Das nächste Ungemach

Allgäuer Handelsverbünde beziehen Stellung zu Amazon am Allgäu Airport 

Abwanderung vom stationären Handel hin zum Onlinehandel
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Durch eine Präsenz des größten Onlineversandhändlers in der Region befürchten Einzelhändler eine weitere Abwanderung vom stationären Handel hin zum Onlinehandel.

Kempten/Immenstadt – Es ist eine Zeit der großen Herausforderungen. Nachdem dem Einzelhandel im Allgäu der zweite Lockdown die Jahresbilanz verhagelt, erreichten die Einzelhandelsgeschäfte neue schlechte Kunde. Der US-Onlineversandhändler Amazon plant den Bau eines 5600 Quadratmeter großen Verteilerzentums am Memmingerberg in Memmingen. Dabei ist der Standort unmittelbar am Allgäu Airport bewusst gewählt. Waren, die Kunden von amazon online bestellt haben, würden das neue Verteilerzentrum über Luftfracht erreichen, vor Ort verpackt, sortiert und anschließend in der Region ausgefahren.

Arbeitsplatz- und steuermäßig würde das Allgäu von der Niederlassung des Onlineversandhändlers wohl nur wenig profitieren. Für das Zentrum am Memmingerberg plant Amazon mit 160 Arbeitsplätzen bei Logistik und Verwaltung, steuertechnisch ist Amazon gut aufgestellt und zahlte im Jahr 2019 bundesweit gerade einmal 261 Millionen Euro Steuern bei einem Umsatz von hierzulande 22,2 Milliarden Euro.  

Das brachte den Handelsverband HBE Schwaben dazu, gemeinsam mit den Handelsverbunden Impuls Immenstadt, City-Management Kempten, ASS Attraktive Stadt Sonthofen, Stadtmarketing Memmingen e.V. und dem Mindelheimer Werbekreis eine Stellungnahme zu verfassen, die sich an die Verantwortlichen der Politik richtete. Im Wortlaut heißt es: „Die Corona Pandemie bedroht eine Vielzahl an stationären Einzelhändlern. Lockdowns und dadurch stark rückläufige Frequenzen in unseren Fußgängerzonen sorgen für eine ungewisse Zukunft. Die gesamte Politik ruft derzeit dazu auf, den regionalen Handel zu unterstützen – da kann es doch nicht sein, dass dieselben Politiker gleichzeitig für ein Amazon-Logistikzentrum auf kommunalem Grund den Weg bereiten. Dass Amazon sich nun auf einer Fläche ansiedeln möchte, welche weitgehend in kommunalem Besitz ist, bedeutet auch, dass unsere Politik hier verantwortungsvoll handeln muss und nur Unternehmen ansiedelt, die auch vor Ort Steuern bezahlen, ordentliche Arbeitsplätze schaffen und eine regionale Wertschöpfung generieren. Zudem müssen auf einem Grundstück direkt am Allgäu Airport mit einer Fläche von 30.000 Quadratmetern wesentlich mehr als bis zu 140 Arbeitsplätzen entstehen. Aus diesem Grund sehen wir, die Vertreter des Handelsverband HBE Schwaben sowie der Allgäuer Handelsverbunde Impuls Immenstadt, City-Management Kempten, ASS Attraktive Stadt Sonthofen, Stadtmarketing Memmingene.V. und Mindelheimer Werbekreis es als unsere Pflicht, für unsere Mitglieder ein klares Zeichen zu setzten. Deshalb fordern wir Sie auf, sich gegen eine Ansiedlung von Amazon im Allgäu auszusprechen. Für eine der schönsten Urlaubsregionen in Deutschland braucht’s auch intakte und einladende Innenstädte. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam gehen.“ 

Fatale Marktmacht

Niklas Ringeisen vom City-Management Kempten e.V. ist nicht grundsätzlich gegen Onlinehandel. Der Geschäftsstellenleiter befürchtet aber, dass ein Monopolist wie Amazon den stationären Handel durch seine Preispolitik massiv gefährden wird. Die Online-Offerten des USRiesen zur Kooperation an die Einzelhändler vor Ort hätten sich anderswo zudem als trügerisch erwiesen. Wer auf den Amazon eigenen Verkaufsplattformen Marketplace seine Waren anbietet, bekommt alsbald die Marktmacht des Onlineriesen zu spüren. Am Ende vertreibt Amazon die erfolgreichen Produkte seiner Marketplace-Nutzer in Eigenregie, der Rest fliegt raus. Mehr dazu auf YouTube „Das System Amazon – Der gnadenlose Kampf im Onlinehandel“, produziert vom SWR. 

Jörg Spielberg

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