AufMöbeln und SinnStiften

HOI!-Verein und ZAK eröffnen schickes Gebrauchtwarenhaus

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Auf Möbeln des neuen KaufHOIS saßen am Mittwoch bei der Eröffnung die Gäste und konnten sich so gleich von deren Qualität überzeugen. Durch die Veranstaltung führten die Geschäftsführerin von HOI! Petra Ruf (mit Mikro) und Projektleiterin Claudia Mayer. Auf dem Sofa im Vordergrund nahmen Aufsichtsrats- und Verbandsratsvorsitzender des ZAK Gebhard Kaiser und Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert Platz.

Kempten – „Gebraucht heißt: Mit Charakter, einzigartig, Vintage Schick, ungewöhnlich. Gebraucht heißt: Werte bewahren und jeder hat etwas davon.“

Das schreiben der Zweckverband für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) und die HOI! Psychosoziale Hilfsgemeinschaft e.V. in ihrem Flyer für das neue Kaufhois in der Unteren Eicher Straße. Nach dem Testbetrieb wechseln dort nun ganz offiziell gebrauchte Möbel, Bücher und Einrichtungsgegenstände ihre Besitzer.

Im Raum verteilt sind mehrere Sitz-Arrangements. Dekorativ sind passende Gläser, Bücher, Kissen oder Tassen drapiert. Neben einem Paravent im 50er-Jahre-Schick stehen Kühlschränke und in der Nische daneben Bücher in Regalen. „Die Möbel, die wir verkaufen, sind so bunt wie die Belegschaft“, sagt HOI!-Vorstand Carlos Martínez. Seit April organisiert, sortiert, reinigt, arrangiert und dekoriert das Team die Möbel für das neue Kaufhois. Der Ablauf ist schon eingespielt. Entweder holen die HOI!-Mitarbeiter die Spenden auf Anruf ab, oder sie werden vorbeigebracht. Auch manche Werstoffhof-Besucher finden Schätze und melden sie an. Neu ist die ZAK-Box, die Haushalte an den Werstoffhöfen Lindau, Kempten Unterwang, Kempten Schumacherring, Lindenberg, Sonthofen und Durach erhalten.

Darin können sie gut erhaltene Bücher, elektronische Geräte, Geschirr, Spielzeug, Sportartikel und Werkzeug abgeben.„Die Wiederverwertung ist in der Müllhierarchie die zweit-edelste Form und kommt gleich nach der Müllvermeidung“, sagt ZAK-Geschäftsführer Karl Heinz Lumer. Der Verband möchte mit dem Projekt die Lebensdauer der Produkte in unserer Konsumgesellschaft verlängern. „Auf den Werstoffhöfen sehen wir, dass die Leute ihre Gegenstände immer schneller wegwerfen.“ Aber auch seinem gesetzlichen Auftrag kommt der ZAK mit dem von der EU geförderten Interreg-Projekt nach.

Sind die Spenden dann im Kaufhois angekommen, werden sie gereinigt und aufgemöbelt. Im Keller ist extra ein Raum für Reparaturen vorgesehen. „Diesen Bereich möchten wir aber noch ausbauen“, berichtet Jessica Schoor, die in der Betreuung und im Verkauf tätig ist.

HOI! unterstützt seit 30 Jahren Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderung sowie Suchterkrankung in ihrem Alltag. Die Hilfe geht von Begleitung bei Arztbesuchen, über Haushaltshilfe bis hin zu Unterbringung in Wohngemeinschaften. Auch kann der Verein die Menschen in Arbeit bringen, zum Beispiel im Gartenbau, auf Wertstoffhöfen oder im Dienstleistungsbereich – oder eben im Kaufhois. So sind sie integriert und bekommen Selbstbewusstsein, wie auch Bezirkstagspräsident Jürgen Reichert in seiner Rede betonte.

Anfangs ging es turbulent zu, wie Kaufhois-Leiterin Kerstin Prinz berichtet. Das Team war neu. Die Belegschaft wusste nicht, welche Ware kommt und was bei den Kunden gefragt ist. Mittlerweile hat jeder seinen Platz gefunden, arbeitet dort mit, wo es ihm am meisten Spaß macht und ihm am besten liegt. Um genau messen zu können, wie viele Gegenstände mit dem Kaufhois vor dem Verbrennungsofen gerettet werden, haben ZAK und die HOI!-Mitarbeiter bereits eine Waage installiert. 500 Tonnen ist die erste Marke, die angestrebt wird. Dass diese Marke wohl leicht geknackt werden kann, zeigt das Ergebnis der ersten drei Monate: Schon jetzt sind 75 Tonnen Gebrauchtwaren an den Mann und die Frau gebracht worden.

Und wer kauft im Kaufhois ein? Auch die Kundschaft ist ganz bunt gemischt, wie Jessica Schoor erklärt. Neben Studenten, die etwas Hippes suchen, kommen auch Antiquitätenhändler, Sozialhilfe-Empfänger, Flüchtlinge, und normale Möbelhaus-Kunden. Und genauso breit gestaltet sich das Preissegment: „Es soll für jeden etwas dabei sein.“

Und dass selbst kaputte Gegenstände wieder zuverlässig ihren Dienst tun können, dafür sorgt das Repair-Café, das alle zwei Monate im Kaufhois stattfindet (nächster Termin: 15.9., 15-18 Uhr). Dann können Bürger ihre nicht funktionstüchtigen Sorgenkinder bringen und repariert wieder mit nach Hause nehmen. Und wer weiß, vielleicht geht ja auch der Wunsch des Aufsichtsrats- und Verbandsratsvorsitzender des ZAK Gebhard Kaiser in Erfüllung, der das Repair-Café am liebsten monatlich veranstalten würde. Stöbern und Waren bringen kann man im Kaufhois wochentags von 9-12.30 Uhr und von 13.30-18 Uhr sowie am Samstag von 9-12 Uhr. Unter der Nummer 0175/769 75 64 kann über WhatsApp eine Vorabsichtung der Spenden erfolgen.

Susanne Kustermann

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