Attraktion im Alpinmuseum

"Allgäuer Ötzi" im Museum

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„Geheimnis im Gletscher“ heißt die neue Ausstellung, die ab März im Alpinmuseum Kempten besichtigt werden kann.

Kempten – Das Alpinmuseum Kempten öffnet zur neuen Saison am 2. März seine Tore. Eine neue Attraktion ist die kleine Ausstellung „Geheimnis im Gletscher“.

Sie erzählt von einem Bergunglück im Jahr 1939 – kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. 

Der Klimawandel sorgt für ein dramatisches Abschmelzen der Gletscher. Das Eis gibt nun nach und nach frei, was schon vor Jahrtausenden oder erst vor Jahrzehnten eingefroren wurde. Der Blick auf die Gletscherfunde ermöglicht eine abenteuerliche Zeitreise mit außerge- wöhnlichen Entdeckungen. Der älteste Menschenfund war „der Mann vom Hauslabjoch“ oder „Ötzi“, vor 5250 Jahren im Gebirge verunglückt, 1991 auf 3210 Metern Höhe gefunden. Der jüngste ist Bonaventura Schaidnagl, ein Allgäuer, der im Jahr 2004 wieder an die Oberfläche kam. Beide Opfer wurden Objekt der wissenschaft- lichen Gletscherarchäologie in Innsbruck. Beide Funde geben Aufschluss über ihre Zeit – sei es die Jungsteinzeit oder die Neuzeit des 20 Jahrhunderts. Am 18. August 1939 verschwand Bonaventura Schaidnagl. Der Lehrer aus Ebenhofen (bei Marktoberdorf im Allgäu), damals 36 Jahre alt, bergerfahren, Ehemann und Vater von fünf Kindern, kehrte von einer Bergtour nicht zurück. Ort des Geschehens war der Mittelbergferner an der Wildspitze (Tirol). Für die hinterbliebene Familie war der plötzliche Verlust des Ehemanns und Vaters ein furchtbares, unerklärliches Ereignis, das Jahrzehnte nachwirkte. 65 Jahre später – im Sommer 2004 – stießen drei Bergsteiger auf einer steilen, ungewöhnlichen Trainingstour auf seine Spur. Sie fanden ausapernde Bergausrüstung und meldeten dies der Bergrettung. Die Überreste – Bergstiefel, Kleidung, Eispickel u.v.m. – waren zahlreich und gut erhalten. Anhand von Münzen und Materialien ließ sich das Gefundene in das 20. Jahrhundert einordnen. Der handschriftliche Namenseintrag im Baedeker und das Monogramm TM für Bonaventuras Mutter in Kempten ließen eine eindeutige Identifi- zierung zu. Das Alpinmuseum zeigt die im Eis perfekt erhaltene Ausrüstung des Verunglückten, darunter die Fahrkarten, die Klei- dung, das Rasierzeug, die Feldflaschen und sogar Ohropax für den Einsatz im Matratzenlager. In filmischen Interviews erzählen die Beteiligten – Familie und Fachleute –, wie sie Schaidnagl als Lebenden und als Bergopfer erfahren haben. Die Gletscherarchäologie ist eine junge Disziplin, die jeden Tag mit neuen Funden rechnen kann. Das Alpinmuseum zeigt neben der Erhabenheit und Kultur der Alpen auch ihre Gefahren und Schrecken.

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