66. Allgäuer Festwoche im Kornhaus offiziell eröffnet

"Das Schaufenster des Allgäus"

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Der U50-Chor Altusried unter der Leitung von Gertrud Hiemer-Haslach (rechts) sorgte neben der Stadtkapelle Kempten für die musikalische Unterhaltung.

Kempten – Bei Temperaturen wie in Afrika und dem Motto Nachhaltigkeit gewidmet, hat die bayerische Europa-Ministerin Dr. Beate Merk am Samstagvormittag die diesjährige Allgäuer Festwoche offiziell eröffnet. Zuvor hatten OB Thomas Kiechle und dessen Frau Ulrike traditionsgemäß die Aufgabe, alle geladenen Gäste persönlich mit Handschlag zu begrüßen, bevor es in das zumindest etwas klimatisierte Kornhaus ging.

„Wir werden es gemeinsam schaffen, die Klimaanlage hält“, versprach ein gut gelaunter Thomas Kiechle bei seiner zweiten Begrüßungsrede als Kemptener Oberbürgermeister angesichts der hohen Temperaturen draußen. Den obligatorischen Begrüßungsmarathon der Ehrengäste und Gäste brachte er relativ fix über die Bühne, indem er die Gäste im Kornhaus darauf hinwies, dass sie den Zeitpunkt für den Applaus gerne selber wählen dürfen, „das könnte auch ganz zum Schluss sein“. Um die Aufmerksamkeit im Saal hochzuhalten, habe man mehrfach solche Dinge eingebaut, scherzte er, als kurzzeitig ein Alarmsignal ertönte, und sorgte damit für viel Gelächter.

In seiner Rede, die ebenso wie die von Dr. Gerd Müller, von Dr. Beate Merk wie auch die Gesangsbeiträge wieder von Ute Fieger in Gebärdensprache übersetzt wurde, sah er es als Herausforderung an, die gesamte Menschheitsfamilie in der Suche nach einer nachhaltigen und ganzheitlichen Entwicklung zu vereinen. Allerdings sei dies nur möglich, wenn die Verantwortlichen und die Bürger von Werten und Prinzipien geleitet seien. „Da ist mir mit Blick auf unsere Region, unsere Heimat nicht bange.“

Seiner Ansicht nach sind die Kommunen gefordert, die ersten Schritte zu gehen, wenn es darum gehe, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen. „Denn wie sollte etwas für größere Räume, länderübergreifend und weltumspannende funktionieren, wenn es schon vor Ort nicht klappt?“ Im Allgäu werde zum Beispiel in der Energiezukunft und für den Klimaschutz viel getan. Bereits heute werden im Gebiet der AllgäuNetz rund 35 Prozent des benötigten Stroms aus Erneuerbaren Energiequellen gewonnen. Der Ausbau der Wasserkraft kann mit neuen Technologien weiter vorangetrieben werden.

„Wir leben heute in einer seltsam ambivalenten Welt“, meinte Kiechle in Bezug auf die aktuellen Geschehnisse. Einerseits sehe man ein wirtschaftlich hervorragendes sich entwickelndes, starkes Allgäu, andererseits erkenne man vielfältige Unsicherheiten um sich herum. Die Finanzkrise scheine zum Dauerzustand zu werden, ständig weiter anwachsende Flüchtlingsströme „fordern unsere ganze Kraft“, an der Ostgrenze der EU, in der Ukraine, schwele ein kaum lösbarer Dauerkonflikt und sogar die Einheit in der EU scheine bei weitem nicht mehr so gefestigt zu sein, wie sie schon einmal war. „Wir müssen alle wieder spüren, dass wir einander brauchen, dass wir eine Verantwortung für die anderen und für die Welt haben“, betonte er.

„Wir Allgäuer müssen und werden weiterhin an unseren Baustellen arbeiten“, ist er sich sicher. Eine der Aufgaben sei es, „die Flüchtlinge, die zu uns kommen, aufzunehmen und uns um sie zu kümmern“. Allerdings dürften dabei keine falschen Anreize gesetzt werden und Menschen hergelockt werden, die keine Aussicht auf ein Bleiberecht hätten. „Asylbewerber mit unbegründeten Anträgen müssen noch schneller in ihre Heimatländer zurückgebracht werden“, forderte er. Es bestehe jedoch überhaupt kein Zweifel daran, „dass wir denen Schutz gewähren, die in ihrer Heimat wirklich verfolgt werden“. „Das ist unsere Pflicht, wir können das und wir machen das“, sagte er und erntete viel Applaus dafür. 

Neben diesen globalen Themen werde das Allgäu aber auch die eigenen Aufgaben nicht vernachlässigen, versprach Kiechle. Die Verkehrsinfrastruktur (Allgäu Airport, der B12-Ausbau und eine bessere Bahnanbindung) sei und bleibe auch das zentrale Thema des Allgäus.

Impulsgeber für die Region

Wirtschaftlich gesehen sei das Allgäu erfolgreich, weshalb „jeder Cent, der ins Allgäu geht, extrem gut angelegt“ sei, betonte Dr. Beate Merk. So fließen rund 7 Millionen Euro der Bayerischen Staatsregierung in das Technologienetzwerk Allgäu und 55 Millionen Euro werden für eine schnellere Bahnverbindung zwischen München und Lindau eingesetzt. Zudem sei die Allgäuer Festwoche seit über 60 Jahren „Impulsgeber für die ganze Region“ und die rund 400 Aussteller würden zeigen, dass die „Zukunft mit Händen zu greifen“ sei.

„Das Allgäu ist eine der erfolgreichsten Regionen Bayerns und die Festwoche ist ihr Schaufenster”, so Merk, die in ihrer Rede auch die verschiedenen Facetten des Allgäus hervorhob. So stehe die Region gleichermaßen für Lebensqualität, Nachhaltigkeit, Qualitätstourismus und Zukunftskraft, und auch Heimatstolz und nachhaltiges Wirtschaften gehören hier untrennbar zusammen. Da immer mehr „Familien, Kulturbegeisterte und Naturfreunde” ins Allgäu kämen, sicherte Merk zu. die Grundlagen für einen “zukunftsfähigen Tourismus” weiter auszubauen.

Als Festredner geladen war auch Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller, der mit seiner Rede „Eine Welt – Unsere Verantwortung“ (der Kreisbote berichtete mehrfach) dazu aufrief, auch in den Krisenregionen der Welt eine Lebensperspektive zu schaffen. Dabei spannte er den Bogen erneut zum Allgäu, das sich in den letzten 70 Jahren zu einer „blühenden Region“ entwickelt und gezeigt habe, was an Entwicklungssprüngen möglich sei.

Ganz dem Thema Nachhaltigkeit war auch die musikalische Umrahmung gewidmet. So eröffnete der U50-Chor aus Altusried unter Leitung von Gertrud Hiemer-Haslach die Veranstaltung mit dem Lied “Africa“ der Gruppe Toto und präsentierte im voll besetzten Kornhaus ebenso Auszüge aus dem Franziskus-Musical. Die Stadtkapelle Kempten spielte den Hymnus des Meeres aus der Sinfonie „Rettet das Meer“ von Frigyes Hidas und entließ die rund 500 geladenen Gäste schließlich “Mit vollen Segeln“ über den Hildegardplatz auf das Gelände der Festwoche. Dort stand ein Rundgang und der Besuch verschiedener Zelte und Messestände auf dem Programm.

Melanie Weidle/Lea Stäsche

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