Altstadtfreunde legen erneut den Finger in die Wunden der Altstadt

Nur wenig Verständnis

+
Großes Lob hat Dietmar Markmiller, Vorsitzender der Altstadtfreunde, für den Hildegardplatz, auch wenn er zum „Revier“ der Stiftstadtfreunde gehört. Auf den neuen Sitzstufen am Kirchhügel sprach er mit dem Kreisboten über den aktuellen Kemptener Altstadtbrief.

Kempten – Sie setzen sich ein für den Erhalt der König-Ludwig-Brücke, das Projekt „Iller erleben“, die Aufwertung der Burghalde und vieles mehr – in ihrem jetzt zum Jahreswechsel erschienenen Altstadtbrief weisen die Altstadtfreunde auf die wunden Punkte in der Entwicklung ihres Stadtviertels hin.

Nur ein Kopfschütteln hat Vorsitzender Dietmar Markmiller beispielsweise für die ursprünglichen Abrisspläne der Stadtverwaltung für die Sheddachhalle, was letztendlich nur durch Einschreiten der Altstadtfreunde verhindert worden sei. Die Einbettung in ein sinnvolles Gesamtkonzept sei allerdings zuvor schon durch die Wohnbebauung an der Keselstraße verhindert worden. Reichlich Kritik üben die Altstadtfreunde an ihrem anhaltend großen Thema „Iller erleben“, das laut Altstadtbrief bislang einzig mit den Sitzstufen am Illerufer im Altstadtpark punkten kann. Abschluss der Maßnahme soll im Frühjahr 2015 sein. 

Dass die Umsetzung des Cafés komplett abgeblasen wurde, das ursprünglich auf dem vom AÜW geplanten Restwasserkraftwerk an der St.-Mangbrücke hätte entstehen sollen, ist für Markmiller noch nicht der Weisheit letzter Schluss. Die wegen der dort ansässigen Fledermauskolonie deutlich kleiner verfügbare Fläche sollte lieber Anstoß sein, über eine „abgespeckte Version“ nachzudenken. „Das Areal muss so gebaut und geplant werden, dass später auch eine Nutzung als Café oder ähnliches möglich wäre“, will er im Gespräch mit dem Kreisboten eine spätere Chance, den attraktiven Ort mit Leben zu füllen, nicht so ohne weiteres ad acta legen. 

 "Durchaus möglich" 

Gleiches gilt für die stehende Welle, die, so Markmiller, laut Prof. Dr. Ing. Markus Aufleger von der TU Innsbruck „durchaus möglich ist“. Damit die Kosten nicht aus dem Ruder laufen, warte man nun auf ein Angebot für eine Machbarkeitsstudie. „Bis zu einem niedrigen fünfstelligen Betrag würde ich sie empfehlen, um zu wissen, was das gesamte Projekt kosten würde und ob es realisierbar sein könnte“. Parallel dazu müsse man sich aber auch Gedanken machen, „wer die stehende Welle betreibt“, sprach Markmiller noch ungeklärte Punkte wie Haftung, Betriebsorganisation oder Finanzierung an. Und um der Diskussion um den Iller-Seitenarm mit oder ohne stehende Welle ein Ende zu setzen, stellte er klar: „Seitenarm geht ohne stehende Welle – stehende Welle geht nicht ohne Seitenarm.“ 

 Ebenfalls ein großes Thema der Altstadtfreunde ist die Burghalde, wo vergangenen Sommer Dank ihrer Hilfe erstmals durch Paten finanzierte Schafe als lebende Rasenmäher den Sommer auf dem Hügel verbrachten. Nun soll dem Dämmerschlaf des Kleinods weiter zu Leibe gerückt werden. „Wir haben uns professionelle Hilfe in Form von Städteplanern ins Boot geholt“, kündigt der Vereinsvorsitzende an, erste Ergebnisse bis zum Frühjahr zur Diskussion stellen zu können. Auf professionelle Unterstützung hofft der Verein auch hinsichtlich des Vorschlags des CSU-Fraktionsvorsitzenden Erwin Hagenmaier, die König-Ludwig-Brücke zu entfernen statt in den Erhalt zu investieren. Deshalb habe man an die Ingenieurskammer geschrieben und warte nun auf Antwort, so Markmiller. „Schließlich wurde das Bauwerk als historisches Wahrzeichen deutscher Ingenieurskunst ausgezeichnet und war auch beim Tag des offenen Denkmals 2012 zum Thema Holz zu besichtigen“. 

 Gegen Sparkurs 

Kein Verständnis zeigt er auch für die Pläne der Stadtverwaltung, das Defizit der Erasmuskapelle durch Reduzierung der Personalkosten kompensieren zu wollen. „Es kann nicht angehen, dass das am zweitbesten besuchte Zugpferd unter den musealen Einrichtungen jetzt dem Rotstift unterworfen wird“, ereiferte sich der Vorsitzende, zumal dort fast ausschließlich ehrenamtlich gearbeitet werde. 

Aber auch an erfreulichen Beispielen für eine gelungene Entwicklung in der Kemptener Altstadt wird im Altstadtbrief nicht gespart: sei es die erfolgreiche Sanierung des Künstlerhauses durch die Sozialbau Kempten, die Galerie Kunstreich, die Fertigstellung der Kindertagesstätte Oberlinhaus, die einen enorm hohen Wert für die Zukunftsfähigkeit der Kemptener Altstadt darstelle, der „Meilenstein“ in der Nahversorgung durch das Altstadtcenter oder auch die nun verbesserte Beleuchtung im Boleitestäffele.

Christine Tröger

Meistgelesen

Shawn James im "mySkylounge"
Shawn James im "mySkylounge"
EEG ein "teurer Irrweg!"
EEG ein "teurer Irrweg!"
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Babys der Woche im Klinikum Kempten
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei
Schüsse im Wald führen zu Großeinsatz der Polizei

Kommentare