Die Kemptener Altstadtfreunde ziehen Jahresbilanz

Der neue Altstadtbrief ist da

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Vereinsvorsitzender Dietmar Markmiller (li.) und Mitglied Dieter Schade, Baudirektor a.D., von den Altstadtfreunden, machen sich schon seit geraumer Zeit Gedanken zur Umgebungsgestaltung der bald sanierten König-Ludwig-Brücke.

Auf 30 Seiten haben die Altstadtfreunde in der aktuellen Ausgabe des Altstadtbriefes einmal mehr ihren kritischen Blick auf das zurückliegende Jahr 2016 mit zahlreichen Aktivitäten des engagierten Vereins geworfen.

In seinem umfangreichen Bericht bezeichnet Vereinsvorsitzender Dietmar Markmiller das Jahr 2016 „als das arbeitsreichste Jahr seit meiner Tätigkeit im Vereinsvorstand der Freunde der Altstadt Kemptens e.V.“.

Da ist einmal das Thema Weihnachtsmarkt und Attraktivitätssteigerung der nördlichen Innenstadt, das sowohl den Altstadt- wie auch den Stiftsstadtfreunden ein Anliegen sei. Es sei wichtig gewesen, die Freitreppe mit einzubeziehen, wie in diesem Jahr geschehen, um die Aufmerksamkeit der Passanten an diesem Knotenpunkt dreier starker Fußgängerströme zu gewinnen. Die Erweiterung durch lediglich zwei Marktstände befindet er allerdings zu dürftig, auch wenn ansässige Unternehmen sonst Umsatzeinbußen befürchten würden. Im kommenden Jahr könnten seines Erachtens beispielsweise Hütten mit geringerer Tiefe Rücken an Rücken mittig in der Rathausstraße verlaufen, so dass „ein Rundweg“ entstehe, der die Passanten auch an den Geschäften direkt vorbeiführe. „Um mit allen Beteiligten eine gute Lösung für die Rathausstraße zu finden“ sollen im 1. Quartal 2017 Gespräche stattfinden.

Reizthema Kronenstraße

Das nicht nur den Altstadtbrief beherrschende Schwerpunktthema aber ist das Verkehrs- problem in der Kronenstraße, dem Dieter Schade, Baudirektor a.D., in einem gesonderten Artikel einen ganzen Katalog mit Lösungsansätzen widmet. Kernpunkte sind (wie mehrfach berichtet) die Gefahrensituationen für Fußgänger besonders während des Weihnachtsmarktes, Lärmpegel durch Motoren und Türenschlagen sowie das tägliche Verkehrschaos, das Markmiller im Gespräch mit dem Kreisboten als „mittlerweile unsäglich“ bezeichnete. Hier müsse die Stadt durch stärkere Kontrollen endlich „eine klare Kante zeigen“, statt sich anhaltend gegen eine wenigstens versuchsweise und zeitlich auf die Abend- und Nachtstunden begrenzte Sperrung des Bereichs oder das Anbringen von Sicherungsmaßnahmen wie zusätzliche Hinweisschilde oder Bodenschwellen zu sträuben. „Es liegt am Unwillen der verantwortlichen Entscheider“, wetterte er mit deutlichem Unverständnis.

Bei aller Kritik auch Lob

„Richtig gut“, kommt der neue Spielplatz auf der Burghalde bei Markmiller im Altstadtbrief weg, wenn er auch eine Gesamtplanung anmahnt. Die dafür in der letzten Jahresversammlung angeregte Bildung einer Arbeitsgruppe sei zwar von OB Kiechle zunächst aufgegriffen, dann aber nicht weiter verfolgt worden.

Uneingeschränktes Lob gibt es vom Vorsitzenden der Altstadtfreunde für das „absolut gelungene“ AÜW-Restwasserkraftwerk an der Kaufbeurer Straße, das AÜW-Chef Michael Lucke in dem eigenen Artikel „Das Kraftwerk mit Iller-Terrassen und Sommerbar“ nochmals aufgreift; weiteres Lob für den neuen Skater-Park und das in diesem Bereich erstmals erfolgreich durchgeführten Jugend-Sommerfestival FRAISUTI; für die zum Schutz der Anwohner in der Füssener Straße wichtige Maßnahme rund um die Bachtelbachverrohrung; für die im kommenden Jahr anstehende Sanierung der König-Ludwig-Brücke mit Umgebungsgestaltung, zu der die Altstadtfreunde zahlreiche Ideen beigesteuert hätten (der Kreisbote berichtete); auch die von der Sozialbau in den letzten Jahren durchgeführten „Sanierungen und Neubauten im großen Stil“ stößt auf uneingeschränktes Wohlwollen und das aktuelle Projekt „Sheddachhalle“, – die Sozialbau plant hier 46 Loft-Wohnungen, die im Herbst 2018 bezugsfertig sein sollen – gibt es sogar ein „Chapeau!“.

