Rege Diskussion

Planungsalternativen erarbeiten

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So könnte Altusrieds Ortskern östlich der Hauptstraße nach den aktuellen Plänen des Investors bald aussehen.

Altusried – Die Innerortsentwicklung in Altusried ist seit Jahren ein brisantes Thema, das die Gemüter erhitzt und, wie im Fall des vor zwei Jahren per Bürgerentscheid verhinderten Lebensmittelmarktes im Dorfpark, Gräben aufwirft. Jetzt steht das Thema Ortskerngestaltung erneut auf der Agenda.

Es geht um das „große Loch von Altusried“. Die ursprünglichen Pläne des ortsansässigen privaten Investors Hans Jörg Welsing, auf dem Gelände an der Hauptstraße ein Wohn- und Geschäftshaus mit Apotheke, Arztpraxen und 13 Wohneinheiten zu bauen, wurden nie umgesetzt. Das Baurecht hierfür erlischt dieser Tage. Die überarbeitete und bis heute gültige Planung sieht den Abriss der Gärtnerei Walker sowie zweier Doppelhäuser auf dem Areal vor. Auf der so erweiterten Fläche sollen neben einem Ärzte- und Geschäftshaus auch ein großer Feneberg-Markt samt Blumenladen und Café sowie Parklätzen errichtet werden. Die Belieferung der Firma Feneberg würde über die Rathausstraße erfolgen. Der letzte Marktgemeinderat hatte diesen Plänen mit großer Mehrheit zugestimmt.

Nach einer vor kurzem erfolgten nichtöffentlichen Vorbesprechung des Themas, in der die elf neuen Mitglieder des Gremiums über den Sachstand in Kenntnis gesetzt wurden, stand das Vorhaben in der jüngsten Gemeinderatssitzung erneut zur Debatte. Hier sollte entschieden werden, ob dieses vorangetrieben oder ad acta gelegt wird. Neue Brisanz erhielt das Thema durch die erst vor kurzem aufgekommene – und von der Bevölkerung teils heftig kritisierte – Überlegung, ob die Gemeinde selbst als Mitinvestor auftreten solle. Welsing habe angefragt, ob eine Möglichkeit hierzu bestünde. Dieses Anliegen habe er aufgegriffen, erläuterte Bürgermeister Joachim Konrad (CSU) das Zustandekommen dieser Idee.

In der gut einstündigen regen Diskussion zeigte sich zum einen der große Klärungsbedarf und die Unsicherheit hinsichtlich der möglichen Konsequenzen der abendlichen Abstimmung, zum anderen aber auch der grundsätzliche Konsens über die Notwendigkeit einer Baumaßnahme. Überaus deutlich kristallisierten sich zwei Knackpunkte des Projektes heraus: Die geplante Zulieferungszufahrt über die enge Rathausstraße wurde von fast allen Gemeinderäten als gefährlich und in dieser Form nicht umsetz- und vertretbar angesehen. Zudem äußerten viele starke Bedenken gegen ein finanzielles Engagement der Gemeinde, zumal aktuell weder die zu erwartenden Kosten bekannt seien, noch Modelle über einen möglichen Rückfluss der Gelder an die Gemeinde existierten. Der Rathauschef betonte, er habe Verständnis für beide Positionen, appellierte aber auch, man dürfe „nicht jedes Projekt zerreden und ablehnen, weil wir damit in Zukunft Investoren abschrecken“.

Mehrfach wurde der Wunsch geäußert, anstelle eines Einzelprojektes, gegen das einige Bedenken vorliegen, lieber eine Gesamtlösung für den ganzen Ortskern zu erarbeiten. Mit einem solchen Gesamtkonzept werde man sich auf jeden Fall in den kommenden Jahren beschäftigen, versprach Konrad. Aktuell gehe es aber nunmal um das vorliegende Einzelprojekt, bei dem immerhin die Grundstücksfragen geklärt seien und bei dem ein Investor bereit stehe, der kurzfristig aktiv werden wolle. Angesichts der bereits erfolgten Zustimmung wäre es diesem gegenüber „äußerst unfair“, das Projekt gänzlich zu stoppen, so seine Meinung, der sich einige Räte anschlossen. Schließlich habe Welsing „schon eine Menge Geld für die Planungen in die Hand genommen.“

Matthias Brack (FW) regte an, zunächst alle Problempunkte zusammenzufassen, zu prüfen und mit aussagekräftigen Zahlen und Fakten zu unterlegen. „Erst dann haben wir eine fundierte Basis, auf der wir entscheiden können. Wenn wir das Projekt an diesem Punkt einstampfen, wirft uns das sehr weit zurück.“ Wie Konrad darlegte, bestünde die Möglichkeit, im Rahmen der Städte- bauförderung durch eines von mehreren von der Regierung von Schwaben vorgeschlagenen Planungsbüros – unter Einbeziehung des Investors und der Kommune – vollkommen neue Planungsalternativen erarbeiten zu lassen. Die Gemeinde müsste 40 Prozent der Kosten hierfür tragen. (Die bisherigen Planungskosten hat der Investor allein getragen.) Dies biete die Chance, gemeinsam und ergebnisoffen eine Neuplanung zu entwickeln.

„Erst wenn die genauen Planungskosten feststehen, müssen wir entscheiden, ob uns das die 40 Prozent überhaupt wert ist.“ Sollten die bestehenden Bedenken auch bei den Alternativplanungen nicht ausge- räumt werden können, könne der Gemeinderat das Projekt immer noch stoppen. Über die erkennbar umstrittene Mitfinanzierung durch die Gemeinde werde zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht entschieden, stellte er klar. Jetzt gehe es einzig darum, ob man dieses Einzelprojekt überhaupt weiterverfolgen wolle. „Wenn die Stimmung so bleibt, kann es auch so aussehen, dass eine Mitfinanzierung nicht erfolgen wird.“ Für diesen Fall habe die Familie Walker signalisiert, „sich Alternativen zu überlegen. Hans Jörg Welsing weiß noch nicht, was er dann tut.“

In der Abstimmung nahm der Marktgemeinderat Konrads Beschlussvorschlag (siehe unten) mit nur zwei Gegenstimmen an. Mit ersten neuen Diskussionsgrundlagen ist voraussichtlich im Dezember oder Januar zu rechnen.

Der Beschluss:

Auf dem Gelände der ehemaligen Alte Postwirtschaft soll ein Ärzte- und Geschäftshaus entstehen, gleichzeitig soll auf dem Gelände der Gärtnerei Walker ein Lebensmittelgeschäft mit Blumenladen und Café gebaut wer- den. Der Marktgemeinderat begrüßt diese Pläne sehr. Bedenken bestehen hinsichtlich der in der vorliegenden Planung vorgesehenen Zufahrten und einer möglichen finanziellen Beteiligung am Projekt seitens der Marktgemeinde Altusried. Der MGR nimmt deshalb das Angebot der Regierung von Schwaben an, im Rahmen der Städtebauförderung Planungsalternativen an diesem Standort erarbeiten zu lassen.

Sabine Stodal

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