"Zukunftsorientierte Impulse"

Im Altstadtbrief geht es um einige "Sorgenkinder" und viele erfreuliche Entwicklungen in Kempten

+
„Sorge“ bereiten den Altstadtfreunden Gerberstraße und Mühlbachquartier mit ihren Leerständen von Ladengeschäften.

Kempten – „Unsere Stadt ist in Bewegung – Stillstand bedeutet Rückstand, das will keiner.“ Klare Worte, die Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde an das Ende seines Berichts im aktuellen Altstadtbrief setzt.

Dass die Stadt an einigen markanten Ecken nicht in Stillstand verfällt, ist unter anderem dem (manchmal gewagten) Ideenreichtum und der oft schier unermüdlichen Ausdauer der Altstadtfreunde zu verdanken.

Dass es dabei dennoch gelegentlich zu Frust-Momenten kommen kann, wird an Markmillers Anmerkung zum Thema Kronenstraße deutlich, die kurz und deutlich, in Anlehnung an den Sketch „Dinner for One“ ausfällt: „same procedure as last year; same procedure as every year oder anders ausgedrückt: Man sitzt das Thema weiter aus. Viel mehr möchte ich dazu nicht mehr schreiben.“

Aber auch an lobenden Worten spart Markmiller nicht, z.B. für Christa Eichhorst, der „treibenden Kraft hinter diesem grandiosen“ Kempten-Jubiläumsjahr „200 Jahre Doppelstadt“. Ihrer „Leidenschaft und Liebe zum Detail“ sei es zu verdanken, dass alle mit dem „200 Jahre Doppelstadt Fieber“ angesteckt worden seien.

Sorgenkind Mühlbachquartier

Bei aller Freude darüber, dass die schon vor Jahren eingebrachte Anregung, den Norden der Innenstadt „zu einem Quartier des Einkaufens und des Erlebens von Kunst und Kultur entwickeln möge“, bereitet dem Vorsitzenden der Bereich Gerberstraße mit Mühlbachquartier „Sorgen“. Das City-Management sei von der Stadt als Quartiersmanager für das gesamte „Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt“ mit der Belebung beauftragt worden, gefördert über das Bund-Länder-Programm „leben findet innen stadt – aktive Stadt- und Ortsteilzentren“. „Einige Leerstände im Mühlbachquartier lassen vermuten, dass dieses Konzept für die Gerberstraße nicht so richtig aufgeht“, schreibt Markmiller dazu. Bei einem Treffen mit dem City-Management wollen die Altstadtfreunde deshalb ihre bereits gesammelten Belebungs-Ideen diskutieren.

Die temporäre Nutzung der Sparkassenarkaden als Ausstellungs- und Begegnungsort unterschiedlicher Künstler, sieht Markmiller bereits als willkommenen Beitrag zur Belebung der nördlichen Innenstadt. Einen solchen, bereits etablierten Beitrag sieht er auch in der ehemaligen „Münze“ in der Schützenstraße, in der der Verein „artig“ mit seiner Galerie Kunstreich heuer sein zehnjähriges Bestehen feiern kann.

Tourismuspfad

Ein weiteres Anliegen ist der in der letzten Jahreshauptversammlung präsentierte „Tourismuspfad innerhalb der Doppelstadt“, mit dem eines der strategischen Ziele der Stadt, „Kultur und Tourismus fördern“, aufgegriffen werde. „Unser Tourismuspfad beinhaltet die Highlights der Stadtgeschichte“, darunter Alleinstellungsmerkmale wie die Erasmuskapelle, Burghalde, Beginenhaus, Römermuseum und die König-Ludwig-Brücke. Der „enormen Leistung“, die hinter der Sanierung der Brücke stecke, zollte Markmiller explizit seinen Respekt. Besonders bei Tiefbauamtsleiter Markus Wiedemann und seinem Team merke man immer wieder „deutlich, dass dort Menschen tätig sind, die sich mit Herz und Leidenschaft für eine lebenswerte Stadt einsetzen“. Dank richtet er auch an den Haupt- und Finanzausschuss der Stadt, dass sie (wie berichtet nach vorheriger Streichung jeglicher Mittel) am Ende doch noch zumindest 100.000 Euro für die Konzeptentwicklung in den Haushalt 2019 eingestellt haben, um die Begehbarkeit der Brücke für geführte Besichtigungen sicherzustellen.

