"Daheim sterben die Leut’" läuft eine Woche im Colosseum Center

Allgäuer Kultfilm wieder aufgeführt

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Klaus Gietinger (l.), Kameramann Marian Czura (M.) und Leo Hiemer (r.) erschienen höchstpersönlich zur Wiederaufführung ihres Kultfilms „Daheim sterben die Leut'“ aus dem Jahre 1985, der heuer nach genau 30 Jahren digitalisiert im Colosseum Center Kempten dem Publikum neu präsentiert wurde.

Kempten – Manchmal geschehen kleine Wunder. Im Jahre 1985 zeigte das Allgäuer Regie-Duo Klaus Gietinger und Leo Hiemer ihren Film „Daheim sterben die Leut'“ auf der Berlinale einem Premierenpublikum, das sich nach der Erstaufführung wahrlich entzückt zeigte. Der Weg bis dorthin war schwierig gewesen, musste doch zuvor eine eigene Produktionsfirma mit dem Namen Westallgäuer Filmproduktion Lindenberg gegründet werden.

Und auch nach der sehr erfolgreichen Premiere wollte sich vorerst kein Verleih finden, der den Allgäuer Kultfilm in die Lichtspielhäuser bringen wollte. So musste auch dies von den Verantwortlichen selbst gestemmt werden. Als der Film dann einem breiten Publikum gezeigt werden konnte, bildeten sich vor Provinzkinos lange Schlangen, die Allgäuer Dorfsäle tobten und „Daheim sterben die Leut'“ wurde zu einem der erfolgreichsten Kinofilme des Jahres 1985. Neben vielen Auszeichnungen, die der ursprünglich auf 16mm gedrehte Kinostreifen erhielt, wurde „Daheim sterben die Leut'“ zu dem „Kultfilm des Allgäus“. Die Münchner Abendzeitung schrieb über den Film: „Hinterkünftige Mixtur aus Politik, Aberglauben, Altbauern-Charme und freier Liebe der ländlichen Jugend: ein Volltreffer.“

In dem zuweilen skurrilen Plot der Geschichte beginnt das Drama, in dem der Bauer Hans Allgäier zur Mistgabel greift, um sich gegen den Zwangsanschluss an das neue Wassernetz zu wehren. Daraufhin lässt ihm Landrat Dr. Strobel die eigene Wasserquelle einfach zuschütten. Der widerspenstige Landwirt Allgäier wendet sich an den Gesundbeter Sebastian Guggemoos, der scheinbar über besondere Kräfte verfügt, denn Landrat Dr. Strobel wird prompt von einem grässlichen Harndrang befallen. Bald geht es im Dorf drunter und drüber und nachdem Werner Allgäier, Sohn des Hans Allgäier, sich in eine fremde Schöne aus dem Norden verliebt und sich mit ihr ins Bett begibt, erscheint sogar der leibhaftige Teufel im Westallgäuer Dorf.

Im Film wurden alle Allgäuer Rollen von Allgäuern besetzt und gespielt. Gesprochen wir der Film in Westallgäuer Mundart, was dazu führte, dass der Film 1988 bei seiner Uraufführung im deutschen Fernsehen mit Untertiteln gezeigt wurde. Genau 30 Jahre nach seiner Uraufführung kam es nun zu einer Wiederaufführung des Allgäuer Kultfilms, zu der auch die damaligen Macher Klaus Gietinger und Leo Hiemer im Colosseum Center Kempten erschienen. Mitgebracht hatten sie auch ihren damaligen Kameramann Marian Czura, der den Film dereinst auf 16mm Negativfilm bannte. Heuer aber wurde der Film komplett digitalisiert und die Betreiber des Colosseum Center Kempten freuten sich gemeinsam mit den Machern, diesen einem breiten Publikum neu zu präsentieren.

Mit „Daheim sterben die Leut'“ ist ein authentischer Heimatfilm gelungen, der auch noch in hundert Jahren ein vergnügtes Bild auf die Eigenheiten seiner Allgäuer Protagonisten offenbart und somit eine hohen zeitgeschichtlichen Wert besitzt. „Daheim sterben die Leut'“ ist noch bis Mittwoch, 7. Oktober, täglich um 17 Uhr im Colosseum Center zu sehen.

Jörg Spielberg

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