Gedenkfeier

Ehemaliges KZ-Außenlager Kempten

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Erinnerten an die Häftlinge des Dachauer KZ-Außenlagers Kempten, die von August 1943 bis April 1945 für die Rüstungsproduktion arbeiten mussten (von links): Bürgermeister Josef Mayr sowie Rene Gianino, Jean-Francois Ducret und Walter Bassan von „Amicale des Anciens de Kempten-Kottern“.

Kempten – 70 Jahre nach dem Ende der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten besuchten ehemalige Häftlinge und Angehörige die Außenlager des Konzentrations- lagers Dachau in Kempten und Kottern.

Auf ihrer Fahrt zur Gedenkfeier anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des KZ Dachaus am 3. Mai machte die Reisegruppe aus Frankreich halt an der Tierzuchthalle in Kempten.

Dachau – dieser Ort wird auf immer und ewig mit dem Terrorregime der Nationalsozialisten und deren menschenver- achtenden Ideologie verbunden sein. 200.000 Häftlinge waren dort zwischen 1933 und 1945 inhaftiert. Ob Kommunalpolitiker, sozialdemokratischer Landtagsabgeordneter, kommunistischer Reichstagsabgeordneter, Schriftsteller, Journalist, Musiker, Adeliger oder Theologe – Alle, die dem NS-Regime im Wege standen, wurden aus dem Weg geräumt. Der Internationale Suchdienst (IST) hat 32.000 Todesopfer dokumentiert. Ohne die Häftlinge, die auf den Todesmärschen im April 1945 umkamen und ohne die Häftlinge, die in den Außenlagern umkamen. Zu diesen Außenlagern des KZ Dachaus zählten auch die Lager in Kempten und Kottern. Zwei von 197 Außenlagern. Angesichts dieser hohen Zahlen erscheint es geradezu absurd, dass viele Deutsche nach 1945 Nichts von den Verbrechen gewusst haben wollten.

Im Sommer 1943 wurden etwa 100 Häftlinge aus dem Konzentrationslager Dachau nach Kempten verlegt. Sie mussten die Textilmaschinen in der ehemaligen Spinnerei und Weberei Kempten abbauen, um Platz für den Rüstungsbetrieb Sachse KG zu schaffen. Während die Zwangsarbeiter direkt neben den Produktionsanlagen in einem Teil der Sheddachhalle untergebracht waren, verbrachten die französischen KZ-Häftlinge die Nächte in der nahegelegenen Tierzuchthalle (heute Allgäu-Halle). Im Zentrum der Halle waren die hölzernen Stockbetten aufgestellt, umgeben von Bänken und Tischen. Entlang eines Rundgangs überwachten Tag und Nacht Wachmannschaften aus abkommandierten Luftwaffenangehörigen die Häftlinge. Zwei dieser französischen KZ-Häftlinge, Rene Gianino und Walter Bassan, besuchten in diesen Tagen die Orte ihrer Gefangenschaft und legten zusammen mit Kemptens Bürgermeister Josef Mayr einen Blumenkranz nieder – in Erinnerung an die Toten, zur Mahnung an die Lebenden und in der Hoffnung, dass zukünftige Generationen nie wieder derartige Verbrechen zulassen mögen.

Wenn es um die Kultur des Erinnerns geht, dann hat man sich in Kempten auffallend ruhig verhalten: Erst 1995 wurde auf Initiative des Kemptener Allgäu Gymnasiums ein Gedenkstein an der Weidacher Kirche aufgestellt. Auf dem Gelände des damaligen Rüstungsbetriebs Messerschmitt, der späteren Spinnerei und Weberei Kottern, war ein solches Gedenken unerwünscht. Fünf Jahre zuvor behauptete der damalige Kemptener Oberbürgermeister, dass es in und um Kempten keine Zwangsarbeiter gegeben habe – ganz im Widerspruch zu den Recherchen der Mitarbeiter des Kemptener Stadtarchivs. Auch die Gedenktafeln an der Allgäu-Halle sind nicht auf Initiative der Stadt Kempten angebracht worden – erst das Angebot der „Amicale des Anciens de Kempten-Kottern“, die Kosten für die Gedenktafeln zu übernehmen, sorgte für den notwendigen Druck auf die Verantwortlichen der Stadt Kempten um im Jahr 1999 endlich anzuerkennen, dass Kempten mit den Außenlagern des KZ-Dachaus Teil des nationalsozialistischen Kriegs- und Terror- regimes war.

Michael Schropp

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