Eine Zusammenfassung der archäologischen Erkenntnisse

Isny vor dem großen Brand

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Dr. Jonathan Scheschkewitz berichtete in Isny über die Ergebnisse der archäologischen Grabungen.

Isny – Dr. Jonathan Scheschkewitz, letzter Leiter der großflächigen Ausgrabungen in Isny, hat den endgültigen Ergebnissen der Grabungen etwas vorgegriffen und in einer Zusammenfassung schon mal versucht, etwas Ordnung in die geschichtlichen Abläufe zu bringen, die zur Gründung der Stadt Isny führten und gleich zu vermerken: „Der Fronhof, von dem immer wieder die Rede war, ist im Bereich der Altstadt Süd und den bisherigen Grabungsfeldern nicht nachzuweisen.“

Das bedeutet aber keinesfalls, dass es den Fronhof nicht gab, nur wo ist nicht zu bestimmen. Eine kleine Sonderstellung hat Isny auch wieder, denn so große Flächen mit rund 6000 Quadratmetern sind nun wirklich bei innerörtlichen Ausgrabungen eine Seltenheit. Das war eine große Herausforderung, als im Juli 2012 mit der Erforschung der Bodenschichten begonnen wurde. Den Anwohnern solcher Grabungsgebiete ist immer schlecht zu erklären, was den das Ganze bringen soll und da hatten die Archäologen in Isny so richtig Dusel gehabt. Gleich im Grabungsfeld 1 stieß man auf hervorragend erhaltene Glasfunde. Rund 100 Glasgefäße wurden aus einer Fäkaliengrube geborgen und anschließend auch noch annähernd zugeordnet. In diesem Bereich standen auch das Wirtshaus zum Schwarzen Bären (1605) und dicht daneben das Schmiedezunfthaus. Beides durchaus für Wein- und Biergefäße mögliche Besitzer, denn in den Zunftstuben wurde durchaus auch mal einer „gehoben“ und im schwarzen Bären mit Sicherheit ebenfalls. Immerhin wurden 55 Stangengläser und mehr als 30 sogenannte Krautstrunke (Gläser mit runden Dellen, die Krautstrünken ähneln) gefunden.

Wenn in den Resten der Gebäude Hölzer nachgewiesen wurden, die bis ins 12. Jahrhundert zurückreichen, war eines sicher: In diesem Bereich blieb beim Brand kein Gebäude stehen und bebaut wurde danach auch nur teilweise. Der hohe Schichtwasserbereich hat viele Materialien gut versiegelt und erhalten, die sonst seltener nachzuweisen sind. So konnten dendrochronologische Untersuchungen durchgeführt werden und einer der Erdkeller wurde schon mal auf 1339 plus/minus zehn Jahre bestimmt. Die ehemaligen Latrinen waren auch die Müllkippen der Anwohner, aber genau so reiche Funde machte man auch in den Resten der Brunnen. Irgend so ein armer Teufel muss während des Dreißigjährigen Krieges sein Werkzeug und mehrere Kupfergefäße in einen der Brunnen geworfen haben um sie zu schützen, nur herausholen konnte er sein Hab und Gut dann nicht mehr....

Jetzt kommen alle Fundstücke in das Archiv des Landes, werden inventarisiert und restauriert und nach der schönen Regel, „alles was im Boden liegt, gehört dem Land“ dort auch gut verwahrt. Isny kann nach der abschließenden Bestimmung und Restaurierung von dort Dauerleigaben für das eigene Museum bekommen.

Schon öfter ist berichtet worden, dass eine ganze Reihe von Webstühlen nachgewiesen wurden. Das hätte auch die Geschichtsforscher gewundert, wenn das nicht gewesen wäre. An dieser Stelle muss man nicht umdenken und schon bei der Bestimmung der Bebauung von Isny vor dem Brand kann man sich einiges merken. Da wo heute die Wassertorstraße verläuft, muss die erste Stadtmauer gestanden haben, die vom Blaserturm bis zum Kloster reichte und die heutige ovale Form der Anlage von Türmen, Toren und Mauern fallen deutlich in einen späteren Zeitpunkt. Da wurde nicht gleich der große Wurf gestartet und die Stadt in der Kreuzform durchgeplant, sondern da haben die Isnyer in den Anfängen deutlich „kleinere Brötchen“ gebacken. Trotzdem kann man von rund 300 Jahren der mittelalterliche Blüte ausgehen und auch weiter stolz darauf sein.

Eines hat Dr. Scheschkewitz noch mit auf den Weg gegeben: Sollten weitere Flächen neu bebaut werden, ist damit zu rechnen, dass das Denkmalamt auch wieder mit dabei ist. „Eine Stadt muss in der Lage sein, sich weiter zu entwickeln und Neues zu gestalten, sonst kann man die Stadt unter eine große Käseglocke setzen.“

Manfred Schubert

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