Fettgeruch, Parknot und Bauprojekte beschäftigen die Stiftsstadtfreunde

Themen bewegen die Gemüter

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Dieter Schade, Baudirektor a.D., hat die Sichtachsen von der Zumsteinwiese auf Fotomontagen mit einem möglichen Bibliotheksgebäude versehen.

Es dürfte bei dem großen Interesse an der Jahreshauptversammlung der Stiftsstadtfreunde wohl kaum einem der rund 60 Anwesenden darum gegangen sein zu erfahren, dass der Verein aktuell 111 Mitglieder zählt.

Dass die Vorsitzende Ilse Roßmanith-Mitterer beim Blick in das proppenvolle Nebenzimmer im Meckatzer-Bräu Engel ein „wegen Überfüllung geschlossen“ schmunzeln konnte hatte eindeutig, mit vor allem drei, die Gemüter bewegenden, Punkten auf der Agenda zu tun.

Zur Bebauung der Zumsteinwiese

Bevor OB Thomas Kiechle das Wort für ein regelrechtes Plädoyer ergriff, wies Roßmanith-Mitterer darauf hin, dass die Zumsteinwiese „für städtebauliche Überlegungen eine sehr sehr wichtige Stelle“ sei und es bislang in Zusammenhang mit der „Knochentheorie“ immer geheißen habe, dass man in der Stiftsstadt mit den historischen Gebäuden punkten müsse.

Unter den vielen Projekten seit seinem Amtsantritt vor drei Jahren, habe er 2015 den Stadtpark „ins Spiel gebracht“, zunächst mit der Vorstellung, „ihn in seiner historischen Bedeutung zu überplanen“; dann sei das Thema Sparkassen-Tiefgarage dazu gekommen und schließlich der Gestaltungsbeirat mit seinem Vorstoß für ein „Pendant“ zum neuen Sparkassen-Gebäude, rekapitulierte Kiechle kurz. Mit dem Stadtpark habe das allerdings „gar nichts zu tun“, sondern mit der Zumsteinwiese, wollte er eine klare Trennung. Da es sich dabei um einen „hochöffentlichen Raum“ handle, müsse auch die Nutzung eines möglichen Gebäudes „das Höchstmaß an Öffentlichkeit wiederspiegeln“ und da sei die aus allen Nähten platzende Bibliothek naheliegend. Generell warb er dafür, beim Stadtpark „vorausblickend“ zu planen und „nicht zu kurz“ zu greifen, sondern auch die Bereiche Schwaigwiesschule, Königsplatz sowie die Ausweichquartiere der Sparkasse an der Königsstraße mit einzubeziehen. Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbs sollen Möglichkeiten aufzeigen, aber „niemand ist mit solch einem Bauwerk verheiratet, auch ich nicht“, hob er deutlich hervor, dass es sich um ein „absolut offenes Thema“ handle, für das es eine politische, was heiße „öffentliche“, Entscheidung geben werde.

Lediglich einen Befürworter fand die Idee unter den Wortmeldungen am Ende der Diskussion in Dr. Gerhard Weber, der es für eine „gute Idee“ hielt, „an dieser Stelle eine Bibliothek für die Zukunft zu bauen“. Dieter Schade, Baudirektor a.D., hatte sich ausgiebig mit dem Thema befasst und Fotomontagen mitgebracht, auf denen die verschiedenen Sichtachsen durch das Gebäude „zerstört“ zu sehen waren. Er kritisierte, dass schon beim Bau des Sparkassengebäudes „wir zwar informiert wurden“, die Planungen aber bereits fertig gewesen seien und nun ein „Pendant“ dazu entstehen solle, 30 x 30 Meter, vier Geschosse für rund 3000 Quadratmeter Fläche. „An dieser Stelle nicht“, so sein Fazit, lediglich ein „niedriges Gebäude“ begrenzt auf das Erdgeschoss statt der jetzt „unsäglichen“ Tiefgaragenabfahrt. Baureferent Tim Koemstedt wies darauf hin, dass auch das alte Sparkassengebäude „Dominanz gehabt hat“ und die jetzige Tiefgaragenabfahrt in die Zumsteinwiese eingreife. Zudem sei die Bepflanzung „weder historisch noch prägend“.

Dr. Wolfgang Petz, der sich nach eigenem Bekunden tiefer mit dem Zumsteinhaus und seiner Historie befasst hat, brachte die auf die Fassade angelegte bauliche Qualität ins Spiel, der das Gebäude seine „Wirkung verdankt“. Eine Besonderheit sei, dass sich die Bauherren vom Fürstabt die Nicht-Verstellbarkeit der durch vierseitige Offenheit erzielten „Sichtwirkung“ schon damals hätten zusichern lassen. Um die „Problematik“ Zumsteinwiese und Orangerie „vom Tisch“ zu wischen brachte Dr. Wilhelm Vachenauer als Alternative ins Spiel, die von der vhs genutzte und zu klein gewordene Schwaigwiesschule abzureißen und unter Einbeziehung des dortigen Parkplatzes ein Gemeinschaftsgebäude für vhs und Bibliothek zu errichten. Dafür gab es sogar Applaus. Unverständnis zeigte ein Teilnehmer darüber, dass das „hässliche“ Gebäude der Sparkasse, bei dem die traditionelle Allgäuer Bauweise „natürlich voll befolgt wurde“, wie er ironisch kund tat, auch noch ein Pendant brauche. „Veränderung ist gut, aber bitte mit Augenmaß“, forderte er. Von „Magenweh“ sprach Hannes Wegscheider vom Residenz-Café, wenn er das Sparkassen-Gebäude anschaue und befürchtete einen „Hofcharakter“, wenn ein zweites hinzukomme.

