architekturforum allgäu zieht Bilanz zum 15-jährigen Jubiläum

Viel erreicht – und noch viel vor

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Mit dem „LandLuft Allgäu Baukulturgemeinde-Preis“ zielt das architekturforum allgäu auf den ganzheitlichen Blick bei der kommunalen Entwicklung.

Kempten – Etwas Stolz schwingt schon mit in der Stimme von Franz Schröck, Geschäftsführer architekturforum allgäu (af) e.V., wenn er von den inzwischen 15 Jahren des Vereins spricht. Denn bewegt hat der Verein in diesen Jahren nicht zuletzt durch Beharrlichkeit einiges und er hat auch noch einiges vor, wie im Gespräch mit Schröck und Vorstandsmitglied Peter Geiger deutlich wird.

Gestartet 2001 (gefeiert werden sollte eigentlich schon im November 2016, musste aber verschoben werden) als architekturforum kempten kam es 2013 im Allgäu zur Fusion der einzelnen allgäuer architekturforen, mit Gründung einer Geschäftsstelle in Kempten, in der Franz Schröck in Teilzeit die Geschäfte des Vereins lenkt. Dass er mit den offiziell drei Stunden täglich nicht über die Runden kommt, stört ihn nicht. „Die anderen leisten ja auch ehrenamtliche Arbeit“ und als das sehe er die Überstunden auch. Für die als LEADER-Projekt gestartete Stelle ist Ende Juni 2015 die Förderung ausgelaufen. Seither wird sie vom Verein getragen, was sich nicht nur auf die Mitgliederzahlen (laut Schröck seither rund 100 Neuzugänge auf aktuell rund 230; davon entfallen nur etwa 60 Prozent auf Architekten, Bauingenieure und Landschaftsarchitekten, die restlichen kommen „aus allen Bereichen“) und mit 50 Euro Jahresbeitrag auf die Finanzkraft des Vereins positiv ausgewirkt hat. „Seit das Forum diese Professionalisierung vollzogen hat, kommen auch mehr und mehr Anfragen“, für Stellungnahmen, Ortstermine und vieles mehr, freut sich Geiger. Zentrale Anlaufstelle ist Schröck. Kostenpflichtig sind die in der Vorbereitung teilweise sehr arbeitsintensiven Dienstleistungen durch das af – zumindest bislang - nicht.

Das Ziel des Vereins, Ratgeber für Menschen zu sein, die etwas planen und, wie Geiger, betont in diesen Prozess noch „vor der Planung zu starten“ scheint Motivation genug.

Insgesamt gibt es rund 200 Baukulturinitiativen in Deutschland – mit „sehr unterschiedlicher Intensität“ in den Aktivitäten -, davon etwa 18 in Bayern, allerdings meist nicht in großen Städten, da dort die Architektenkammern „sehr stark“ seien. Das af allgäu ist mit insgesamt fünf Netzwerkknoten vertreten, die jeweils von einem gewählten Beirat des Vorstandes betreut werden: in Kempten durch Wolfgang Braig, in Sonthofen durch Alexander Rissmann, in Kaufbeuren durch Heidi Frank-Krieger, in Memmingen durch Rita Holzheu und in Mindelheim durch Doris Riedmiller. Sie sind zuständig für Monatstreffen, Exkursionen und vieles mehr. Die regelmäßigen Treffen sind laut Geiger meist einem Thema gewidmet, auch mit Vorträgen oder einem „Stadtspaziergang“. Einmal im Jahr gibt es neben der für Vereine obligatorischen Mitgliederversammlung auch ein „großes Treffen“.

