"Etwas, um das man kämpfen muss"

Stadtheimatpfleger kündigt Widerstand an für das vorläufige Konzept des Sparkassen-Quartiers

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Sparkassen-Vorstand Manfred Hegedüs (Mitte) erläutert bei der Altstadtbegehung, wie das angedachte Sparkassen-Quartier aussehen könnte.

Kempten – Zu viele „offene Baustellen“, um sie in nur einem gemeinsamen Spaziergang durch die Altstadt mit OB Thomas Kiechle ansteuern zu können.

So vertagte Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde und Organisator der alljährlichen Altstadtbegehung, die nach zwei Stunden noch unbesuchten anvisierten Punkte auf nächstes Jahr.

Die größten Brennpunkte waren dafür schon vergangenen Samstagvormittag enthalten: Kronenstraße und Promenadestraße mit geplantem Sparkassenquartier (siehe Kreisbote von vergangenem Wochenende).

In der Kronenstraße konnten der OB, Baureferent Tim Koemstedt und die rund 40 Interessierten live erleben, wo der Schuh hier drückt. Vorbeidonnernde Fahrzeuge auf der als Spielstraße gekennzeichneten Fahrbahn, aufheulende Motoren, zugeparkte Straßenränder. Markmiller begrüßte deshalb das von Kiechle unlängst testweise verordnete Nachtfahrverbot, wie es die Altstadtfreunde schon lange gefordert hätten. Dem Ruf nach einer Vollsperrung aus dem Kreis der Anwesenden erteilte der OB aber eine klare Absage: „Eine Vollsperrung nicht mit mir“, da dadurch die Struktur verändert würde. Laut Koemstedt ist auch „einfach mal schnell zusperren“ wegen der komplexen Verkehrsflüsse nicht zu machen. Die Geschichte der Kronenstraße, „eine unserer jüngsten Straßen“, die erst in den 1960er Jahren entstanden sei, lieferte die Historikerin Birgit Kata. 

Altstadtfreund Dieter Schade nutzte die Gelegenheit, sich nochmals für eine Sperrung der Kronenstraße als Einbahnstraße in Nord-Süd-Richtung auszusprechen. Stefan Keppeler, Vorsitzender Stadtjugendring Kempten, regte bauliche Schwellen an, um die Geschwindigkeit zu drosseln. Da es „auf dem Papier oft anders aussieht“ als in der Praxis, erachtete er auch den Versuch einer Vollsperrung als sinnvoll. Lob hatte er für die „mutige Entscheidung“ von Kiechle für die probeweise Nachtsperrung. Gerhard Juli von den Altstadtfreunden erinnerte nochmals an die von ihm in der letzten Hauptversammlung des Vereins vorgetragene Lösung mit versenkbaren Pollern, die in Verbindung mit den Straßenarbeiten zur Verlegung der Fernwärme im kommenden Frühjahr (der Kreisbote berichtete) sogar noch interessanter sei und man sich damit zudem nicht festlege. Fürsprache erhielt er von Stadtrat Alexander Hold (FW), da dadurch auch Kontrollen überflüssig würden.

Neuigkeiten bezüglich der Pläne für ein Sparkassen-Quartier gab es dann in der Promenadestraße, Schnittstelle der ehemaligen Reichs- und Stiftsstadt, auch für den OB sowie den Sparkassen-Chef Manfred Hegedüs. Wie berichtet ist der Bereich zwischen Promenade-, König- und Horchlerstraße Teil des Ideenwettbewerbs im Rahmen des Wettbewerbs zur Neugestaltung des Stadtparks, dessen Ergebnisse in der Sitzung des Stadtrats am 12. Oktober (16 Uhr im Großen Sitzungssaal) vorgestellt werden sollen. Ein, wie Hegedüs erneut betonte, derzeit lediglich skizziertes Nutzungskonzept sieht hier als beste Lösung einen weitgehenden Abriss der Gebäude vor, zugunsten einer Tiefgarage und eines Neubaus für vorwiegend große Gewerbeflächen. 

Kiechle betonte, nach vielen bereits geführten Gesprächen die Sorgen der Bürgerinnen und Bürger zu kennen, aber es sei wichtig, eine sich bietende Möglichkeit „auch als Chance“ zu nutzen. „Am schlimmsten ist eigentlich wenn Stillstand ist.“ Wie Hegedüs informierte, müsse die Sparkasse aufgrund des schlechten baulichen Zustandes bei den Gebäuden in der Königstraße tätig werden, sinnvollerweise als größer angelegtes Projekt mit den benachbarten Gebäuden. Natürlich wolle man auf die Sorgen der Menschen eingehen, sobald konkretere Pläne vorlägen, „aber wir sind noch nicht so weit“.

Einen Dämpfer erhielt das Projekt von Stadtheimatpfleger Tilmann Ritter, der zwei Tage zuvor unter anderem zusammen mit Michael Habres vom Landesdenkmalamt eine Ortsbesichtigung in verschiedenen Häusern der Promenadestraße durchgeführt hatte und auf zahlreiche „spätmittelalterliche Kerne“ gestoßen war; Funde, die Kata noch detaillierter schilderte. „Hier ist etwas, um das man kämpfen muss“, wies Ritter zudem auf bestehenden Ensembleschutz hin. Eine Überplanung könne nur im Zusammenwirken mit dem Denkmalschutz erfolgen. Eine so radikale Bebauung, wie sie die Sparkasse andenke, „können wir uns nicht vorstellen“, sagte er und wurde noch deutlicher: „Da werden Sie unseren Widerstand spüren,“ auch wenn die Stadt immer die Möglichkeit habe zu sagen „das interessiert uns nicht“ und etwas „überzustülpen“. „Das wollen wir gar nicht“, lenkte Hegedüs sofort ein. Dieter Schade kritisierte, dass der Denkmalschutz in den Auslobungsunterlagen zum Wettbewerb „nicht ausformuliert war“ und befürchtete deshalb möglicherweise falsche Ergebnisse.

Großes Lob gab es vom Stadtheimatpfleger für die „gelungene Sanierung“ des ein paar Meter weiter gelegenen mittelalterlichen Hauses aus dem 14. Jahrhundert Auf’m Plätzle 6.

Christine Tröger

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