Einst "Koordinationsbüro" jetzt "Servicestelle"

20 Jahre "Frau und Beruf"

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Der angeregte Austausch ließ Zeit für ein Damen-Gruppenbild mit Herr: (v.l.): Marianne Dobriwitsch-Schubert (HP für Psychotherapie, F&B-Seminare zum Thema Netzwerktreffen), Rita Schulze (Sachbearbeiterin Gleichstellungsstelle, Abrechnung der EU Mittel), Theresia Wildegger (ehemals Agentur für Arbeit), Yvonne Keller (KeY Consulting, Mentaltraining), Patricia Mühlebach (Dipl. -Betriebswirtin FH, F&B-Mitarbeiterin für Wiedereinstieg), Sabine Blessing (Leiterin Stabsstelle Verwaltungsmodernisierung, Gleichstellungsbeauftragte, Geschäftsführung bei F&B), Sabine Kohl (Dipl.-Betriebswirtin FH, F&B-Mitarbeiterin für Existenzgründung), OB Thomas Kiechle, Illona Authried (Gleichstellungsbeauftragte Landratsamt Oberallgäu), Simone Oßwald (SO Training und Coaching, Seminare zu persönlicher Entwicklung), Heike Krautloher (Gleichstellungsbeauftragte Landratsamt Ostallgäu), Johanna Hartmann (Theaterlabor, Seminare im Bereich Persönlichkeitsentwicklung).

Ein Thema, „das heute wie damals unverzichtbar ist“, begrüßte OB Thomas Kiechle die kleine, rein weibliche Runde, die sich anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der „Servicestelle Frau und Beruf“ (F&B) in der Schrannenhalle des Kemptener Rathauses eingefunden hatte.

Im März 1997 wurde das damals „Koordinationsbüro Frau und Beruf“ als Arbeitsmarktprojekt ins Leben gerufen, zunächst für die Bereiche Kempten und das Oberallgäu, später kam noch das Ostallgäu zur Kooperationsgemeinschaft dazu. In das gleiche Jahr fiel unter anderem der Baubeginn des Gründerzentrums „Cometa“; das Sozialamt verzeichnete „eine hohe Ausgabensteigerung, die insbesondere zurückzuführen ist auf die ständig steigenden Arbeitslosenzahlen“; eine Anfrage auf das Volksbegehren „Gleiches Recht – auch für Bayerns Frauen“ wurde geprüft; die Gleichstellungsstelle Kempten organisierte die Ausstellung „Mädchen können alles, wenn Mann sie nur lässt“ in der staatlichen Berufsschule – alles Themen, die bis heute Themen von „Frau und Beruf“ sind, wie OB Kiechle feststellte.

Die Servicestelle hat in den vergangenen 20 Jahren rund 4500 Frauen – und auch ein paar wenige Männer – zu Themen rund um Erwerbstätigkeit und Familie umfassend beraten, weitaus mehr in kürzeren Informationsgesprächen. Das mache sichtbar, dass „viele Lebensläufe anders geworden wären“, ohne die Arbeit der dort tätigen Beraterinnen und auch Dozentinnen, folgerte Kiechle. Mit Einzelberatungen und verschiedensten Seminarangeboten leistet „Frau und Beruf“ eine intensive Begleitung auf dem Weg zurück ins Berufsleben oder auch in die Selbständigkeit.

Einen Erfolgsfaktor sah der OB in der Öffentlichkeitsarbeit der Einrichtung. Unter anderem mit der ersten großen Ausstellung zum Thema im Kornhaus im Jahr 2000 aus der die „Bildungsmesse Allgäu“ entstanden sei; 2002 mit den später vom Netzwerk für Existenzgründung aufgegriffenen „Allgäuer Gründertage“, die von Sabine Kohl, die von Anfang an „dabei ist“, ins Leben gerufen worden sei sowie vielen Aktionen und Themen mehr. Die Beraterinnen von „Frau und Beruf“ hätten zudem „frühzeitig passende Angebote gesetzt und diese auch vermittelt“, unter anderem die Themen Mobbing oder Burn-out, die intensiv bearbeitet worden seien, lange bevor sie in der breiten Öffentlichkeit Themen gewesen seien; oder das erste Seminarprogramm für Existenzgründer, „das Sixpack“ mit den wichtigen Basics für eine Existenzgründung von Buchhaltung bis Marketing. Das bahnbrechende daran: „es wurde von der Agentur für Arbeit bezahlt“ für Gründerinnen aus der Arbeitslosigkeit heraus und sei später von anderen Bildungsträgern in abgewandelter Form übernommen worden. Nicht zuletzt wegen der immer wieder schwierigen Finanzierung des Projektes zollte das Stadtoberhaupt den Anwesenden seinen Respekt für ihr „Engagement“ wie „Durchhaltevermögen“ und betonte, dass man kein Prophet sein müsse, „dass das auch in Zukunft wichtig bleiben wird“.

Für Ilona Authried, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Oberallgäu, lieferte Kiechle damit eine Steilvorlage, um auf das „unersetzliche“ Angebot von F&B zu verweisen und ihn zu bitten, sich auch bei den Landräten der Kooperationslandkreise für eine Fortführung einzusetzen. Ihre Kollegin aus dem Ostallgäu, Heike Krautloher, betonte, dass zumindest ihre Landrätin das noch nie in Frage gestellt habe. Als „Erfolgsgeschichte“ bezeichnete Theaterpädagogin und F&B-Dozentin Johanna Hartmann das Servicebüro, das ihr selbst ebenfalls Anlaufstelle“ gewesen sei, als sie sich 1998 selbständig gemacht habe. Die eigenen positiven Erfahrungen mit F&B auf dem Weg in die Selbständigkeit entpuppte sich auch bei den anderen Dozentinnen als ein Hauptgrund für das spätere Engagement, anderen Existenzgründern in Form von Seminaren Hilfestellung anzubieten.

„Vor 20 Jahren gab es noch nicht viel für Frauen nach der Familienzeit“, wies Theresia Wildegger, ehemals Agentur für Arbeit, darauf hin, dass es durch die Servicestelle viele geschafft hätten, „wieder in die Arbeitswelt einzutreten“. Sabine Blessing, Leiterin Stabsstelle Verwaltungsmodernisierung, Gleichstellungsbeauftragte und Geschäftsführerin von F&B, meinte, „viele Frauen brauchen auch die innere Stärkung“. Ein ganz anderes Motiv für ihr Engagement nannte Patricia Mühlebach, bei F&B zuständig für den Bereich Wiedereinstieg: „Mädchen waren in der Schule oft besser und es hat mich gefuchst, wenn ich dann aber immer Männer in der ­Chefetage sehe.“

Christine Tröger

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