Stadtentwicklung zum Anfassen

Altstadtbegehung: Mehr Grün, mehr Kontrollen und Burghalde-Fortschritt erwünscht

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Eine Station beim Stadtspaziergang mit OB Thomas Kiechle (M.) war das Sparkassenquartier, wo unter Umständen Gebäude zugunsten eines umfassenden Neubaus mit Medienzentrum inkl. Stadtbü- cherei abgerissen werden. Mit dabei beim Stadtspaziergang waren u.a. Tim Koemstedt, Leiter des Referats Planen, Bauen und Verkehr (l.) und Thomas Hartmann, Stadtrat (2.v.l.).

Kempten – Das Wetter zeigte sich Ende Oktober noch einmal von seiner schönsten Seite und schenkte den Teilnehmern der Altstadtbegehung mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle viel Sonnenschein und angenehme Temperaturen.

Rund 50 Bürger fanden sich am Samstagvormittag vor einer Woche vor dem Kemptener Rathaus ein, um auf Einladung der „Freunde der Altstadt Kemptens“ durch die Innenstadt zu spazieren und über die aktuelle Stadtentwicklung zu sprechen.

Als erste Station steuerte die Gruppe das Sozialrathaus in der neu gestalteten östlichen Gerberstraße an. Im Sommer lief dort die Rundumerneuerung von der Kronenstraße bis zur Ecke Gerberstraße/Illerstraße. Der komplette Straßenraum einschließlich des barrierefreien Eingangs des Sozialrathauses befindet sich nun auf einer Straßenebene und erhält so den Charakter einer verkehrsberuhigten Zone. Verlegt wurde helles Betonsteinpflaster mit mittiger Abflussrinne, auf eine Asphaltierung wurde verzichtet. Sechs von ehedem 30 Parkplätzen sind durch die Umbaumaßnahmen verlorengegangen. Oberbürgermeister Thomas Kiechle betonte, dass auch künftig das Parken nur auf den markierten Parkplätzen erlaubt sei.

Bedenken kamen von den Teilnehmern: Grundsätzlich empfanden alle Spaziergänger, dass sich die Aufenthaltsqualität verbessert habe, allerdings wünschte sich eine Mehrheit an dieser Stelle mehr Grün und Sitzmöglichkeiten zum Verweilen. Tim Koemstedt, Leiter des Referats für Planen, Bauen und Verkehr, zeigte auf Aussparungen im Straßenbelag, die für Bepflanzung vorgesehen sind. Allerdings werde man nicht allzu große Bäume pflanzen, da man an dieser Stelle nicht zu viel Schattierung anstrebe. Ein großer, alter Baum an der Ecke Gerberstraße/Illerstraße sei aber bewusst als sichtbarer Endpunkt der Gerberstraße erhalten geblieben. An einer der ausgesparten Stellen soll künftig ein Kunstwerk die Straße zieren. 

Strengere Kontrollen in der Kronenstraße versprochen
 Als zweite Station des Spaziergangs war die Kreuzung Kronenstraße/Gerberstraße ins Auge gefasst worden. Augenscheinlichstes Problem an dieser Stelle ist das zu hohe Verkehrsaufkommen, das zu Konflikten zwischen den einzelnen Verkehrsteilnehmern führt. Klar sprach sich OB Kiechle gegen eine Vollsperrung aus: „Wir haben in Kempten zu wenige Nord-Süd-Verbindungen und es steht zu befürchten, dass bei einer Sperrung der Kronenstraße die Ausweichstraßen das Mehr an Verkehr nicht mehr bewältigen können.“ Thomas Hartmann, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, sprach sich allerdings vehement für eine solche Straßensperrung aus. Als Vertreterin des Einzehandels erklärte Anne Pickert, dass bei eine Schließung der Kronenstraße die anliegenden Geschäfte mit rund 20 Prozent Umsatzeinbußen zu rechnen hätten. 

