Soziale Distanz - Herausforderung im Beruf

Das Arbeiten der Hebammen in Zeiten der Corona-Pandemie

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Um die Ausbreitung des Virus zu hemmen, sind auch die Hebammen dazu aufgefordert, die Hausbesuche auf das Nötigste zu reduzieren. In Zeiten von Corona arbeiten die Hebammen natürlich in entsprechendem Abstand und unter Einhaltung der vorgegebenen Hygienevorschriften.

Landkreis – Einer der schönsten Augenblicke im Leben ist die Geburt des eigenen Kindes, wenn es zum ersten Mal in den Armen liegt.

Überwältigt von unfassbaren Glücksgefühlen fließen die Freudentränen. Emotionen, die auch das Corona Virus nicht trüben kann! Doch gerade die Hebammen, die die frischgebackenen Mütter nach der Entbindung im Wochenbett zuhause betreuen, stehen in diesen Tagen oft vor neuen Herausforderungen. Denn strikter gewordene Besuchsbestimmungen und ein erhöhtes Infektionsrisiko veranlassen oftmals Mütter das Klinikum frühzeitig zu verlassen, um das Wochenbett Zuhause, im gewohnten Umfeld zu verbringen. Für die Hebammen beginnt dann die intensivere Betreuung etwas früher.

Sie übernehmen die Betreuung des Wochenbetts in den ersten Tagen nach der Geburt bis zu acht Wochen danach. Bevor die Hebamme die Wöchnerin besucht, muss sie im Vorfeld abklären, ob alle sich im Haushalt befindlichen Personen gesund sind oder ob es jemanden gibt, der grippeähnliche Symptome aufweist. Auch die Fragen, ob jemand in einem besonders betroffenen Gebiet unterwegs war oder Kontakt zu einer infizierten Person hatte, sollten vorher abgefragt und im besten Fall mit „Nein“ beantwortet werden, erklärt Ingrid Notz, Kreissprecherin der Hebammen Oberallgäu und Kempten. Bei ihrem Vorgehen und ihrer Arbeitsweise richten sich die Hebammen an die Vorgaben des Gesundheitsamts und an die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts.Bei den Hausbesuchen verzichten die Hebammen aufs Händeschütteln. Auch beglückwünscht wird nur aus der Distanz. „Das ist alles schon ganz anders geworden“, sagt Stefanie Baur, freiberufliche Hebamme.

Sonst stehe man den Frauen schon sehr nahe, das „Nicht-Nahe-Kommen“ mache vieles schwieriger. Zumal es auch eine Zeit sei, die geprägt wäre von Nähe und Bindung. So sei es für viele Frauen sicherlich nicht leicht, dass auch die Großeltern das Neugeborene erstmal nicht sehen dürfen. „Schließlich ist eine Mutter stolz auf ihr Kind und will es auch zeigen“, sagt Baur.

Bis sich alles mit dem Baby eingespielt hat, besuchen die Hebammen die Mütter anfangs täglich. Danach sind aber auch sie dazu angehalten, den direkten Kontakt auf das Notwendigste zur reduzieren, um so das Infektionsrisiko einzudämmen. So versuchen die Hebammen, Fragen und Anliegen telefonisch oder über Videotelefonie zu klären. Doch manchmal reicht das einfach nicht aus. „Den Gelbsuchtwert eines Neugeborenen kann ich nicht über die Videokamera beurteilen oder wenn die Brust der Frau schmerzt, dazu muss ich mir selbst einen Eindruck verschaffen“, sagt Baur.

Bei den Gesprächen vor Ort achten die Hebammen darauf, dass sie mit der Frau alleine im Raum sind, außer es wird eine weitere Person zur Übersetzung benötigt. Im Sicherheitsabstand von mindestens zwei Metern spricht die Hebamme mit der Mutter. Wenn Mutter oder Kind untersucht werden muss, erklärt die Hebamme erst die Vorgehensweise, bevor sie Handschuhe und den Mundschutz aufzieht und mit der Untersuchung beginnt. „Dabei versuchen wir so wenig wie möglich zu sprechen, um eine Tröpfchen Absonderung zu vermeiden“, sagt Notz. Erst wenn der entsprechende Abstand wiederhergestellt ist, äußert sie sich dazu. Neben den üblichen Hygienemaßnahmen dient dies alles natürlich auch dem Selbstschutz der Hebamme, sagt Notz. Schließlich gebe es einige Kolleginnen mittleren Alters, die Angst hätten, an diesem Virus zu erkranken.

Eine Sicherheitsausrüstung steht den Hebammen bisher nicht zur Verfügung, da bei deren Vergabe Krankenhäuser und andere Einrichtungen priorisiert behandelt wurden. „Außerdem gehe man davon aus, dass Hebammen es in erster Linie mit gesunden Frauen zu tun hätten“, fügt Notz hinzu. Bisher ist der Kreissprecherin der Hebammen im Oberallgäu und in Kempten noch kein Fall bekannt, bei dem eine Mutter infiziert gewesen wäre. Doch wäre dies der Fall, hofft auch sie auf eine Schutzausrüstung.

Seit der Corona-Pandemie hat sich auch der Arbeitsalltag der Hebammen ein Stück weit geändert: Er ist digitaler geworden. So beschäftigen sich die Hebammen inzwischen bei ihrer Arbeit mit den modernen Medien und beraten nicht nur über Videotelefonie, sondern bieten auch Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse im Live-Stream via Zoom an.

Für die Hebammen eine ganz neue Erfahrung und zugleich eine Herausforderung, die Frauen auf diese Weise zu begleiten. „Denn eigentlich wollen wir ja den direkten Kontakt“, betont Notz und gibt zu bedenken, dass es auch bei uns Familien gibt, die keinen Zugriff auf die moderne Medienwelt haben.

Tamara Lehmann

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