Spuren hinterlassen

Zu einem der großen Verdienste des af kann die Installation von Gestaltungsbeiräten bislang in Kempten, Sonthofen und Kauf- beuren gezählt werden. „Da können wir uns schon ein bisschen auf die Schultern klopfen“, sagt Schröck nach dem zähen Weg bis dahin. Wirklich sichtbar werde deren Arbeit aber wohl erst in einigen Jahren. Damit ist man dem hehren Ziel des af ein ganzes Stück näher gerückt: das Thema Qualität und Baukultur ins Bewusstsein bringen. Und das möchte der Verein möglichst breit gestreut sehen, weshalb Geiger auch betont, dass das af „eine offene Plattform“ sei, d.h., „Jeder kann kommen“, auch ohne Mitglied zu sein. Ebenfalls ein Meilenstein: der alle zwei Jahre ausgelobte „Baupreis Allgäu“, der im kommenden Jahr wieder vergeben werden wird. Nicht zu vergessen der „LandLuft Allgäu Baukultur-Gemeindepreis“, bei dem es „über Einzelprojekte hinaus geht“, unter anderem auch soziale oder gesellschaftliche Aspekte einbezogen und die Bürgermeister eine Vision entwickeln würden, wie es mit ihrer Kommune die nächsten zehn bis 20 Jahre weitergehen soll. Ein Problem sei allerdings, dass die Politik zum Teil noch „in Legislaturperioden denkt“. Seines Erachtens „gehört das Thema Gestaltung eigentlich in die Schule“. Denn wenn es in der Erziehung nicht vorkomme, „wie soll es sich dann entwickeln“? „Baukultur ist Lebensqualität“, outet sich auch Schröck als Überzeugungstäter, der nicht versäumen möchte auf den neuen (erschienen im Oktober 2016) Baukulturbericht, das wichtigste Medium der Bundesstiftung Baukultur, die als unabhängige Einrichtung für Baukultur als gesellschaftlichen Wert eintritt, hinzuweisen. Damit komme das Bewusstsein für Baukultur „von ganz oben“. Auch regional und lokal sei in den letzten Jahren gestiegen, schätzt Schröck die Entwicklung, die er als „eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“ und nicht nur eine der Architekten, betrachtet, optimistisch ein.

Ein wichtiges Anliegen des af ist „der Erhalt des Historischen“, wie Geiger betont und dabei „das Verständnis“ für den Umgang mit historischen Bauten. Er ist sich mit Schröck einig, dass Kempten „immer Autostadt war“ und man zwar mit Alt- und Stiftsstadt wuchere, wenn es aber keine schnelle Lösung für ein altes Gebäude gebe, das gerade im Weg stehe, lieber abgerissen werde.

Als Ausblick nennt Schröck das Ziel, den Qualitätsanspruch „noch besser in der Politik zu verankern“. Beispielsweise fordere man für Oberallgäu wieder einen Kreisbaumeister , der 2007 abgeschafft worden sei, während es im Unter- und im Ostallgäu einen gebe. Allerdings sei dafür die Mehrheit der Bürgermeister des Landkreises nötig und da sieht sich Schröck noch am Anfang eines langen Weges. Aber „das was es an positiver Erfahrung jetzt in Kempten gibt, muss man weiter tragen“, ist er überzeugt wie auch davon, „dass wir versuchen müssen, den wahnsinnigen Flächenverbrauch einzudämmen“. Allein im Allgäu würde täglich eine Fläche von zwei Hektar versiegelt, deutschlandweit seien es täglich 69 Hektar. „Man muss einfach sorgsamer mit Grund und Boden umgehen“, weist er auf die Begrenztheit von Landschaft hin. Ein Blick auf Südtirol oder Graubünden zeige zudem, dass Baukultur auch ein Kriterium sei, „wie sich eine Region präsentiert“.

Im März 2017 erscheint die ergänzte Neuauflage von „Einblicke – Aussichten“ zum Thema Baukultur als Schnittstelle – zur regionalen Entwicklung im Allgäu.

Termine

17. Februar 2017: Party zum 15-jährigen Bestehen des architekturforum in der Bühnenschleuse des LTS Memmingen

März/April 2017: Nächste Stationen der Wanderausstellung zum Baukulturgemeinde-Preis Allgäu in Wangen/Deuchelried und Marktoberdorf

April 2017: FreitagNachmittagExkursion zu umgebauten Bauernhäusern im Ostallgäu

29. Mai 2017: Podiumsdiskussion zum 1-jährigen Bestehen des Gestaltungsbeirates Kempten

Juni 2017: Ausstellung „Alpen Architektur Tourismus“

24. Juni 2017: architekt(o)urbus anlässlich der Architektouren 2017

Juli 2017: Präsentation „Architekturführer Allgäu 2006 - 15“

September/Oktober 2017: „Zeitmaschine Freiheit“ im Kreuzherrensaal, Memmingen

23. Februar 2018: Verleihung „baupreis allgäu 18“ im Kornhaus Kempten

Christine Tröger

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