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Poetry Slam: Wortspiele aus Darmflora und Fauna

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Von: Martina Ahr

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AÜW-Kultslam 2022 Poetry Slam Kempten
AÜW-Kultslam 2022: Tamara Stocker (3. v. links) gewinnt den „Tanzenden Strommast“. Von links nach rechts: Moderator Alexander Burkhardt, Sängerin Aylin Celik (sorgte für den musikalischen Rahmen), Inga Miksch, Paul Bokowski, Chris Veit, Samuel Kramer, Marvin Suckut, Alina Schmolke und Tobias Melder. © Ahr

Kempten – Sechs Minuten Zeit, Worte und Stimme sind erlaubt, aber keine weiteren Hilfsmittel: So, erklärt Moderator Alexander Burkhardt, lauten die Regeln des AÜW Kultslams.

Auf dessen Durchführung hatten manche zwei Jahre warten müssen. Darunter sind zahlreiche Neulinge, die am Dienstagabend zum ersten Mal den Weg zu einem Poetry Slam gefunden haben.

Tamara Stocker aus Innsbruck startet mit einem Stück über einen Mann, der ihre Beziehung lieber als „Algebros“ sehe, obwohl sie lieber „aus der Wurzel eine Gerade machen“ würde.

Sie setzt sich mit ihren Wortspielen durch gegen Paul Bokowskis Insolvenzcomedy in einem Flugzeug mit dem Titel „Warten auf Merlot“, Chris Veits „Tinder macht die Puffs kaputt“ und Marvin Suckut, der übers Spazierengehen und Segeln sinniert.

Auch ernste Themen beim Slam

Der Auftakt der zweiten Runde bringt einen Stimmungswechsel mit sich: Inga Miksch spannt in „Muttermahnmal“ den Bogen von ihrer Großmutter und deren Erleben der Reichspogromnacht („Siehst kein Kristall, siehst nur Scherben“) über ihre Mutter und der Friedensbewegung der Achtzigerjahre bis in die Gegenwart: „2022 heißt es wieder Krieg in Europa – wie wollen wir ihm entgegentreten?“. Aus dem Publikum erhält die Kemptenerin ausdauernden Applaus und deutliche Zustimmung zu ihrem bewegenden Auftritt.

Dennoch gewinnt Samuel Kramer den Durchgang nach Auftritten von Tobias Melder mit zwei Gedichten und Alina Schmolke mit sehr persönlichen Einsichten in ein Leben mit großen Brüsten. Kramer stellt ein Stück über Süchte – und Mario Kart – vor und hat extra für die Älteren im Publikum, wie er erklärt, Pink Floyd eingebaut.

Von „komischen Vögeln“ und „Prinzessin Corönchen“

Im Finale konzentriert er sich dann mit seinem „Vogelgedicht“ auf das globale Massensterben, vom Kükenschreddern und versäumten To-dos und darauf, dass der Mensch wohl der komischste Vogel von allen ist.

Seine Kontrahentin Tamara Stocker glänzt in der Finalrunde mit einem Märchen aus „Krankreich“, dessen Darmflora und Fauna und den Erlebnissen von Prinzessin Corönchen, die schließlich vom „Dorfstecher“ und dessen Nadel gerettet wird.

Den Anwesenden entlockt sie damit reichlich Lacher und kann dafür den „tanzenden Strommast“, wie sie die Trophäe des AÜW bezeichnet, entgegennehmen.

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