Vieles ist getan, viel ist noch zu tun - Jahreshauptversammlung der Kemptener Altstadtfreunde

Verkehrschaos in der Kronenstraße

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Zum Be- und Entladen parken täglich zahlreiche LKWs vor den Geschäften und blockieren die Durchfahrt in der Kronenstraße. Dazu werden die Gehsteige gerne in allen möglichen Varianten beparkt.

Kempten – An Themen mangelte es den Altstadtfreunden in der Jahreshauptversammlung vergangene Woche nicht. Viele davon sind im aktuellen Altstadtbrief zu finden. Über den Altstadt-Neuzugang von der Lebenshilfe, die Büroräume im „Roten Haus“ am Sankt Mang-Platz bezogen hat, freute sich Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde, nicht nur deshalb, weil diese „einen wichtigen Beitrag in unserer Gesellschaft leistet“. Lebenshilfe-Geschäftsführer Alfred Hönicke unterstützt auch das Anliegen der Altstadtfreunde, die Burghalde aufzuwerten, mit einer eigenen Idee: die Burghalde als Inklusionsprojekt.

Dominiert wurde der mit einer Vielzahl an aktuellen Informationen prall gefüllte Abend jedoch vor allem von zwei großen Themen: Gleich drei Punkte hatte Dekan Jörg Dittmar zur St. Mang-Kirche im Gepäck und Baudirektor a.D. Dieter Schade sah Handlungsbedarf angesichts des Verkehrschaos in der Kronenstraße. Bevor Dittmar auf die „drei Baustellen“, die insgesamt mit 1,1 Millionen Euro veranschlagt sind, zu sprechen kam, konnte er freudig verkünden: „Wir haben wieder einen Turmfalken“ und dazu drei Eier in seinem Nest – „das ist der Hammer“. Weniger erfreut zeigte er sich über den langen Riss quer durch die Decke der Südhalle, die die „schönste weil lustigste Fassade Kemptens“ habe und in der „kein Fenster da ist, wo Sie es hintun würden“. Wie berichtet ist der Gebäudetrakt einsturzgefährdet und muss saniert werden.

Im Zuge der Maßnahmen soll das jetzige Provisorium für den Ticketverkauf Erasmuskapelle durch eine gläserne Box ersetzt und ein Kaffeebetrieb durch die Diakonie eingerichtet werden. Ein Problem dabei sei, so Dittmar, dass der durch eine Brandbombe im Jahr 1944 verursachte Brandschaden im Dachstuhl, „unter Denkmalschutz steht“ und bei der Sanierung erhalten bleiben müsse. Die zweite Baustelle: das Geläut der Kirche. Die älteste der drei Glocken stammt aus dem Jahr 1383 und „muss eine schützende Hand gehabt haben“, da sie in keinem der Kriege eingeschmolzen wurde, wie Dittmar meinte. Allerdings sei das Material des Klöppels zu hart für die Glocke gewesen, weshalb diese bereits mehrmals gedreht worden sei, damit er nicht immer auf die gleiche Stelle schlage. Zwar sei inzwischen ein neuer, weicherer Klöppel in Funktion, aber um die Glocke auch für kommende Generationen erhalten zu können, müsse sie saniert werden. Auch eine zweite Glocke aus den 1920er Jahren sei sanierungsbedürftig und könne ebenfalls nicht mehr täglich geschlagen werden. Bliebe also „nur noch eine übrig“ – „St. Lorenz hat sieben“, so Dittmars Hinweis. „Wir wollen natürlich die alten sichern“ und dazu zwei neue Glocken in den alten Glockenstuhl installieren, erklärte er das Vorhaben. Sanierungsbedarf gibt es außerdem für die Orgel, nicht nur wegen des „substanzgefährdenden“ Schimmels – Baustelle drei.

Schluss mit lustig war für Schade was das Fußgänger gefährdende Verkehrschaos in der Kronenstraße betrifft. Die viel frequentierte Straße quert die Altstadt auf circa 600 Metern Länge von Nord nach Süd. Städtische Geschwindigkeitsmessungen in Richtung Norden im Bereich Suttschule hätten gezeigt, dass sich von den eine Woche lang gemessenen rund 17.500 Fahrzeugen 73 Prozent „nicht an die vorgeschriebene Geschwindigkeit von 20 Km/h gehalten haben“, mit Überschreitungen bis zu 65 Km/h. Von ihm selbst durchgeführte Verkehrszählungen und Fotodokumentationen verdeutlichten teilweise chaotische Zustände auf dem Straßenabschnitt zwischen der Unterführung am Pfeilergraben und der Kreuzung Burgstraße/Freudenberg/Kronenstraße/Freudental, in denen es kaum mehr ein Durchkommen gab – weder für Autos noch für Passanten. Die größten „Gefahrenpotentiale“ machte Schade an der nur circa acht Meter breiten „Engstelle der Kronenstraße nördlich des Rathausplatzes“ aus, wo er „zahlreiche Verstöße gegen die Verkehrsordnung“, unter anderem Halten und Parken im verkehrsberuhigten Bereich kritisierte; im Bereich der Zu- und Abfahrt Tiefgarage Galeria Kaufhof sowie an einigen Stellen im Bereich der Suttschule. Mit folgenden Denkanstößen hoffte er auf eine Diskussion von Bürgern, den dort ansässigen Geschäftsleuten und der Stadt, um den Bereich zu beruhigen: Schließen der Unterführung, insbesondere in Nord-Süd-Richtung; Linksabbiegeverbot vom Freudenberg in die Kronenstraße mit Einbau einer Verkehrsinsel sowie eine Einbahnstraßenregelung in Nord-Süd-Richtung für den Abschnitt Theaterstraße/Grünbaumgasse mit Einbau eines Wendeplatzes.

OB Thomas Kiechle kündigte unter anderem eine erste „große Auftaktveranstaltung“ zum Mobilitätskonzept am 19. Mai im Kornhaus an.

Von Christine Tröger

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