Gezerre um die künftige Nutzung nimmt Fahrt auf

Allgäuhalle: Wer macht das Rennen?

Lageplan für eine mögliche künftige Nutzung des Allgäuhalle-Areals durch Big Box und die Freie
Szene
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Lageplan für eine mögliche künftige Nutzung des Allgäuhalle-Areals durch Big Box und die Freie Szene.
  • VonChristine Tröger
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Kempten – Wie die Zukunft der Allgäuhalle mit Areal nach Abwanderung der Herdebuchgesellschaft aussehen wird, muss der Stadtrat irgendwann entscheiden.

Dabei wird sicher auch die Frage der Wirtschaftlichkeit eine Rolle spielen. Viel Aufmerksamkeit hat das Konzept für ein Kulturquartier Allgäuhalle nicht nur medial bereits erlangt. Sogar ein Verein hat sich (wie berichtet) gegründet, um das Interesse voranzubringen. Aber es gibt auch andere Interessenten. Schon beim damals noch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer habe er sein Interesse nach Ablauf des Pachtvertrages zwischen Herdebuchgesellschaft und Stadt Kempten bekundet, wie Christof Feneberg, Geschäftsführer der Big Box Allgäu, im Gespräch mit dem Kreisboten sagte.

Wichtig ist ihm aber auch die immer wieder kehrende Kritik an den Zuschüssen, die von der Stadt für den Betrieb der Big Box fließen, ins richtige Licht zu rücken. So seien nicht nur die seit 2007 festgeschriebenen 350.000 Euro pro Jahr, sondern auch die bereits seit Herbst 2019 aufgrund massiver Kostensteigerungen diskutierten – und im Herbst 2020 abgesegneten – Zuschusserhöhungen „einstimmig von allen Fraktionen“ des Haupt- und Finanzausschusses bewilligt worden.

Was Feneberg derzeit vor allem Probleme bereitet, sind die „massiven Verwerfungen“ und der „Vertrauensverlust in die Branche“, die „die bald zwei Jahre Pandemieverwaltung“ im Personalbereich verursacht hätten. In den Bereichen von Security über Gastronomie bis zur Technik seien die Leute „massiv eingeschüchtert“.

Sein Interesse an der Allgäuhalle ändere aber auch die momentan schwierige Situation nichts, denn man müsse „trotzdem in die Zukunft denken“ und seines Erachtens würde „die Allgäuhalle der Big Box helfen, sich weiterentwickeln zu können“. Die aktuelle Situation aber macht Feneberg dafür verantwortlich, dass seitens der Big Box nicht so schnell auf das von Thomas Wirth erstmals vor ca. eineinhalb bis zwei Jahren ins Spiel gebrachte Konzept für ein Kulturquartier reagiert werden konnte.

Als im Herbst 2020 gleich noch ein erster Workshop dazu in der Allgäuhalle stattgefunden habe, sei es schlicht unmöglich gewesen, auf die Schnelle „ein präsentationsfähiges Konzept“ vorzulegen, zumal „alle Mitarbeiter in Kurzarbeit waren“. Damals habe es auch eine erste Kontaktaufnahme von Wirth zu ihm gegeben, um die Idee Kulturquartier vorzustellen, erinnert sich Feneberg.

Ähnliche Konzepte, unterschiedliche Ansätze

Prinzipiell weiche das inzwischen zur Diskussion vorliegende Konzept seitens Big Box gar nicht so sehr von dem des Kulturquartiers ab, findet Feneberg und betont, dass sein Konzept „die Unterstützer des Vereins Kulturquartier nicht ausschließt“.

Sein Interesse an der Allgäuhalle begründet Feneberg mit einem „Luxusproblem“: Mit der Belegung von Big Box, Kultbox und Foyer sei man „an die Grenze gestoßen“, auch weil sie sich gegenseitig behinderten. So schließe z.B. eine Veranstaltung im Foyer eine Parallelveranstaltung in der Big Box aus und umgekehrt. Mit der Allgäuhalle könnten kleinere Veranstaltungen ausgelagert werden, so dass eine häufigere Belegung der Big Box möglich würde, so die Überlegung.

