Blick hinter die Kulissen

AK Schule Wirtschaft informiert sich über Arbeit und Ausbildung in der Bahnhofapotheke

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In der Manufaktur, wie etwa im Versand, werden noch alle Tätigkeiten von Hand bearbeitet. Hier zu sehen: Mitarbeiterin Melinda Ipeksoy beim Verpacken der bestellten Produkte.

Kempten – Durch den zunehmenden Fachkräftemangel gewinnt die Schnittstelle Schule und Beruf immer mehr an Bedeutung.

Der Arbeitskreis Schule Wirtschaft (AK) lud letzten Montag zu einer Betriebserkundung in die Bahnhofapotheke Kempten ein, um einen Blick hinter die Kulissen einer Apotheke zu gewähren. Den Arbeitskreis Schule Wirtschaft, der sich aus Vertretern der Wirtschaft und der Lehrerschaft zusammensetzt, gibt es bereits seit 30 Jahren. Der Arbeitskreis möchte dabei unterstützen, Schülerinnen und Schüler in Berufe zu bringen, die ihnen gefallen und ihren Neigungen entsprechen, sagte Richard Vanoni von der Sparkasse Allgäu. So sei es ein gemeinsames Bestreben, den Jugendlichen bei der beruflichen Orientierung zu helfen und somit den Nachwuchs in der Region zu halten. Vor diesem Hintergrund finden zweimal im Jahr Betriebserkundungen statt, um den Lehrerinnen und Lehrern der Abschlussklassen Anhaltspunkte und Informationen zu möglichen Berufsbildern zu geben. Auch die Firmeninhaber bekommen dadurch die Möglichkeit, ihr Unternehmen zu präsentieren, erklärte Vanoni. Das Unternehmen Bahnhofapotheke, das aus einem Stammhaus, zwei Filialen, dem Naturkostladen PurNatur und Bistro, einem Kosmetikstudio, einer Kindertagesstätte, einem Duft- und Heilpflanzengarten auf der Burghalde in Kempten – ein Gemeinschaftsprojekt mit dem Stadelmann-Verlag und der Bio-Gärtnerei Christian Herb in Zusammenarbeit mit der Stadt Kempten und PurNatur- Blumen – besteht, beschäftigt etwa 330 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 

Der Apotheker Dietmar Wolz hat die Apotheke 1985 von Utz Leiderer übernommen. Die Führung, die der Inhaber Dietmar Wolz mit zwei seiner Angestellten gab, startete im Naturkostladen PurNatur. Das umfangreiche angebotene Sortiment umfasst Bio-Lebensmittel von namhaften Firmen wie Rapunzel oder Sonnentor, von Allgäuer Sennen, Bauern und Metzgern. Im Bistro werden hausgemachte Produkte aus regionaler Herstellung angeboten, wie etwa Suppen und selbstgebackenes Brot, erklärte eine Mitarbeiterin der Bahnhofapotheke. Es werde besonderer Wert auf Nachhaltigkeit, fairen Handel, regionale Herstellung und persönliche Beratung gelegt. In der Manufaktur sind die Abteilungen Herstellung, Abfüllung, Etikettierung, Versand und Bestellannahme angesiedelt. Hier entstehen Naturprodukte, wie Aromamischungen, Teemischungen und Naturkosmetik. Ein Schwerpunkt der Apotheke sei die naturheilkundliche Ausrichtung, angefangen bei der Homöopathie, über Phytotherapie bis hin zur Aromatherapie, so eine Apothekenmitarbeiterin. Seit 1988 werden die Original Stadelmann Aromamischungen in der Manufaktur der Bahnhofapotheke hergestellt. In die Aroma- und Teemischungen kommen nur Ingredienzen aus kontrolliert biologischen Anbau, ohne Beimischung von Konservierungsmitteln oder synthetischen Zusätzen, erklärte Wolz. Auch werde die Qualität der ätherischen und fetten Öle sowie der Salbengrundlagen vor Verwendung im hauseigenen Labor für Analytik und Mikrobiologie zusätzlich überprüft. 

Den sogenannte Reinraum, das Herzstück der Manufaktur, konnten die Besucher nur von außen durch eine Glasscheibe besichtigen. In diesem abgeschlossen Raum, der nur mit Schutzkleidung durch eine Schleuse betreten werden kann, werden die Aromamischungen hergestellt und in einheitlich etikettierte Flaschen, Tuben oder Dosen abgefüllt. Es gebe keine Automatisierung oder Digitalisierung, so Wolz. Die Herstellung, die Abfüllung, die Etikettierung und der Versand der Produkte werde noch von Hand bearbeitet. Nachhaltigkeit und die Verwendung natürlicher Rohstoffe spiegeln sich auch in der Ausstattung der Räumlichkeiten wider. So sind die Arbeitsplätze nach modernsten, ergonomischen und akustischen Gesichtspunkten unter Verwendung von viel Holz gestaltet worden, wie etwa die Ausstattung mit höhenverstellbaren Tischen. Ein Akustikexperte konzipierte die Räume, um den Geräuschpegel für die Beschäftigten auf ein angenehmes Niveau zu reduzieren, erklärte Dietmar Wolz. 

So können etwa die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der telefonischen Bestellannahme ohne Störungen durch Nebengeräusche mit den Kunden sprechen. Im Anschluss an die Führung gab Wolz Informationen zu Ausbildungsmöglichkeiten und Berufsfeldern. Angefangen bei den Berufen der/des Pharmazeutisch-technischen AssistentIn (PTA) und der/des Pharmazeutisch-kaufmännischen AssistentIn (PKA), über die/den PharmakantIn bis hin zum/zur ApothekerIn. Aufgrund der Betriebsgröße werde auch aktuell bei der IHK geklärt, ob andere Ausbildungsberufe in der Bahnhofapotheke angeboten werden könnten. Es gebe jetzt bereits eine Kooperation mit der Hochschule Kempten für eine duale Ausbildung im Gesundheitsmanagement, so Wolz. Er sei überzeugt, dass die Apotheke von diesen Angeboten nur profitieren könne, er sei offen für neue Ideen. Gegen Ende der Veranstaltung war noch die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Erfahrungsaustausch. 

Christine Reder

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