Bürger informieren sich über Pläne

"Wo sollen die Kinder hin?"

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Die meisten der rund 50 Bürger trugen Argumente gegen die geplanten Miet- und Eigentumswohnungen vor. Im Vordergrund Leiter des Referates für Bauen, Wohnen und Verkehr, Tim Koemstedt, der die Ideen erläuterte.

Kempten – Rund 50 interessierte Anwohner waren am Mittwochabend in die Gute Stube der BSG ins Oberösch gekommen, um sich über die geplante Bebauung der Grünfläche an der Breslauer Straße zu informieren. Der CSU-Ortsverband Sankt Mang hatte dazu eingeladen.

Im Planungs- und Bauausschuss war kürzlich schon über das Bauvorhaben berichtet worden (der Kreisbote berichtete), jedoch ohne Beschluss, da die Mitglieder zunächst Meinungen von Anwohnern einholen wollten. Das sollte unter anderem an diesem Abend geschehen.

Weit über die Stadt kann man von der Grünfläche am Hang unterhalb der Breslauer Straße blicken. Das insgesamt 10.400 Quadratmeter große Gelände mit Bolz- und Spielplatz gehört der Katholischen Pfarrkirchenstiftung Mariä Himmelfahrt, die es angesichts der angespannten Wohnungssituation in Kempten gerne für Wohnungen zur Verfügung stellen möchte. Als Vorhabenträger hat sie die BSG Allgäu beauftragt, sich Gedanken über die Planung zu machen.

Angedacht ist bisher, rund 7600 Quadratmeter der Grünfläche vom östlichen Rand her mit Miet- und Eigentumswohnungen zu bebauen. Die BSG stellt sich ein Planungsverfahren vor, bei dem fünf Architekturbüros in einer sogenannten Parallelbeauftragung Ideen entwickeln. Als Rahmenbedingungen soll eine Bruttogeschossfläche von 8350, und Wohnfläche von 5800 Quadratmetern gelten. Das bedeutet, die Gebäude wären drei bis vier Vollgeschosse hoch und hätten zusätzlich ein unteres Hanggeschoss mit Zugang zum Garten. Es könnten 70 Wohnungen in mehreren Gebäuden entstehen, die laut BSG zur Hälfte bezahlbar vermietet und zur Hälfte als Eigentumswohnungen verkauft würden. Auch die BSG spüre, wie angespannt die Lage auf dem Wohnungsmarkt ist. „Wir haben 1200 Anfragen nach Wohnungen“, erklärte Tanja Thalmeier, Vorstand der BSG Allgäu.

Die Entwürfe sehen außerdem vor, den Spielplatz beizubehalten. Überlegt werden müsse laut dem Leiter des Referates für Bauen, Wohnen und Verkehr, Tim Oliver Koemstedt, was mit dem Bolzplatz geschehen soll. Ihn mit einer Wohnbebauung zu kombinieren, sei lärmschutzrechtlich bedenklich. Außerdem seien vier solcher Bolzplätze in einem Radius von 500 Metern, die den Kindern laut Koemstedt fußläufig zuzutrauen wären.

"Lebensqualität erhalten"

Sehr am Herzen lag den Anrainern aber genau der Bolzplatz an der Breslauer Straße. Er werde sehr rege genutzt, von Kindern aus aller Herren Länder, sowohl zum Fußballspielen als auch zum Rodeln. Noch nicht eine Beschwerde über Lärmbelästigung sei dabei eingegangen. Mit den neuen Wohnungen würden ja noch weitere Kinder dazukommen, was die Situation verschärfe. „Auf dem Bolzplatz findet ja auch Integration statt“, wurde angemerkt. Dass die Kinder 500 Meter zum nächsten Bolzplatz laufen sollen, wurde als „lächerlich“ und „sehr theoretisch“ bezeichnet. Und die übrigbleibende Fläche sei für einen Spiel- und Bolzplatz viel zu abschüssig, merkte ein anderer Teilnehmer an.

Ein weiterer Brennpunkt für die Anwohner sind die Parkplätze. Es gebe „massenhaft Leute, die permanent auf Parkplatzsuche sind“. In der Vergangenheit seien in Sankt Mang sowohl zu kurze als auch zu wenige Parkplätze gebaut worden. Die Sorge der Bürger: Wo sollen die zusätzlichen Anwohner mit ihren Autos hin? Nach der Stellplatzsatzung müssen Wohnungen bis 110 Quadratmeter einen Stellplatz bekommen, Wohnungen und Häuser darüber zwei Stellplätze, erklärte Koemstedt. Nach dieser Richtlinie müsse gebaut werden. Man könne höchstens freiwillig mehr Parkplätze bauen, fordern könne das die Stadt jedoch nicht. Ein Problem sei auch, dass viele der Parkplätze an Auswärtige vermietet würden, sagte ein Bürger. Man müsse gewährleisten, dass die Parkplätze von den Mietern und Eigentümern vor Ort genutzt werden.

Lieber würden es einige Anwohner sehen, wenn das Gelände von unten her, im abschüssigeren Teil – gegebenenfalls auch in Terrassenbauweise, wie auf dem Nachbargrundstück – bebaut würde. Ein Anwohner hatte dazu die Idee, im oberen flachen Teil eine Tiefgarage zu bauen, deren Dach als Bolzplatz begrünt werde. Auch östlich der Linggener Straße im Außenbereich, Wohnfläche zu schaffen, wurde angesprochen. Das kam für Koemstedt angesichts der hohen Rate an Flächenversiegelung in Bayern erst einmal nicht in Frage. Vorrang habe die Nachverdichtung.

Nur zwei Stimmen sprachen sich für das Vorhaben aus, so wie es jetzt im Raum steht. Darunter ein ehemaliger Leiter der BSG-Hausverwaltung. Er appellierte an das Mitgefühl der Anwesenden: „Die Verzweiflung einer dreiköpfigen Familie mit beengtem Wohnraum kann sich doch jeder vorstellen.“ Zwei Drittel der Wiese sind ungenutzt, sagte ein Anwohner, der direkt unterhalb des Grundstücks wohnt, und eine Bebauung grundsätzlich positiv sieht. Er legt allerdings Wert auf eine sichere Schulwegalternative für die Kinder, die die Wiese täglich durchqueren.

Abschließend betonte Thalmeier, dass die Türen der BSG für Anregungen offen stünden. Man habe das Grundstück noch nicht gekauft und befinde sich in einer sehr frühen Planungsphase.

Susanne Kustermann

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