Kaffee für jedermann

Lokale Gastronomen und Geschäfte holen den "Caffè sospeso" nach Kempten

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Das Prinzip der Aktion: Gemeinsam einen Kaffee trinken und einen weiteren für bedürftige Menschen bezahlen. Antonio Gennaro, Inhaber des Caffè Baffetti, (re.) ist begeistert, dass der „Caffè sospeso“ jetzt auch in Kempten ausgegeben wird.

Kempten – Am Freitag fiel im Caffè Baffetti in der Klostersteige der Startschuss für eine alte und immer noch weit verbreitete italienische Tradition:

Ab sofort gibt es auch in Kempten einen „aufgeschobenen Kaffee“ für Menschen, die sich das wohl beliebteste Getränk für eine Pause eigentlich nicht leisten können.

Initiiert wurde diese Aktion vom City-Management Kempten und Vereinsmitglied Antonio Gennaro. Das Prinzip entstand in der Region um Neapel, als zwischen den beiden Weltkriegen die Gesellschaft sich grundlegend veränderte und viele Italiener am Rande des Existenzminimums leben mussten. Damals begannen die Menschen sich gegenseitig Kaffee zu bezahlen. Es funktioniert denkbar einfach: In allen teilnehmenden Cafés und Bäckereien kann der Kunde ein Getränk, in der Regel Kaffee bestellen, aber zwei bezahlen. 

Das zweite Getränk wird „aufgeschoben“ und kann im Anschluss von Bedürftigen getrunken werden. „Bei uns steht ab heute ein Glas auf der Theke, in dem die Bons von den bezahlten Kaffees gesammelt werden“, sagt Antonio Gennaro, Inhaber des Caffè Baffetti. Dies müsse aber nicht jeder Gastronom genauso handhaben. Dem Aufruf des City-Managements sind spontan elf Gastronomen und Geschäfte in der Innenstadt gefolgt. Bis Ostern wollen die Initiatoren nun testen, ob der „aufgeschobene“ Kaffee in Kempten angenommen wird. 

Die teilnehmenden Geschäfte erhalten Türaufkleber und Flyer, um auf die Aktion aufmerksam zu machen. Katinka Zimmer, Geschäftsstellenleiterin des City-Management Kempten, hofft, dass auch die potenziellen Empfänger der gespendeten Kaffees von der Aktion erfahren und viele Kemptener sich daran beteiligen: „Auf diese Weise kann jeder Gast ganz einfach und schnell jemand anderem eine Freude machen.“ In anderen deutschen Städten wie Köln gibt es die Aktion schon lange und ist sehr beliebt. Trotzdem werden die aufgeschobenen Kaffees dort nicht immer alle getrunken. „Es wird spannend wie sich dieser Kaffeekult im Allgäu entwickelt“, sagt Zimmer. 

Geschäfte und Cafés, die noch mitmachen möchten, können sich an das City-Management wenden. am Das Prinzip der Aktion: Gemeinsam einen Kaffee trinken und einen weiteren für bedürftige Menschen bezahlen. 

Den „Caffè sospeso“ gibt es ab sofort in folgenden Cafés: Caffè Baffetti, Caffè Bellazzo, Caffè Roma, Conditorei Wipper, Pur Natur – Naturkostladen und Bistro, Café Etwas, da Toni, Marktcafé Liebenstein, Künstlerhaus, Franz & Xaver.

Annette Mayr

Antonio Gennaro, Inhaber des Caffè Baffetti, (re.) ist begeistert, dass der „Caffè sospeso“ jetzt auch in Kempten ausgegeben wird. Foto: Mayr

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