Eine gemischte Bilanz zieht Markmiller bezüglich des neu gestalteten Illerstrandes auf Höhe Illerstadion, durch den der Bereich zwar „deutlich an Attraktivität gewonnen“ habe, aber das Thema Müll – wie „generell in den öffentlichen Grünanlagen“ – eine leidige Begleiterscheinung sei. Der Bauhof bemühe sich zwar, „die Leerungsintervalle dem Müllaufkommen anzupassen“, aber bei hoher Frequenz könnten die Mülleimer auch mal überquellen. „Wenn die Mülleimer voll sind, nimmt man seinen Müll wieder mit nach Hause“, lautet deshalb die pragmatische wie einfache Bitte des Vereinsvorsitzenden.

Eine Überraschung habe die Sanierung der Sankt-Mang-Brücke gebracht, die „in absehbarer Zeit durch einen Neubau ersetzt werden muss“. Dafür, dass das Erscheinungsbild der neuen Brücke „zur Silhouette der Altstadt passt“, wollen die Altstadtfreunde Sorge tragen. Auch dafür, dass der Verkauf des Pumpenhauses in der Webergasse „erst einmal vom Tisch ist“, hat der Verein zusammen mit architekturforum allgäu, Heimatverein und Kemptener Bürgern gesorgt. Im nächsten Schritt soll gemeinsam ein Konzept für die Nachnutzung erarbeiten werden. Als Dauerbrenner ist in der aktuellen Ausgabe des Altstadtbriefes einmal mehr das nach wie vor ungelöste Problem der Lärmbelästigung durch das gebrochene – und bei Verkehr lärmintensive – Kopfsteinpflaster in der Bäckerstraße zu finden. Und einen Fünfzeiler hat Markmiller dem im Frühjahr 2016 diskutierten, von einem hiesigen Investor geplanten Hotelturm auf der Keckwiese gewidmet, der zwar „vom Tisch“ sei, aber auch die Frage aufwerfe, „was als Nachfolgebau geplant ist“. In einem eigenen Artikel bedauert Franz Schröck, Geschäftsführer architekturforum allgäu, darüberhinaus, dass die „Gemeinschaftsaufgabe Stadtentwicklung“ durch den Hotelturm-Plan nur kurz in den Fokus gerückt sei und erinnert erneut an „Stadtbild und Stadtlandschaft“, ein 1977 unter dem damaligen OB Dr. Josef Höß von der Obersten Baubehörde und dem Bundesbauministerium herausgegebenes Grundlagenwerk, das auch heute noch eine Betrachtung lohne. Auch sieht er es als sinnvoller die aus personellen Gründen derzeit beim Amt für Wirtschaft angesiedelten Aufgaben zur Stadtentwicklung zum Stadtplanungsamt zu verlagern und mahnt: eine „vernachlässigte Stadtentwicklung“ sei auf dem ehemaligen Brauhausgelände sichtbar.

Das „letzte Wort“ im Heft haben, wie immer, die Stiftsstadtfreunde. In ihrem Gastbeitrag nennt Vorsitzende Ilse Roßmanith-Mitterer unter anderem die Neuplanung der Sparkassen-Tiefgarage, die Neugestaltungs-Planungen des Stadtparks, Parkplatz-Probleme in der nördlichen Innenstadt oder die Umgestaltung der Museumslandschaft als Themen, die ihren Verein bewegt hätten, wie auch die kurz vor Weihnachten erstmalige und erfolgreiche Durchführung des „Adventsmarkt der Kunsthandwerker“ auf dem Hildegardplatz.

Den Altstadtbrief 2016 gibt es an vielen öffentlichen Stellen zum Mitnehmen und ab Ende Januar auch als Download unter www.altstadtfreunde-kempten.de. 

Christine Tröger

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