Zukunftsvisionen

Weitere Zielpunkte auf dem Pfad sollen das Wasserkraftwerk in der Keselstraße sein, die Sheddachhallen sowie der Altstadtpark. Als Ausgangspunkt ist das Zumsteinhaus geplant, von dem aus sich die Touristen durch die nördliche Innenstadt auf den Weg machen und zu deren Belebung beitragen könnten. Damit, dass darüberhinaus ein „Sky-Aufzug“ vom Römermuseum an der Chapuis Villa hinauf zum Archäologischen Park Cambodunum (APC) und weiter via „Sky-Brücke“ zum Engelhaldepark „natürlich außergewöhnliche Ideen“ seien, hat Markmiller kein Problem. Denn „für zukunftsorientierte Impulse sind wir Altstadtfreunde ja bekannt“, immer mit dem Ziel vor Augen, die Attraktivität der Stadt langfristig zu sichern.

Extra Erwähnung im Altstadtbrief findet die Chapuis Villa, die wegen eines möglichen Verkaufs in den letzten Wochen des Vorjahres Wellen geschlagen hatte. „Der Verkauf ist für uns ein absolutes Tabu!“, weist Markmiller auf das strategisch wichtige Grundstück für die Entwicklung der Innenstadt und der Anbindung des Kemptener Ostens mit APC hin. Gegen die aktuell geplante Nutzung als Kindertagesstätte habe man degegen nichts, da das Anwesen so in städtischer Hand bleibe.

Auch die Integration des von den Altstadtfreunden entwickelten, flexibel anpassbaren Illerlehrpfades, auf dem unter anderem das Industriezeitalter in Kempten dokumentiert sein soll, kann sich der Verein gut vorstellen. Wünschenswert sei hierfür aber noch ein „schlagfertiges, außenwirksames Städtemarketing“, damit das ganze den richtigen „Schlanz“ bekomme.

"Mehrwert" beachten

Unter den weiteren Altstadt-Themen ist der Wunsch, dass der Pächterwechsel in der „Summer Bar“ im Restwasserkraftwerk an der Sankt-Mang-Brücke beständige Öffnungszeiten, mindestens an klar definierten Wochentagen bringen möge, und auch, dass die Stadt sich ihrer „Verantwortung für ein attraktives urbanes Leben bewusst“ sein solle, statt ohne Blick auf den „Mehrwert“ anhaltend über die Defizite von Veranstaltungen wie Festwoche, Stadtfest oder Weihnachtsmarkt zu diskutieren.

In fünf weiteren Artikeln greifen unterschiedliche AutorInnen ebenfalls Altstadtthemen auf: Sandra Oberhaus (AÜW) schreibt in „Illerrauschen und mit Freunden plauschen“ über die „Summer Bar“; von Dipl.-Ing. Benno Willburger und Christian Martinsohn (Reischmann) stammt unter dem Titel „Goldenes Fässle: aus dem bauhistorischen Bericht“ ein interessanter Artikel über das „Goldene Fässle“, in dem dessen Geschichte inklusive der Ende 2018 abgeschlossenen Sanierung mit Umbau beschrieben ist; Sozialbau-Chef Herbert Singer steuert in „600 neue Wohnungen für Kempten“ einen Beitrag zum Wohnraum in den Sheddach-Hallen bei; den „Kulturraum Burghalde“ beleuchtet Fanz G. Schröck vom Architekturforum und zum Jubiläum „200 Jahre vereintes Kempten“ gibt es ein Interview mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Projektleiterin Christa Eichhorst.

Der Altstadtbrief liegt an vielen öffentlichen Stellen zur kostenlosen Mitnahme aus. Online ist er ab Anfang Februar abrufbar unter www.altstadtfreunde-kempten.de

Christine Tröger

Auch interessant

Meistgelesen

Auszeichnungen für Kemptens junge Sportler im Stadttheater
Auszeichnungen für Kemptens junge Sportler im Stadttheater
Der Kreisbote Kempten prämiert den schönsten "Schneemann"
Der Kreisbote Kempten prämiert den schönsten "Schneemann"
Winterwunderland Allgäu
Winterwunderland Allgäu
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!
Hallo Kempten! Wir sind die neuen Babys!

Kommentare