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Allgäuer Kommunen starten Aktionen gegen verwilderte Stubentiger

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Von: Lutz Bäucker

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Misstrauisch: verwilderte, scheue Katze in einer Falle der „Nachbarschaftshilfe Wildpoldsried“.
Misstrauisch: verwilderte, scheue Katze in einer Falle der „Nachbarschaftshilfe Wildpoldsried“. © privat

Isny/ Wildpoldsried – Sie vermehren sich wie die Karnickel, killen Singvögel und alarmieren sogar Touristen: herrenlose und nicht kastrierte Katzen, die oft auch krank sind. Deshalb werden jetzt verschiedene Gemeinden im Allgäu aktiv.

So hat Isny als bisher einzige Kommune im Allgäu eine „Katzenschutzverordnung“ erlassen. In Wildpoldsried hat die Nachbarschaftshilfe damit begonnen, 30 Tiere zu fangen, zu kastrieren und zu registrieren.

Millionen »Streuner«

Fachleute schätzen die Zahl herumstreunender Katzen ohne Besitzer in Deutschland auf gut zwei Millionen. Tendenz stark steigend. Sie sind sehr oft krank, die Kater nicht kastriert. Das hat Folgen. „Eine Katze wirft im Jahr dreimal bis zu fünf Junge“, erklärt Christine Hofer-Runst vom Tierschutzverein Isny, „eine unglaubliche Vemehrungsrate!“ Die Tiere leben überall, wo es etwas zu Fressen gibt, besonders gern in verlassenen Häusern oder auf großen Höfen. Tierliebende Bürger fördern die „Bevölkerungsexplosion“ unter den „Stubentigern“ durch gut gemeinte, aber kontraproduktive Fütterungen.

Verschärft wird diese Situation durch die Corona-Pandemie. „Immer mehr Menschen haben sich im Lockdown eine Katze zugelegt und sind dieser inzwischen überdrüssig, weil sie Arbeit macht sowie Zeit und Geld kostet“, berichtet Claudia Mayer von der Nachbarschaftshilfe Wildpoldsried, „und deshalb werden die Tiere regelrecht in der Natur entsorgt.“

Isny als Vorreiter gegen die »Problem-Katzen«

In Isny hat der Gemeinderat jüngst nach einer langen und sehr kontrovers geführten Diskussion mit großer Mehrheit beschlossen, eine sogenannte „Katzenschutzverordnung“ zu erlassen. „Auf der Basis des deutschen Tierschutzgesetzes kann die Stadt damit der ungebremsten Katzenvermehrung Einhalt gebieten und den Tieren ein gesundes Leben ermöglichen“, erklärt der zuständige Sachgebietsleiter Klaus Hägele. Die Verordnung sieht vor, das Einfangen, Behandeln, Kastrieren und Registrieren von Katzen mit 10.000 Euro aus der Stadtkasse zu unterstützen. Den operativen Teil übernimmt der Tierschutzverein Isny. Im vergangenen Jahr sind 57 meist kranke und nicht kastrierte Katzen gefangen worden. Sorge macht die Jagd der Tiere auf einheimische Vögel, deren Populationen dadurch merklich leiden. Besonders Bodenbrüter sind Ziel der Katzenattacken.

Hägele und Bürgermeister Rainer Magenreuter plädieren vehement für die neue Verordnung. „Lassen Sie Isny Vorreiter in puncto Katzenschutz sein, wir müssen vergleichsweise wenig investieren und dürfen auf eine Besserung der Situation hoffen.“ Ohne diese Verordnung, so Tierschützerin Hofer-Runst, „kriegt Isny ein richtiges Problem.“ Bereits heute würden Urlauber angesichts Dutzender herumstreunender Katzen erscrhecken. „Da rufen uns immer wieder Wanderer und Langläufer an“, berichtet sie.

Hilfe für die »Nachbarschaftshilfe«

In Wildpoldsried ist der Katzen-Boom noch lokal begrenzt auf einen einzigen Hof. „Dem Besitzer dort ist vor drei Jahren ein Kätzchen zugelaufen. Inzwischen leben da dreißig Tiere. Was das kostet!“, sagt Claudia Mayer. Die „Nachbarschaftshilfe“ reagierte auf den Hilferuf des Mannes und hat inzwischen zwei Drittel der überaus scheuen Katzen gefangen und zur Behandlung zu Tierärztin Angelika Uher nach Kempten gebracht. „Dort wird ihnen am Hals ein Chip unters Fell eingepflanzt“, so Mayer, „mit dem kann man sie leicht zuordnen. Sie werden tierärztlich behandelt, entwurmt, kastriert und an diverse Tierhilfsorganisationen weitergegeben.“ Die Aktion kostet Geld. „Alles in allem rund 5.000 Euro“, rechnet Mayer. „Dafür bitten wir um Spenden an die Nachbarschaftshilfe Wildpoldsried.“

Spendenkonto: Raiffeisenbank Kempten-Oberallgäu, Kennwort: Katze, IBAN DE23 733 699 200 2000 10 600.

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