Überzeugende Aufführungen

Viele "Perlen" bei den Schultheatertagen

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Es ist ein karges Leben und ein noch kargeres Mahl, das die Bauersfamilie jeden Abend hungrig zu Bett gehen lässt. Für zwei der Kinder ist es die vorerst letzte gemeinsame Mahlzeit. Sie werden am nächsten Tag von ihrem Vater (li) zum Arbeiten ins Schwabenland geschickt.

Kempten – Mit insgesamt acht verbliebenen Stücken waren die letzten beiden Schultheatertage noch einmal prall gefüllt – und bargen manche Perle.

Allen voran das Stück „Verkauft“, mit dem die Montessori Schule das schwere Los der Schwabenkinder auf die Bühne im TheaterOben brachte. Keine leichte Kost – grandios umgesetzt.

Nur selten kann man ein so authentisches Verschmelzen von Darstellern in ihre Figuren erleben. Man hatte das Gefühl, dass die verkauften Kinder, die aus Not und Armut verhärteten Eltern, die wohlhabenderen und doch herzlosen „Käufer“ nicht dargestellt wurden, sondern selbst auf der Bühne standen. „Ach wie furchtbar leer ist unser Magen. Hunger, Hunger“, unterstrich der Chor die Stimmung nach dem gemeinsamen, mehr als kargen Abendessen der Bauersfamilie; oder „Im Dunkeln ist Hoffnung, Flamme des Lebens“ gesungen, nachdem alle angebotenen Schwabenkinder auf dem Markt versteigert worden waren: „Zehn Gulden für einen, der aussieht wie ausgekotzte Milchsuppe?“ – Glück, wer einen anders gearteten Arbeitgeber fand.

Wieder daheim ist alles wie zuvor – und doch hat es etwas mit ihnen gemacht. Es ist die Frage nach dem Warum, die in den erwachsen gewordenen Kindergesichtern steht. „Warum schenkt Gott uns so viele Kinder, wenn er sie nicht ernähren kann?“ Die Antwort blieben sowohl himmlischer als auch leiblicher Vater schuldig.

In den Orient entführte das Hildegardis-Gymnasium mit „Milad oder die Kunst 21 Tage satt zu werden“ nach Rafik Schamis Romanvorlage. Die Erkenntnis, dass der von einer Fee versprochene Schatz nicht mit materiellen, dafür menschlichen Werten zu tun hat, musste sich der Syrer Milad durch einige Schicksalsschläge hindurch erarbeiten.

Freiheit ist für Jeden etwas anderes

„Raus aus dem Kinderheim“, „eine Mutter, der ich vertraue“, „Freiheit“, sind dagegen Wünsche, die Schüler der Agnes-Wyssach-Schule beschäftigt haben. In einem fesselnd-temporeichen Potpourri aus Schauspiel, Pantomime, Tanz, Gesang und Filmsequenzen nahmen sie ihr begeistertes Publikum mit in „Eine schöne neue Welt.“

Einen echten „Hit“ landete die Grundschule Heiligkreuz mit ihrem märchenhaften Kindermusical „Rotkäppchen“, das schon allein – nicht nur! – wegen der Präsenz aller 106 Schüler, unter anderem als Pilze, Bäume, Blumen, Hasen oder Jäger faszinierte. Eine schwierige Frage hatte sich die Gruppe der Kemptener FOS/BOS gestellt. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, die sie frei nach dem Bestseller „Nichts (was im Leben wichtig ist)“ zu beantworten versuchten. „Denn alles fängt nur an, um aufzuhören. Alles was dazwischen ist, hat keine Bedeutung.“ Wie überzeugt man einen Freund, der den Sinn des Lebens derart in Frage stellt, vom Gegenteil? Unter anderem wird ein Berg an Bedeutung angehäuft, auf den die seine Freunde Dinge legen, die sie in ihrem Leben als wichtig erachten.... und mit einem kurzen Blick als in Wahrheit bedeutungsloser Plunder entlarvt werden.

"Royales" Finale

Den, im wahrsten Sinne , krönenden Abschluss setzte das P-Seminar Englisches Theater des Carl-von-Linde-Gymnasiums mit der englischsprachigen „Serious Comedy“ „The Queen and I“. Gar nicht so einfach für die königlichen Familienmitglieder, als sie, plötzlich arbeitslos geworden, ihr Leben im Arbeitermilieu neu organisieren, „Stütze“ beantragen und auch einfache Alltagsarbeiten selbst verrichten müssen. In „Hell Close“ gestrandet entwickeln die ehemaligen Royals sehr unterschiedliche Überlebensstrategien, die besonders Elisabeth Windsor und Diana, unterstützt von den unschätzbar wertvollen Tipps ihrer sympathisch-prolligen Vermieterin Miss Toby, pragmatisch anpacken. Eine insgesamt witzig-spritzige Komödie, die dem klasse Team – und bei rund zweistündiger Spieldauer auch dem Publikum – einiges abverlangte.

Eine Woche mit wunderbaren Aufführungen von mit Herzblut engagierten Akteuren vor und hinter den Kulissen, einer logistischen Meisterleistung des Bauhofs und begeisterungsfähigem Publikum ist damit zum vierten Mal über die Bühne gegangen und schürt schon jetzt die Vorfreude, wenn es nächstes Jahr heißt: Bühne frei für die 5. Schultheatertage.

Christine Tröger

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