Dazu sollen Open Air Veranstaltungen stattfinden, die allerdings „deutlich kostenintensiver sind“ als solche in der Halle, wie Feneberg aus Erfahrung weiß. Auch deshalb will er nach und nach kleine Open Air-Konzerte mit bezahlbaren Musikerinnen und Musikern für ein „spezielles Publikum“ aufbauen. Das Ganze soll „Festivalcharakter“ haben und somit ohne Überdachung auskommen.

Freilichtbühne, Biergarten, Pop-up-Locations ...

Zwar wäre das auch jetzt theoretisch möglich, räumt der Big Box Chef ein, sei aber bislang meist an den Terminfenstern gescheitert. Zusätzlich ist nun eine feste Freilichtbühne geplant, die sowohl einzeln als auch gemeinsam als Biergarten genutzt werden kann; des Weiteren ist an diverse Pop-up-Locations gedacht sowie ein Open-Air-Areal mit der Geschichte der Allgäuhalle inklusive dem „dunklen Kapitel“ in der NS-Zeit. Kein Interesse bekundet Feneberg an der südlichen Parkplatzfläche.

In der Halle selbst „geht erstmal gar nichts“, sagt Feneberg. Angefangen bei Themen wie Brandschutz bis zum Lärmschutz – bei denkmalgeschützten Gebäuden wie diesem hier keine Kleinigkeiten – müsste die Stadt als Eigentümerin beim Konzept Kulturquartier „einen Millionenbetrag investieren“ und danach Zuschüsse bezahlen. Er versuche deshalb, mit seinem Konzept „der Stadt entgegenzukommen“, indem sie mit geringem Investment starten könne.

Abgesehen davon sieht Feneberg – bei aller Schwierigkeit die Halle denkmalschutzgerecht gegen Lärm zu dämmen – vor allem ein Lärmproblem durch das Kommen und Gehen von Menschengruppen vor der Halle, was die Gäste im benachbarten Big Box Hotel stören dürfte. „Wenn man den Krach selber macht“, sei das Problem mit dem Hotel allerdings einfacher zu handeln, z.B. durch andere Zimmerbelegungen, ist er überzeugt.

Maximal 200 Besucher sollen in der Allgäuhalle Platz haben, denn sonst, sagt Feneberg, sei „die Kostenentwicklung nicht beherrschbar“ wegen der sonst deutlich höheren Auflagen. Um auch die Gagen im Rahmen zu halten, schweben Feneberg Künstler vor oder nach ihrer Hochphase vor.

»Komplexe aber reizvolle Aufgabe«

An der Halle selbst sehe sein Konzept nur „ganz ganz kleine Veränderungen“ vor, u.a. für ein Foyer mit Garderobe und um die bestehende Küche mit Lager richtig nutzbar zu machen. Durch einen Türdurchbruch soll zudem ein potentieller Probenraum unabhängig begehbar werden. Um die Halle selbst nutzen zu können, hat sich Feneberg etwas einfallen lassen.

Als „besondere Schwierigkeit“ nennt er die Brüstung der Tribüne. Deshalb „wollen wir eine neue Tribüne auf die alte setzen“. Der entscheidende Unterschied aber sei die Innenkonstruktion. So soll eine an vier Punkten auf Stützen befestigte Decke statische, schallschutz-, heizungstechnische bis hin zu Raumteilungs-Bedürfnisse erfüllen. Es sei eine „komplexe, aber reizvolle und schöne Aufgabe“ gewesen, ist Feneberg sichtbar mit dem Ergebnis zufrieden, das bei geringem Anfangsinvest ein modulares Weiterentwickeln ermögliche.

„Auch wir sehen uns als Heimat für alle, die eine brauchen“, ist Feneberg mit einer Einschränkung offen für diejenigen, die auf das Kulturquartier Allgäu hoffen: „Es muss natürlich wirtschaftlich tragfähig sein“, weshalb eine Mietmischnutzung angedacht sei, d.h. bei Nutzung durch die Big Box voller Preis, „reduziert bis sehr günstig oder gar frei für Kleine bzw. Heimatlose“. Eine Konkurrenz zur Kultbox sieht er nicht, da diese erst ab 250 Besuchern kostendeckend sei.

Das Konzept sieht Christof Feneberg zunächst als „Diskussionsbasis“, um es weiter zu entwickeln. Allein schon „wegen der vielen mit der Big Box zu hebenden Synergien“ steht für ihn aber eines außer Frage: „Die Leitung dafür müssen wir haben.“

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