperation beteiligten Unternehmen technisch bedingt noch dienstleistend für die AllgäuNetz ausgeführt – ist seit Anfang des Jahres 2012 nun zentral gebündelt in einer gemeinsamen Netzleitstelle in der AllgäuNetz. Parallel wurden Prozessbeschreibungen der künftigen Aufgaben erstellt. Diesen Soll-Prozessen wurden im zweiten Schritt die bisherigen Aufgaben zugeordnet, wobei selbstverständlich vorab eine Überprüfung auf ihre Zielführung erfolgte. Die neuen Soll-Prozesse mit ihren Aufgaben dienten als Basis für die Reorganisation. „Künftig gibt es drei organisatorische Pfeiler: Das Netzmanagement, die Netzführung sowie die Abteilung Regulierungsmanagement, Netzvertrieb und Netzwirtschaft“ erläutert Dr. Michael Fiedeldey die neue Organisationsstruktur. „Zudem setzt die AllgäuNetz GmbH & Co. KG seit 1. Juni unter der Leitung eines neuen Geschäftsführers seine Aktivitäten fort. Hierfür haben wir Herrn Georg Fahrenschon gewinnen können. Herr Fahrenschon zeichnet sich insbesondere durch seine umfangreichen Erfahrungen in der Branche aus“, ergänzt der scheidende Geschäftsführer Dr. Michael Fiedeldey. Die Neuausrichtung der AllgäuNetz GmbH & Co. KG wurde begleitet von zahlreichen lebhaften Diskussionen. „Bei unseren Gesprächen standen konstruktive Auseinandersetzungen und intensive Abstimmung mit der Bundesnetzagentur sowie die interne Abstimmung mit allen Beteiligten im Fokus unserer Bemühungen, die letztlich in einem Konsens aller Parteien mündeten“, fasst Erwin Bischofberger das Ergebnis zusammen.

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