Partnerschaft mit Quiberon

"Basis der Völkerverständigung"

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Zwei Kemptener Zeitzeugen der deutsch-französischen Freundschaft: Petra Le Meledo-Heinzelmann (Mitte) und Annemarie Marschall. Beide befragt der Stadtratsbeauftragte für Partnerstädte, Ulrich Kremser, zu ihren ganz persönlichen Erfahrungen und Geschichten mit Freundschaften mit Franzosen.

Kempten – Europa steckt in der Krise. Umso wichtiger erscheint es, das Fundament der europäischen Einheit – die deutsch-französische Verbundenheit – zu würdigen.

Auch in Kempten nahmen die Stadt zusammen mit dem Integrationsrat, dem Freundschaftskreis der Partnerstädte und der Volkshochschule die 50 Jahre zurückliegende Unterzeichnung des Elysée-Vertrages zum Anlass, die deutsch-französische Freundschaft im Schönen Saal der Kemptener Sing- und Musikschule zu würdigen. 

 Am 22. Januar 1963 unterzeichneten Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle im Elysée-Palast in Paris den gleichnamigen Vertrag, der beide Seiten zu konstruktiver Zusammenarbeit in den Bereichen Außen-, Sicherheits-, Jugend- und Kulturpolitik verpflichtete. Zudem wurden Treffen auf Regierungsebene in regelmäßigen Abständen vereinbart. So wurde aus der ehemaligen „Erbfeindschaft” eine Freundschaft, die bis heute währt und die tief in die jeweiligen Bevölkerungen gedrungen ist. Die seit 42 Jahren bestehende Städtepartnerschaft Kemptens mit Quiberon in der Bretagne ist ein Beweis lebendiger Freundschaft zwischen den beiden Zivilgesellschaften. Immer wieder besuchen sich Bürger in beide Richtungen, ob es sich nun um Schülergruppen, Chöre, Sportvereine oder einfach Neugierige handelt. Zumal beide Orte in malerischen Landschaften liegen. Hohe Berge und die Weite des Meeres bilden keinen Widerspruch, sondern eine Ergänzung, so unisono die Redner des Abends. 

„Diese Städtepartnerschaften waren und sind die Basis der Völkerverständigung und unserer gegenseitigen Annäherung”, so Kemptens OB Dr. Ulrich Netzer (CSU) in seiner Ansprache. „Die deutsch-französische Freundschaft ist eine Erfolgsgeschichte, die von beiden Seiten stets die Bereitschaft zur Aussöhnung und den Willen zum Neuanfang voraussetzte”, so Netzer, der gerne selbst seine Ferien beim westlichen Nachbarn verbringt. Zu Gast in Kempten waren an diesem Abend der stellvertretende Generalkonsul Florent Cheval aus München und der junge Bürgermeister Jean Michel Belz aus Quiberon. In ausgezeichnetem Deutsch hielt dieser eine Rede, in der er auf die kulturelle Affinität der beiden Nationen verwies und Frankreich und Deutschland als „Ehepaar” bezeichnete. Es wurden am Abend aber nicht nur Reden gehalten, sondern im zweiten Teil wurden unter anderem die beiden Bürgerinnen Annemarie Marschall und Petra Le Meledo-Heinzelmann aus Kempten den rund 180 Gästen vorgestellt. Beide nahmen auf einem roten Sofa auf der Bühne Platz und wurden von Ullrich Kremser (FDP), dem Beauftragten für Partnerstädte des Stadtrates, interviewt. 

Petra Le Meledo fand vor Jahren ihre zweite große Liebe in Frankreich, nachdem sie für sich entschlossen hatte, nach erstem Liebeskummer in der Heimat an einem Schüleraustausch teilzunehmen. 

 Bewegtes Publikum 

Annemarie Marschall war einer der Begründerinnen der Städtepartnerschaft zwischen Kempten und Quiberon und berichtete, sie sei bei ungezählten Besuchen an der französischen Atlantikküste nicht nur als Gast, sondern stets als Freund behandelt worden. Mit ihren rund achtzig Jahren erzählte sie von ihrem letzten Besuch in Quiberon im vergangenen Jahr. „Um Abschied zu nehmen von meinem Quiberon”, wie sie sagte und damit das Publikum bewegte. Die deutsch-französische Freundschaft aber wird auch weiterhin bestehen. Das zeigten dann auch Schülerinnen und Schüler des Austausches Quiberon/Carnac und des Hildegardisgymnasium. Sie präsentierten einen kurzweiligen Quiz mit Fragen zur jeweiligen Landeskunde. 

Danach traten Kemptener Schülerinnen auf die Bühne und stellten ihre Erlebnisse aus einem letztjährigen Schüleraustausch mit vielen kleinen bebilderten Anekdoten dar. Mit einer Hommage an die „Piaf”, Frankreichs berühmtester Chansonette, intonierte dann das Schauspieler-Duo Elisabeth Rass und Peter von Fontano ihre Darbietung „Ganz Paris träumt von der Liebe…”. Abgeschlossen wurde der Abend mit der gemeinsam vom großen Chor des Hildegardis-Gymnasiums und Publikum gesungenen Europa-Hymne. Rund hundert französische Mitbürger zählt die Stadt Kempten mittlerweile, einige davon sind hier mit ihren deutschen Partnern in Liebe tief verbunden. Jörg Spielberg

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