Winterwandern naturverträglich

Am Grünten gibt es nun Routen für Schneeschuhwanderer, die Mensch wie Wildtiere erfreuen

Diese Beschilderung sollte beim naturverträglichen Winterwandern und Skibergsteigen beachtet werden.
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Diese Beschilderung sollte beim naturverträglichen Winterwandern und Skibergsteigen beachtet werden.

Wertach/Rettenberg – Viele Naturfreunde hoffen gerade auf kühle Temperaturen und erneute Schneefälle, damit sie ihre Schneeschuhe herausholen und auf Tour den winterlichen Bergwald genießen können. Benutzen Tourengeher aber nicht die vorhandenen Wege, leidet die Natur. Am Grünten wurden nun Routen geschaffen, die für den Wanderer interessant sind und für das Wild nicht zur Gefahr werden.

Der Große Wald zwischen Grünten und Wertacher Hörnle war über lange Zeit im Winter kaum begangen. Für Skitourengänger ist das weitläufige, flach hügelige Gelände unattraktiv. Der Grünten wird mit Ski von Kranzegg und das Wertacher Hörnle von Unterjoch aus begangen. Somit hatten dieses Waldgebiet und die darin überwinternden Wildtiere ihre notwendige Ruhe.

Durch das boomende Schneeschuhwandern hat sich das in den letzten Wintern stark verändert. „Das Gelände im Großen Wald ist durchaus für diese Wintersportart geeignet und somit nimmt die winterliche Frequentierung stetig zu“, berichtet der hier zuständige Staatswaldförster Rainer Ruf. „Die Schneeschuhgänger laufen in der verschneiten Landschaft leider gerne querfeldein und nicht auf den vorhandenen Wegen. Die Anlage einer eigenen Spur im Tiefschnee reizt wohl mehr, als der ausgetretene Trampelpfad“, ergänzt Josef Schmöger, verantwortlicher Jäger im südlichen Rettenberger Jagdrevier. 

Dieser Trend bereitet den Verantwortlichen für Wald und Wild Sorgen. Dazu Sonthofens Staatsforsten-Chef Jann Oetting: „Die Überwinterungsstrategie von Wildtieren ist, den Energiebedarf und die hierzu notwendige Nahrungsaufnahme durch viel Ruhe und wenig Bewegung stark herunter zu fahren. Werden sie zum Beispiel durch Winterwanderer – meist ungewollt – gestört, flüchten sie. Der erhöhte Energiebedarf muss durch verstärkte Nahrungsaufnahme ausgeglichen werden. Finden solche Störungen im Winter gerade bei tiefen Temperaturen häufiger statt, kann es sein, dass der erhöhte Energiebedarf nicht ausgeglichen werden kann und diese Wildtiere den Winter nicht überleben.“

Ein wesentlicher Nahrungsbestandteil von Rehen, Hirschen und Gemsen im Winter sind Knospen von jungen Bäumen, bevorzugt von Weißtanne und Laubholz. Kommt es zu Störungen, leiden nicht nur die Wildtiere, sondern auch der Wald.

Förster und Jäger wollen und können das freie Betreten der Natur nicht verbieten. Deshalb haben sich Josef Schmöger und Rainer Ruf gemeinsam mit Tanja Oswald und Yvonne Rädler von der Touristinfo Rettenberg Gedanken gemacht, wie das Schneeschuhwandern im Großen Wald Richtung Grünten in geordnete Bahnen gelenkt werden kann. Ausgehend vom Wanderparkplatz am Königsträßchen wurden Routen auf bestehenden Alp- und Wanderwegen gelegt, die sowohl zum Schneeschuhwandern interessant und auch naturverträglich sind. Diese Routen wurden im Gelände mit grünen Tafeln „Natürlich auf Tour“ beschildert, an denen sich die Schneeschuhgänger orientieren können. Bei der Auswahl der Routen mussten auch Sicherheits- und Haftungsaspekte berücksichtigt werden. Förster Rainer Ruf: „Eine Tour scheidet zum Beispiel aus, weil eine Fußgängerbrücke über einen Bach im Winter nicht kontrolliert und verkehrssicher gehalten werden kann.“

Die Erfahrung aus dem letzten Winter zeigt, dass sich viele Winterwanderer an die Beschilderung halten und durchaus Verständnis für die Belange von Wild und Wald zeigen. Mit den Projekten „Natürlich auf Tour“ vom DAV, oder auch „Dein Freiraum. Mein Lebensraum.“ vom Naturpark Nagelfluhkette wurden schon positive Erfahrungen gesammelt. An gelenkte Störungen kann sich das Wild anpassen oder ausweichen. „Aber nur, wenn sie bei Tageslicht stattfinden. Auf Winterwanderer und Skitourengänger im Dunkeln oder auch bei Mondschein, oft mit grellen Stirnlampen, reagieren Wildtiere äußerst empfindlich. Das sollte jeder Naturfreund nach dem Motto Leben und leben lassen tunlichst vermeiden“, weißt Forstbetriebsleiter Oetting hin.

kb

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