Appell für mehr Nachhaltigkeit

Prof. Dr. Angelika Zahrnt und Dr. Dorothea Deneke-Stoll diskutieren über eine nachhaltige Zukunft. Foto: Kampfrath

Der Klimawandel, die Erderwärmung und der steigende CO2-Anteil in der Atmosphäre beschäftigen die Menschheit. Das zeigte jüngst die Weltklimakonferenz im mexikanischen Cancún. Auch im Allgäu stoßen diese Themen auf Interesse. 24 überwiegend weibliche Zuhörer kamen am Freitagabend zu der Veranstaltung „Zukunftsfähiges Deutschland im Allgäu – ein Frauendialog“ ins Gemeindehaus der St.-Mangkirche.

Der Bund Naturschutz Deutschland (BUND), Brot für die Welt und der Evangelische Entwicklungsdienst veröffentlichten im Jahr 2008 die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt“. Mitverfasserin ist Prof. Dr. Angelika Zahrnt, Ehrenvorsitzende des BUND, die im Gemeindehaus sprach. Der erste Schritt zum Erkennen der ökologischen Problematik sei die Konferenz zu Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro gewesen. „Damals herrschte durch den Mauerfall eine Aufbruchstimmung. Man wollte die Energie, die durch das Ende des Kalten Krieges frei wurde, in die großen Probleme der Menschheit stecken.“ Das 21. Jahrhundert sollte eine Wende zur Politik der Nachhaltigkeit mit sich bringen. „Zwölf Jahre nach Rio stellten wir fest, dass keine grundlegenden Veränderungen stattfanden. Die Vielfalt an Tieren und Pflanzen schwindet weltweit, der CO2-Gehalt in der Atmosphäre steigt weiter an“, sagte Angelika Zahrnt. Doch es gebe auch positive Entwicklungen wie den Boom der erneuerbaren Energien und die vielen gesellschaftlichen Initiativen vor Ort. Die Studie „Zukunftsfähiges Deutschland“ fordere einen Kurswechsel zu einer gerechten Wertgesellschaft. Die Klimapolitiker hätten eine Erderwärmung von zwei Grad Celsius bis 2050 als Obergrenze vorgeschrieben. „Die Gerechtigkeit fordert, dass die Ansprüche an die weltweite Menge an CO2-Emissionen gleichmäßig verteilt werden.“ Dies bedeute, dass jedem Menschen 2050 jährlich zwischen anderthalb und zwei Tonnen an CO2-Ausstoß zustehen. Derzeit verursache ein US-Amerikaner im Jahr jedoch 20 Tonnen, ein Westeuropäer zehn Tonnen Kohlendioxid. „Die Epoche der billigen fossilen Energie, deren Nutzung den Klimawandel zur Folge hat, geht zu Ende“, betonte die Professorin. Auch die Ära der Vorherrschaft westlicher Industrienationen sei bald vorbei. „Die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer findet in einem historischen Moment statt, wo die Begrenztheit der Ressourcen von Energie und Wasser bis Kupfer und Kobalt deutlich wird.“ Heutzutage gehe es um eine neue Balance bei der Nutzung globaler Ressourcen und bei der Verteilung von Macht auf dem Globus. Zahrnt plädierte für einen Zivilisationswandel. Dies bedeute, Abschied zu nehmen vom exzessiven Ressourcenverbrauch, vom Wirtschaftswachstum und der Konsumgesellschaft in den Industrieländern. Es sei nötig, dass die Politik die Priorität gegenüber der Wirtschaft zurückgewinne. Umkehr notwendig Dr. Dorothea Deneke-Stoll, Präsidentin der Landessynode der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern, sprach ebenfalls im Gemeindehaus. Die Landeskirche sei 2007 der bayerischen Klimaallianz beigetreten − einem Bündnis, dem außerdem der Staatsregierung sieben katholische Bistümer angehören. Gott habe den Menschen den Auftrag gegeben, die Schöpfung zu bebauen und zu bewahren. „Spätestens seit der Industrialisierung leben wir zusehends rücksichtsloser zu Lasten unserer Mitgeschöpfe. Der Klimawandel ist, zumindest zu einem großen Teil, durch menschliches Handeln verursacht.“ Die Landessynode rufe zur Umkehr im Denken und Handeln auf. Jeder Einzelne sei aufgefordert, seinen Lebensstil zu überprüfen. „Deshalb appellieren wir an alle Christinnen und Christen, sich zu fragen, wo sie selbst bereit sind, ein Zeichen zu setzen im Sinne eines entschleunigten und bescheideneren Lebensstils“, so die Theologin. Die ärmsten Länder bekämen die Folgen der klimaschädlichen Emissionen zu spüren. „In Indonesien herrscht normalerweise ein stabiles Klima. Durch die Monokulturen und die Entwaldung hat sich das Klima stark geändert.“ Die Landessynode habe sich vorgenommen, ihren eigenen Ressourcenverbrauch während der Tagungen zu senken und die CO2-Bilanz kontinuierlich zu verbessern. Man achte auf die Verpflegung der Synodalen mit regionalen beziehungsweise fair gehandelten Produkten. „Nicht vermeidbare Flugreisen werden durch eine CO2-Abgabe klimaneutral gestellt. Der Schadstoffausstoß des kirchlichen Fuhrparks soll gesenkt werden.“ Einige Kirchengemeinden strebten die Umweltzertifizierung des „Grünen Gockels“ an. „In unseren Kindergärten sensibilisieren wir die Kinder für die Umwelt.“ Die energetische Gebäudeoptimierung gehöre zu den besonderen Anforderungen kirchlicher Bautätigkeit. Jeder Einzelne könne unnötige Umweltbelastungen vermeiden, etwa durch den Kauf regionaler und fair gehandelter Produkte, das Bilden von Fahrgemeinschaften, das umweltschondende Waschen sowie das richtige Heizen und Lüften.

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