Alternativ durchs Allgäu

Auch vor Schloss Neuschwanstein gibt der Elektro-Fiat eine gute Figur ab. Foto: E-Tours

Geräuschlos fährt seit August eine kleine Flotte von Elektroautos durchs Allgäu. Einheimische und Gäste können diese Fahrzeuge bei verschiedene Hotels in den Regionen Füssen, Oberstaufen, Oberstdorf und Bad Wörishofen mieten. Der KREISBOTE durfte jetzt bei einer Reise durchs Allgäu eines der insgesamt 40 Elektroautos auf seine Alltagstauglichkeit testen.

Wer glaubt, ein Elektroauto sehe futuristisch aus, der irrt sich. In Kempten fährt zwar „Sam“, ein kleiner grüner einsitziger Elektroflitzer aus Plastik, doch die meisten der 40 Autos aus der Flotte sind umgebaute Serienautos. Vom kleinen Stadtflitzer wie dem knuffigen Fiat 500E über einen Sportwagen wie den Spyder-S (modifizierter Porsche 550) bis hin zum SUV Daihatsu Terios ist mittlerweile alles im Fuhrpark von E-Tours vertreten. Dabei ist die Erfindung des Elektroautos keineswegs neu. Das erste Auto überhaupt fuhr nämlich nicht mit Benzin, sondern elektrisch. Gustave Trouvé präsentierte 1881 fünf Jahre vor Benz und Daimler in Paris auf einer Elektrizitätsmesse ein Fahrzeug mit Elektromotor. Den dazugehörigen Akku hatte der Physiker Gaston Plante 1859 erfunden. Doch zurück zur Gegenwart: Beim Umdrehen des „Zündschlüssels“ im umgebauten Fiat 500 ist erst einmal überhaupt kein Geräusch zu hören. Erst wenn langsam auf das Gaspedal gedrückt wird, wird klar „das Auto rollt – der Motor ist an“. Was für den Fahrer erhöhten Komfort bedeutet, ist für Fußgänger und andere Verkehrsteilnehmer allerdings nicht ganz ungefährlich. Vor allem bei einer Fahrt durch die Stadt muss noch mehr aufgepasst werden, als in einem herkömmlichen Auto mit Verbrennungsmotor, bestätigt Charlotte Wallin, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit von eE-Tour Allgäu, die das Thema Elektromobilität im Allgäu voran- und betreibt. Denn Fußgänger hören ein anrollendes Elektroauto kaum und sind oft überrascht, wenn plötzlich eines wie aus dem akustischen Nichts vor ihnen steht. Das stufenlose Beschleunigen des kleinen Fiat auf den Allgäuer Straßen macht dagegen Lust auf mehr. 32 Kw reichen für einen ordentlichen Anzug. Bei einer Fahrt über das Land und durch die schöne Voralpenlandschaft ist das leise dahin Cruisen sehr angenehm. Lediglich auf der Autobahn hat das Elektroauto gegenüber einem herkömmlichen Auto mit Benzin- oder Dieselmotor Nachteile. Bei dem von uns getesteten Auto Fiat 500E mit liegt die Höchstgeschwindigkeit bei gerade einmal 110 km/h. Die Reichweite eines E-Mobils liegt je nach Typ zwischen 80 bis 150 km. Nach einer aktuellen Studie der CAMA (Center für Automobil Management) ist diese Reichweite aber mehr als ausreichend. „Deutsche Autofahrer benutzen ihr Fahrzeug durchschnittlich nur 50 Kilometer am Tag und lassen es häufig acht und mehr Stunden stehen. Dafür würden die jetzigen Elektromobile ausreichen,“ erklärt Prof. Dr. Heike Proff von der Universität Duisburg Essen. Auftanken ohne Probleme Trotzdem: Auch der kleine 500E braucht neue Energie. Das „Auftanken“ erfolgt via Starkstromstecker zu Hause oder an einer der 22 Ladesäulen, die es mittlerweile im Allgäu gibt. Auch in Kempten stehen inzwischen drei Stromsäulen. Eine Liste über die Standorte bekommt jeder, der sich ein Auto ausleiht, gleich mit ausgehändigt. Im Internet unter der Adresse www.ee-tour.de ist außerdem eine Übersicht über alle „Strom-Tankstellen“ zu finden. Die Abrechnung erfolgt über einen sogenannten RFID-Chip, der den Benutzer authentifiziert und den Ladevorgang startet. Der Chip wird bei der Anmietung gleich automatisch und kostenlos mitgegeben. Zum Beenden des Ladevorgangs muss sich der Fahrer bloß mit dem Chip abmelden und den Stecker aus der Ladesäule entfernen. In jedem E-Fahrzeug ist wie in jedem anderen Auto ein Boardcomputer eingebaut, der nicht nur das Radio und die Navigation steuert. Künftig soll der Computer Gäste zu Ausflugszielen führen und automatisch anzeigen, welche Ladesäule in der Nähe gerade frei ist. In Zeiten ständig steigender Bezinpreise, neuer Umweltschutzstandards wie der Feinstaubregelung sowie Fortschritte in der Speicherung von Strom gewinnen Elektroautos immer mehr an Bedeutung. Die eE-Tour Allgäu hat sich gemeinsam mit den Allgäuer Tourismus-Verantwortlichen zum Ziel gesetzt, die Elektromobilität für die Region zu einem Alleinstellungsmerkmal zu machen. Die Attraktivität des Allgäus für anspruchsvolle, umwelt- und gesundheitsbewusste Menschen soll damit erhöht werden. Urlaubsgäste sollen Geschmack an innovativen, umweltfreundlichen Mobilitätskonzepten finden und die Botschaft mit nach Hause nehmen: „Wir konnten es im Urlaub probieren. Wir können es auch zu Hause tun“, erklärt dazu Charlotte Wallin. Finanziert wird das Projekt über das Förderprogramms „IKT für Elektromobilität“ (Informations- und Kommunikationstechnologie), das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie in Partnerschaft mit dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit gefördert wird. Während der Erprobung ist der Strom an den Ladesäulen kostenlos, später wird dieser abgerechnet. „100 Kilometer werden dann etwa drei bis vier Euro kosten“, versichert Wallin. Sobald der Strom nur noch aus erneuerbaren Energien gewonnen wird, ist die Elektro- mobilität sicher eine gute Alternative. Der Spaßfaktor ist auf jeden Fall jetzt schon gegeben.

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