Alte Wege neu begehen

In leuchtendem Grün, mit Spielfreude, Spieltrieb, Spielfeldern und neuen Spielregeln präsentierte die designierte künstlerische Direktorin des TheatersInKempten (TIK), Nikola Stadelmann, den Spielplan 2010/2011 unter dem Spielzeitmotto „Spielwies’n“. Sie setzt darin bewusst auf „Kontinuität und Neubeginn“, was sie und das bewährte TIK-Team nicht als Widerspruch verstehen, sondern „als Chance und Ansporn“, mit verlagerten Schwerpunkten das fortzuführen, was die letzten drei Jahre gewachsen ist.

Ein bisschen Aufbruchstimmung schwang aber doch mit. Schon bei der luftigen Neugestaltung des 112-seitigen Programmbuches wurde den vielfachen Zuschauerwünschen Rechnung getragen, es übersichtlicher und lesefreundlicher zu gestalten. Die „Helden der Werbung“, die laut Stadelmann künftig für „das öffentliche Erscheinungsbild des TIK verantwortlich sein werden“, haben sich nutzerfreundlich für einen chronologischen Spielplan entschieden. Die Bild- und Farbfluten der vergangenen drei Jahre wurden gegen verspielte Zeichnungen auf weißem Grund getauscht, der einen Kontrast zur Spielzeitfarbe Grün bildet. Aus Überzeugung, so OB Dr. Ulrich Netzer (CSU), habe die Stadt für das Theater eine „hervorragende Basis“ geschaffen, die darüber hinaus nun gestaltet werden müsse. Stadelmann wartete mit einem Programm auf, das neugierig macht und die neue Saison mit freudiger Spannung erwarten lässt. Enthalten sind drei Eigenproduktionen: Als Eröffnungsproduktion das Tanztheater „Match Point“ von Jochen Heckmann als Uraufführung. Weiters die große Schauspielproduktion „Kasimir und Karoline“ von Ödön von Horvath, das „heute ähnlich aktuell ist wie vor 80 Jahren“. Dazu kommt in der neuen Reihe „Große Stoffe in kleinem Format“ die Adaption von Goethes Faust für einen Schauspieler, „Faust Fiction“. Weitere Höhepunkte seien unter anderem die Premiere von Molières „Der eingebildete Kranke“ oder auch die Aufführungen eines Allgäu-Krimis um den Kult-Kommissar Kluftinger, dessen Autoren in der Reihe „LesArt“ auch daraus vortragen werden. Besonders freute sich Stadelmann, den Regisseur Sir Peter Brook – „einen der ganz Großen“ – mit Becketts „Glückliche Tage“ gewonnen zu haben. Hoher Anspruch Freunde des Boulevardtheaters können sich wieder über sechs „sehr anspruchsvolle“ Stücke freuen, eine „neue Art von Theatercafé“ soll ins TheaterOben einladen und auch die Meisterkonzerte bleiben erhalten. Da sich das Publikum auf die „Mischung eingestellt hat und auf diese Kontinuität vertraut“, gebe es wieder einige unbekannte, „grandiose Stücke“, dazu Standardrepertoire „von hoher Qualität“, erläuterte Konzertorganisator Dr. Franz Tröger. Zudem werde die Klavierreihe „Solopiano“ ab Herbst im TIK stattfinden. Der Tanzherbst soll künftig als Prolog der jeweiligen TIK-Spielzeit einen „festen Platz“ in der Theatersaison erhalten, wie Stadelmann bekannt gab. Zum zehnjährigen Jubiläum kündigte Richard Klug vom veranstaltenden Regionalen Tanzverband für zeitgenössischen Tanz „namhafte Companies aus vier Kontinenten“ mit der „ganzen Bandbreite für zeitgenössischen Tanz“ an. Mit einer kleinen Tanzreihe im TheaterOben hat Stadelmann zudem das Tanzangebot mit „spartenübergreifenden Stücken“ ausgeweitet, das „sicher nicht nur für Tanzfreaks ist“. Mehr Gewicht will Stadelmann künftig auch dem Kinder- und Jugendtheater geben, wofür es eine neue, intensive Kooperation mit dem Landestheater Tübingen gebe. Insgesamt über 20 Schulvorstellungen, eine für Schulklassen öffentliche Generalprobe und nicht zuletzt die ersten Schultheatertage 2011 stehen somit auf dem Programm.

Meistgelesen

Erlebnistag im Grünen Zentrum
Erlebnistag im Grünen Zentrum
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Eröffnung der "MangBox" in Kempten
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Bienen sterben leise – ganze Völker gehen verloren
Grünes Zentrum in Kempten
Grünes Zentrum in Kempten

Kommentare