Appell an Zivilcourage

Um 15 Prozent, von 789 auf 907 Fälle, nahmen im vergangenen Jahr die Sachbeschädigungen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion (PI) Kempten (Kempten und Altlandkreis) zu. „Der nachlassende Respekt vor fremdem Eigentum bereitet uns zunehmend Sorge“, meinte Polizeioberrat Michael Keck vergangenen MIttwoch bei einer Pressekonferenz.

Insgesamt registrierte die PI Kempten 2009 einen Zuwachs von fünf Prozent auf 1089 Straftaten im Bereich der Straßenkriminalität. Auf 353 Fälle erhöhte sich die Zahl der mutwillig beschädigten Autos, das sind 19 mehr als im Vorjahr. Rund elf Prozent dieser Fälle konnten geklärt werden. 233 Delikte verzeichnete die PI im Bereich der „Sachbeschädigungen auf Straßen, Wegen oder Plätzen“. Das entspricht einem Anstieg von etwa 19 Prozent gegenüber 2008. Um 58 Fälle nahm die Gesamtkriminalität im vergangenen Jahr zu. Somit wurden 6753 Straftaten registriert. Die leichte Zunahme sah Keck nicht als dramatisch an. „Das ist der zweitniedrigste Wert im Fünf-Jahres-Vergleich“, erläuterte er. Die Kriminalhäufigkeitszahl liegt im Bereich der PI bei 5153, für die Stadt Kempten bei 8707 (2008: 8687). Im Vergleich mit anderen etwa gleichgroßen Städten liege man damit sehr gut, so der Polizeioberrat. Tolle Quote „Die Aufklärungsquote ist spitze“, führte er an. Sie beträgt 70,2 Prozent und liegt damit im sechsten Jahr in Folge über 70 Prozent. Bayernweit werden rund 64 Prozent aller Fälle geklärt, deutschlandweit etwa 55 Prozent. Als Verdienst der Mitarbeiter der PI und der Bürger bezeichnete Keck die hohe Aufklärungsquote. Eine Zunahme um 91 Fälle auf 1933 Straftaten war im Bereich der Diebstahlkriminalität zu verzeichnen. Die Ladendiebstähle nahmen um 23,3 Prozent auf 682 Fälle zu. Für mehr als 24 Prozent aller Straftaten sind 14- bis 21-Jährige verantwortlich. Im Bereich der „vorsätzlichen, leichten Körperverletzung“ waren von 562 Tatverdächtigen 19 Kinder, 79 Jugendliche und 78 Heranwachsende. Zum Tatzeitpunkt standen davon 15,8 Prozent der Kinder, 32,9 Prozent der Jugendlichen und 73,1 Prozent der Heranwachsenden unter Alkoholeinfluss. „In diesem Bereich müssen wir einschreiten“, so Keck: „Alkohol ist der Katalysator“. In diesem Zusammenhang sprach er unter anderem Pächtern von Tankstellen und Gaststättenbetreibern ein Lob aus. Sie würden es den Jugendlichen nicht mehr so leicht machen, an Alkohol zu kommen, sagte er. Besonderes Augenmerk legt die PI heuer auf die „Stellvertreterkäufe“. Das heißt, dass Personen über 18 Jahre Jugendlichen Alkohol kaufen, die ihn dann trinken. Die „Hauptstraftaten“ der Kinder und Jugendlichen waren Ladendiebstähle und vorsätzliche, leichte Körperverletzungen. 20 „jugendliche Intensivtäter“ waren 2009 (2008: acht) bei der PI Kempten. Wie Keck erklärte, handelt es sich dabei um acht- bis 20-Jährige, die innerhalb eines halben Jahres fünf und mehr Straftaten begangen haben, davon mindestens eine Gewalttat. Besonders auffällig war dabei ein Jugendlicher, der für über 60 Straftaten verantwortlich gewesen sei, so Keck. Der Tatverdächtige sei sich jedoch bewusst gewesen, dass ihm, bis er 14 ist, nichts passieren könne. „Gerne aufklären“ würde die PI Kempten die Containerbrand-Serie. „Wir sind dran, aber der entscheidende Hinweis fehlt noch“, schilderte der Polizeioberrat. Einen Appell richtete er noch an die Zivilcourage der Bürger. Wenn jemand etwas verdächtiges sehe, solle er sich bei der Polizei melden.

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