Mehrere Teilnehmer der Spaziergruppe favorisierten wiederum eine Einbahnstraßenlösung. Die Frage, wie genau mit der Kronenstraße verfahren werden soll, mochte der OB auf die Zeit nach dem Bau der neuen Illerbrücke verlegen, was bis 2025 geschehen soll. Allerdings wünschten sich viele Teilnehmer des Rundgangs, dass zuvor die bestehende nächtliche Sperrung der Kronenstraße engmaschiger von der Polizei kontrolliert wird. Mehrere Bürger bestätigten, dass die Sperrung von vielen Autofahrern schlicht ignoriert wird. Den Vorschlag, die Kronenstraße mit versenkbaren Pollern zu bestücken, lehnte der OB aus Kostengründen ab. Allerdings versprach Kiechle mehr polizeiliche Kontrollen an dieser Stelle. Ein weiteres Ärgernis für Bewohner der Kronenstraße stellt die nächtliche Lärmbelästigung dar, die zum Teil bis in die frühen Morgenstunden andauere. Ein Bewohner des Hauses Kronenstraße 25 führt seit geraumer Zeit ein Lärmprotokoll, aus dem er dem OB vorlas. Insbesondere die Gäste einer Bar im diesem Haus fielen durch permanente Lärmbelästigung auf. 

Geteilte Meinung zum Sparkassenquartier
 Nächster Haltepunkt für die Stadtspaziergänger war der Innenhof im Quartier zwischen König-, Horchler- und Promenadestraße. An dieser Stelle überlegt die Sparkasse, ihr in den 60er-Jahren errichtetes Arkadengebäude abzureißen und einen neuen Gebäudekomplex in die Höhe zu ziehen. Im Innenhof selbst liegen noch Reste der alten Stadtmauer verborgen, die im Zuge einer neuen Bebauung ans Tageslicht gefördert werden könnten. Kiechle konnte sich vorstellen, an dieser Stelle die neue Stadtbücherei verortet zu sehen: „Wenn wir hier an Ort und Stelle etwas Neues errichten, dann wäre das der ideale Platz, nicht nur für eine Stadtbibliothek, sondern auch für ein Medienzentrum, ein Ort der Kommunikation für alle Bürger – wie im neuen Kempten-Museum im Zumsteinhaus mit freiem Eintritt.“ 

Die Vorschläge des OBs trafen sowohl auf Zustimmung als auch auf Ablehnung. Einige Teilnehmer sahen nicht die Notwendigkeit, das noch recht ansehnliche Bestandsgebäude abzureißen. „Der Neubau der Sparkasse ist da ein mahnendes Beispiel“, befindet ein Bürger. Bei den Verantwortlichen war allerdings der Wunsch zu spüren, neben dem August-Fischer-Platz ein zweites Zentrum, allerdings in der nördlichen Innenstadt zu errichten. 

Barrierefreie Burghalde?
Danach machte sich die Gruppe auf in Richtung Burghalde. Altstadtfreunde-Vorsitzender Dietmar Markmille erläuterte den Zuhörern den gegenwärtigen Stand der Entwicklung. Der Verein hatte in jüngster Vergangenheit Studenten der Universität Augsburg zu einem Gestaltungswettbewerb über die zukünftige Ausgestaltung des Burghaldegeländes eingeladen. „Die Ergebnisse dieses Wettbewerbs werden wir zeitnah der Öffentlichkeit vorstellen“, so Markmiller. OB Thomas Kiechle dämpfte ein wenig die Hoffnung auf zu viele Neuerungen an der Burghalde und verwies auf die Haushaltslage und die anstehenden Investitionen in Schulen und verkehrliche Infrastruktur. 

„Was gemacht werden kann, wird gemacht“, so Kiechle, der ankündigte, dass der Städtische Bauhof noch in diesem Jahr den Weg von der Burgstraße zur Burghalde in Stand setzen werde, was u.a. bedeutet, ein paar der Büsche abzusägen. Positiv erwähnte Kiechle den großen Erfolg der „Märchensommer“ 2018/19 im Burghalderund, inszeniert durch das Theater in Kempten. Diese seien zu wahren Besuchermagneten geworden. Diesen Weg der Bespielung und Belebung der Burghalde möchte man zukünftig weiter beschreiten, so Kiechle. Um einen behindertengerechten Aufgang bat Gisela Schiegg vom Behindertenbeirat. „Der Ausblick von der Burghalde ist einer der schönsten in ganz Kempten. Bitte machen sie diesen auch erfahrbar für Menschen mit Behinderung“, so die Bitte der Rollstuhlfahrerin. 

Jörg Spielberg

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