Seit 40 Jahren im Einsatz

Allgäuer Luftrettung: »Engel« Christoph kommt aus Durach

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Pilot Michael Klüber (li), Notfallmedizinerin Dr.Dagmar Strauß und Sebastian Dechant , der Notfallsanitäter vom BRK, entspannt vor dem „Christoph 17“– gleich heben sie ab.

Durach/Kempten – Er gehört längst zum Alltag im Allgäu, sogar Kindergartenkinder kennen den orangefarbenen Hubschrauber und wissen: wenn er abhebt oder durch die Luft rattert, dann ist etwas passiert und höchste Eile geboten.

Der Rettungshubschrauber „Christoph 17“ ist seit vierzig Jahren auf dem Flugplatz in Durach stationiert und hat seitdem unzähligen Menschen geholfen. 

Plötzlich piepst es!
Pilot Michael Klüber, Notärztin Dr. Dagmar Strauß und Notfall-Sanitäter Sebastian Dechant beim entspannten Dienstgespräch. Neben ihnen auf dem Flugplatz von Durach döst ihr orange lackierter Rettungshubschrauber „Christoph 17“ in der Sonne, aus der Ferne ist das vertraute Glockengeläut brauner Rindviecher zu hören, die Idylle ist perfekt. Doch plötzlich piepst es. Klüber stülpt sich sofort seinen bereitliegenden Helm über den Kopf, Strauß springt ins Cockpit, Dechant rennt über das Flugfeld und ruft :„Bitte gehen Sie hinter den Büschen in Sicherheit!“ Die Rotorblätter des Airbus-Helikopters wirbeln gewaltig Wind auf und in ein paar Sekunden verschwindet „Christoph 17“ am milchigblauen Himmel über Durach.

Fliegen bis zur Dunkelheit
„Bewußtlose Person in Altusried“ – so die Angabe aus der Allgäuer Rettungsleitstelle in Kempten. Erste Station heute für Michael Klüber, den fliegenden Bundespolizisten am Steuer des Hubschraubers. Danach: schwerer Verkehrsunfall auf der B 16. Später hinein ins Hochgebirge, zuerst zum Ifen, dann zum Hochvogel: dort muß ein abgestürzter Bergwanderer geborgen und in die Klinik geflogen werden. Stundenlang geht es buchstäblich rauf und runter, blitzschnell müssen Entscheidungen getroffen werden, manchmal geht es um Leben und Tod, immer um die Gesundheit von Menschen. Bis zum Einbruch der Dunkelheit kann Klüber fliegen, der Dauereinsatz schlaucht: „Dann sind wir alle geschafft – geistig und körperlich.“ Seit genau vierzig Jahren ist der rotorangefarbene „Christoph 17“ im Allgäu stationiert. Die Piloten stellt die Fliegerstaffel Süd der Bundespolizei in Oberschleißheim, die Notfallmediziner arbeiten an verschiedenen Kliniken, die Notfall-Sanitäter kommen vom Bayerischen Roten Kreuz im Oberallgäu. Das ist auch Träger der Station. Alle Einsatzkräfte arbeiten im Schichtdienst. Der Helikopter gehört längst zum Alltag und ist für Einheimische und Touristen ein gewohnter Anblick am Himmel. 

Schnell und flexibel
Die Retter aus der Luft sind schnell und flexibel, sie holen verunglückte Mountainbiker aus schwer zugänglichen Gebieten heraus, bringen Sonnenbader mit allergischem Schock vom Badesee ins Krankenhaus oder Skifahrer, die mit gebrochenem Knöchel irgendwo abseits der Piste gelandet sind. Pilot Klüber ist ein erfahrener Mann, der immer einen Landeplatz findet:„ Je dünner die Luft in den Bergen wird, desto schwieriger wird es für uns!“ Notärztin Dr.Strauß vom Klinikum Kempten stellt unter schwierigsten Bedingungen Diagnosen und leitet erste Maßnahmen ein, sie entscheidet auch, ob der Patient sofort im Heli-Cockpit abtransportiert werden muß oder doch auf einen Rettungswagen warten kann. Notfall-Sanitäter Dechant ist unter anderem bei komplizierten Bergungen mit dem Tau gefragt. Der orangene „Engel“ hat einen Einsatzradius von rund 60 Kilometern um Durach herum, manchmal geht’s auch rüber bis zur Zugspitze und nach Österreich. 

Luftrettung kennt keine Grenzen 
Ein ehrenamtliches Mitglied vom BRK hält im neuen und erst nach langen Diskussionen fertiggestellten Funktionsgebäude auf dem Duracher Flugfeld die Stellung. Meistens sind die Rettungsflieger den ganzen Tag lang im Einsatz, kommuniziert wird nur über Funk . Auf einem riesigen Display an der Wand kann man die Flugrouten und Einsatzorte von „Christoph 17“ verfolgen:„ Er fliegt jetzt mit 250 Stundenkilometern Richtung Bad Wörishofen!“ Ist der orangene Helikopter unterwegs, kann die Rettungsleitstelle gegebenenfalls Maschinen aus Friedrichshafen, Liechtenstein, Murnau oder Reutte anfordern. Die Tiroler können sogar in der Nacht fliegen. Pilot Michael Klüber von der Bundespolizei liebt seinen aufreibenden Job am Himmel über dem Allgäu: „Ich war schon überall in Deutschland unterwegs, aber hier ist es einfach am schönsten“, lacht der gebürtige Schleswig-Holsteiner. Wenn er mal nicht abheben muss, dann geht Klüber wandern – am liebsten im Tannheimer Tal: „Ist doch fast noch Allgäu – oder?“, grinst er.

Lutz Bäucker

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