Aktueller Altstadtbrief zeigt: es ist viel passiert, aber es gibt auch noch viel zu tun

Altstadtfreunde ganz zufrieden

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Hat den mahnenden Finger der Altstadtfreunde bei Missständen schon oft in die Wunde gelegt: Vorsitzender Dietmar Markmiller. Im aktuellen Altstadtbrief gibt es aber vor allem viel Lob für die Entwicklungen.

Kempten – Es sind viele „Baustellen“, die die Altstadtfreunde im Visier haben, und dass sich diese Drehpunkte konstant entwickeln, freut den Vorsitzenden des Vereins, Dietmar Markmiller. Darüber liefert der aktuell erschienene Altstadtbrief einen detaillierten Überblick.

Ein derzeit auch vielfach heiß diskutierter Themenblock brennt dem engagierten und bisweilen für die Sache auch streitbaren Vorsitzenden der Altstadtfreunde besonders unter den Nägeln: Eislaufbahn, Hildegardplatz und Weihnachtsmarkt.

Auch wenn die ersten beiden Punkte keinen direkten Bezug zur Altstadt haben, wie er einräumt, unterstreicht er Handlungsbedarf in Form eines übergreifenden Gesamtkonzeptes. Denn die Altstadt mit dem Rathausplatz und die nördliche Innenstadt mit dem Hildegardplatz seien „strukturschwache Gebiete“, die es mit dem Ziel zu stärken gelte, sie mit dem starken südlichen Teil zu einer insgesamt attraktiven Innenstadt zu verbinden.

Klartext schreibt Markmiller im Altstadtbrief was die „Knochentheorie“ betrifft: der einst viel gepriesene Knochen habe „Osteoporose“. Wie er im Gespräch mit dem Kreisbote erläuterte, „bräuchte es Frequenzbringer“, für die in der nördlichen Altstadt nicht die richtigen Flächen vorhanden seien. Den Weg der nördlichen Altstadt sieht er deshalb in deren Einbindung in die Themen Kunst und Kultur und damit auch in das Museumskonzept, „da alle Museen dort sind“. Als richtungsweisende Vision hat er das Münchner Glockenbachviertel für die nördliche Innen- und Altstadt Kemptens vor Augen. Künftig soll sich, so Markmiller, ein Arbeitskreis aus Mitgliedern der Stiftsstadt- und der Altstadtfreunde mit der Entwicklung des porösen Knochenteils beschäftigen.

Auch sieht er keine zu Ende gedachte Lösung der Probleme durch die diskutierte Verlegung des Weihnachtsmarktes vom Rathaus- auf den Hildegardplatz. Den würde er dagegen lieber attraktiver machen, unter anderem durch ein „einheitliches Erscheinungsbild“ und auch eine Beteiligung der Kemptener Gewerbetreibenden, monetär oder durch Ideen, hält er für angebracht. Schließlich würden nicht nur einige Wenige davon profitieren, denn „die Touristen kommen nicht nur auf den Weihnachtsmarkt, sondern gehen dann auch in die Stadt“. Eine Subventionierung des Weihnachtsmarktes durch die Kommune hält er für ebenso unangebracht wie die der Allgäuer Festwoche. „Das ist nicht Aufgabe der Stadt.“ Einen positiven Effekt kann sich der Vorsitzende der Altstadtfreunde durch die Eislaufbahn auf dem Hildegardplatz in der nächsten Wintersaison vorstellen, was derzeit geprüft werde – Ausgang offen.

„Verödung der Innenstädte“ ein Thema

Viel mehr beschäftigt ihn derzeit aber ein anderes Problem: „Urbanes Leben wird sich aufgrund des Internethandels massiv verändern“, sieht er hier ein Thema, dem man „sich stellen muss“. Vor einer „Verödung der Innenstädte“ werde inzwischen ganz aktuell auch vom Deutschen Städtetag gewarnt. Aktiv würden sich dem zum Beispiel Wuppertaler Einzelhändler entgegenstellen, wie Markmiller weiß. Nach deren Vorbild schwebt ihm auch in Kempten eine Internet-Plattform „Online-City-Kempten“ vor, die ähnlich wie „Amazon“ als Marktplatz aufgebaut sei. Allerdings ein rein regionaler Online-Marktplatz, wie er betont, mit Vorteilen wie Lieferung am Tag der Bestellung, Umtauschmöglichkeit vor Ort statt lästigem Retouren-Versand oder greifbaren Ansprechpartnern. Ein von ihm häufig gehörtes Gegenargument von Einzelhändlern, sich dann noch stärker dem Preisvergleich unterwerfen zu müssen, lässt er nicht gelten. Schließlich würden das die meisten „dank Smartphone“ im Internet eh schon machen. Nichts zu tun ist seines Erachtens jedenfalls „sicher der falsche Weg“, sieht er hier eine Aufgabe des Kemptener Wirtschaftsreferats und des City-Managements.

Dennoch, insgesamt ist er „zufrieden“ mit der Entwicklung der Themen, die sich die Altstadtfreunde auf die Fahnen geschrieben haben. Dass es davon reichlich – große und kleine – gibt, zeigen die Beiträge im Altstadtbrief, die sich unter anderem mit der „vorbildlichen“ Sanierung der Alten Spinnerei durch die Sozialbau, beschäftigt; mit der Freude über den neu installierten Gestaltungsbeirat „für ein „Mehr an Baukultur“; mit dem dreiteiligen „Großvorhaben“ in der St.-Mang-Kirche, bestehend aus Sanierung der Südhalle und auch der Orgel sowie der Installationen der künftigen „MangBox“ als „Ort der Begegnung“ oder der Sanierung der König-Ludwig Brücke.

Verbesserungspotential beim Verkehr 

Kritisch sehen die Altstadtfreunde allerdings beispielsweise noch die Verkehrssituation in der Kronenstraße oder dem „Brennpunkt Füssener Straße“, wofür die Voraussetzungen für ein besseres Miteinander von Fußgängern, Radfahrern und Verkehr angemahnt werden. Eines will Markmiller aber im Gespräch doch noch los werden: „Was ich massiv kritisiere ist der Umgang mit dem Förderverein Beginenhaus.“ Man könne Ehrenamtliche, die sich mit viel Herzblut über Jahre hinweg engagieren, nicht „so vor den Kopf stoßen“, echauffiert er sich. Wie berichtet wurden im Zuge der Haushaltsberatungen die vorhandenen Sanierungs- und Nutzungspläne vorerst auf Eis gelegt.

Der aktuelle Altstadtbrief liegt an vielen Stellen zur kostenlosen Mitnahme aus und kann auch demnächst online unter www.altstadtfreunde-kempten.de  heruntergeladen werden.

Christine Tröger

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