Lösungen für Parknot?

Mit einer nochmals neuen Variante zur Entspannung der Parkplatz-Situation in der Stiftsstadt überraschte Sozialbau-Chef Herbert Singer. Als Möglichkeiten bereits diskutiert werden bekanntlich der Bau eines Parkhauses durch Investor Roger Probst an der Prälat-Götz-Straße sowie der eines Parkhauses an der Rottachstraße durch die Stadt. Neu ins Spiel brachte Singer nun die von Vielen bislang kaum wahrgenommene, in letzter Zeit aber wegen ihres Sanierungsbedarfs zumindest bei städtischen Gremien präsente Tiefgarage am Marstall, bei der er „Potential“ sehe. Wie berichtet steht hier eine größere Sanierung an, die zu gleichen Teilen von der Sozialbau und der Stadt Kempten getragen werden muss. Durch eine künftig öffentliche statt privaten Nutzung, biete sich „eine große Chance einen Teil des Parkplatz-Problems in der nördlichen Innenstadt zu lösen“, meinte er. Die nächsten Monate soll zunächst untersucht werden, was machbar sein könnte. Zwingend ist für den Sozialbau-Chef schon jetzt, dass die Abfahrt zur Memminger Straße verlegt werden müsste.

Stiftsstädter Manfred Adamer berichtete von seinen Beobachtungen anderer Tiefgaragen anhand des Parkleitsystems und regelmäßig freien Kapazitäten im insgesamt vierstelligen Bereich. „Entweder haben es die Leute nicht kapiert, oder die Kemptener wollen keine Tiefgarage“, nannte er ein Problem beim Namen. Dem möchte Singer vorbeugen und wie bei der Tiefgarage in der Altstadt, die „sehr gut angenommen wird“, dafür sorgen, dass sie zumindest so weit möglich ebenfalls „sehr hell“ werde. Probst konnte sich „nicht vorstellen“ dass es durch Singers Vorhaben für die Gastronomie in diesem Gebiet zu einer „Entspannung kommt“, weshalb es möglicherweise abgespeckt eine „zweite Lösung“ brauche. Die sah er mit Betonung auf einem „Miteinander“ an der Prälat-Götz-Straße.

Einig waren sich alle, dass Lösungen im Rahmen des Mobilitätskonzeptes 2030 gesehen werden müssen. Kiechle sprach von einer „Quartierslösung“ und stellte klar, dass auch ein Parkhaus an der Prälat-Götz-Straße im städtebaulichen Kontext gesehen werden müsse. Ein hohes Gebäude „mit hässlicher Fassade“ sei sicher keine Lösung. Er vertröstete die Anwesenden noch ein halbes Jahr zu warten. Dann sollen die derzeit laufenden Ermittlungen zur Parksituation Aufschluss geben, auch bezüglich der Rottachstraße.

Gute Nachrichten zum Weiterbetrieb des „Haus Hochland“, dessen derzeitiger Pächter, wie berichtet, zum 1. September 2017 aufhören wird: Hier werde es einen „nahtlosen Übergang geben“, so Singer. Namen wollte er allerdings noch keinen nennen.

Stunk mit Ex-"Löwen"

So sehr man sich darüber gefreut habe, dass nach der Schließung des Gasthaus „Löwen“ im Reiserweg dort wieder Gastronomie einziehen würde, auch wenn nur in Form eines Lieferservices – mit der Freude ist es bei den Nachbarn innerhalb des Geruchsradius vorbei. „315 Gerichte in Fett gebraten“ sei ein „Gewerbe und keine Gastronomie“ sprach Dr. Gerhard Weber, direkter Nachbar, stellvertretend für eine Reihe von Anliegern, die sich deshalb bereits schriftlich an die Stadt gewandt haben. „Fett läuft an der Wand runter“, obwohl Teile des Hauses denkmalgeschützt seien, der „Reiserweg ist versifft“ und auch der Lärm der Lieferfahrzeuge von morgens 11 Uhr bis nachts um drei Uhr beeinträchtigt die Menschen, wie mehrere Wortmeldungen offenbarten. Der Geruch sei sogar noch in den Zimmern des „Gästehaus Stiftsstadt“ in der Herbststraße wahrnehmbar, beschwerte sich dessen Inhaberin.

Für die Menschen im Umfeld des ehemaligen „Löwen“ bedeutet das unter anderem die Fenster geschlossen halten, da der Küchengeruch den Geschmacksnerv der Betroffenen ganz offensichtlich bei keinem der vielen Speisen zu treffen vermag. „Zu ‚Löwen’-Zeiten hat man Hunger bekommen“, wenn gekocht worden sei, wies eine Anwohnerin auf den Unterschied hin. Klaus Knoll, Wirt des Meckatzer-Bräu-Engel, gestand, vor 15 Jahren „das gleiche Problem“ gehabt, durch Einbau eines Filters aber für ein wieder gutes Miteinander in der Nachbarschaft gesorgt zu haben. OB Kiechle und Baureferent Koemstedt sehen beim Filter und gegebenenfalls auch beim Denkmalschutz Ansatzpunkte. Als Eigentümer der zweiten Haushälfte will sich auch Probst mit Michael Ulmer, dem der Teil mit der Gaststätte gehört, ins Benehmen setzen und „die Kuh vom Eis bringen“.  Christine Tröger

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